Schönebeck l Der finnische Komponist Jean Sibelius hat das Sprichwort geprägt "Über Musik kann man am besten mit Bankdirektoren reden. Künstler reden ja nur übers Geld." In Schönebeck haben Direktoren einer Bank und einer Schule zusammengefunden, um über Musik und über Geld zu sprechen. Das Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums besitzt zwei Flügel. Einer von ihnen ist jetzt in das neue Schulhaus an der Berliner Straße umgezogen. Nicht ohne vorher eine Grunderneuerung zu erfahren.

Eine solche Restaurierung und klangliche Aufarbeitung ist sehr kostspielig. Sie hat mit rund 14 000 Euro zu Buche geschlagen. "In der Schule hat es viele Initiativen gegeben, um Geld zu sammeln. Schüler und der Förderverein haben sich engagiert. Aber allein hätten wir das nicht geschafft", berichtet Schulleiter Ulrich Plaga. Einen Partner bei der Finanzierung hat das Gymnasium in der Salzlandsparkasse und in der Sparkassenstiftung gefunden. Insgesamt stellten beide 9500 Euro zur Verfügung. 5000 Euro sind Stiftungsgelder, 4500 Euro kommen von der Sparkasse. Im zweiten Fall hat das Gymnasium nicht nur einen Antrag gestellt, sondern ist selbst kreativ auf Spendensuche gegangen. Hintergrund war die Aktion "Aus Eins mach Zwei". So haben sich Schüler beim Drei-Brücken-Lauf in der Elbestadt Sponsoren für gelaufene Kilometer gesucht, es gab Kuchenbasare, Musikaktionen. Der Förderverein hat zu Spenden aufgerufen. "Ein schönes Zeichen", findet Ulrich Plaga. "Die Schüler haben gemeinsame Sache gemacht, um ein Ziel zu erreichen."

Das imponiert auch der Sparkasse. Hans-Michael Strube als Vorstandsvorsitzender des Kreditinstitutes und Vertreter der Stiftung sowie der Schönebecker Gebietsdirektor Stephan Hunger und Andreas Baack von der Geschäftsstelle am Schönebecker Körnerplatz haben das Geld jetzt an den Schulleiter überreicht. "Uns geht es nicht vordergründig um den Flügel, sondern uns geht es um das Engagement an der Schule", begründet Hans-Michael Strube die Zuwendung seines Hauses. Die Sammel- aktion sei ein Aspekt, die vielfältigen künstlerischen Aktivitäten im Haus ein anderer.

Im Schulchor singen 160 Schüler. Ulrich Plaga berichtet von regelmäßigen Konzerten wie zu Weihnachten, von Oberstufen-Superstar-Shows, in denen die Gymnasiasten ihre Talente präsentieren, und von Veranstaltungen mit Musik und Kunst.

Hans-Michael Strube greift diese Gedanken auf. "Das Soziale Lernen wird im Schönebecker Gymnasium groß geschrieben. Das ist wichtig für eine ganzheitliche Bildung. Hier entwickeln sich junge Persönlichkeiten mit einem großen Wissenschatz und mit eigenen Talenten. Der Mensch entwickelt sich zum Menschen." So würden die jungen Leute bestmöglich auf ihr künftiges Berufs- oder Familienleben vorbereitet, meint der Sparkassenchef. Das klingt wie Musik in den Ohren von Schulleiter Plaga. Wohlklang wird auch der Flügel künftig verbreiten. Experten aus Magdeburg haben dem kostbaren Instrument wieder zu klangvollen Tönen verholfen. Der Flügel war verstimmt, die Mechanik zum Teil defekt. Auch das Äußere machte keinen guten Eindruck mehr. Das ist Geschichte. Schüler, Schulleitung und Sparkasse sind davon überzeugt, "ein Stück Kulturgut" gerettet zu haben, wie es Ulrich Plaga ausdrückt. Denn das Instrument stammt aus der 1853 gegründeten, renommierten Pianofortefabrik Blüthner. Das Familienunternehmen aus der Nähe von Leipzig ist eines der ältesten Klavierproduzenten. Der Schönebecker Flügel muss aus dem Jahr 1920 stammen.

Jetzt findet das Klavier einen Platz auf der kleinen Bühne in der neuen Aula des modernen Schulgebäudes, in das die Schönebecker Gymnasiasten mit dem neuen Schuljahr einziehen. "Wir werden den Flügel vielfältig einzusetzen wissen", kündigt Ulrich Plaga an. Jean Sibelius hätte seine helle Freude daran gehabt.