Die Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage Pömmelte-Zackmünde nimmt Gestalt an. Für rund zwei Millionen Euro richtet der Landkreis gemeinsam mit weiteren Partnern die archäologische Entdeckung her. Die Volksstimme sah sich vor Ort um.

Pömmelte-Zackmünde l Was derzeit hinter hohem, grünem Mais wächst, ist die Aufarbeitung einer Sensation. Die Kreisgrabenanlage bei Zackmünde zählt neben der Himmelsscheibe von Nebra und dem Sonnenobservatorium von Goseck zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre in Deutschland. Rund 120 Meter misst der Durchmesser des Komplexes. Schon jetzt, da ein Teil der Palisaden steht, wird die Dimension deutlich.

Diese herausragende Bedeutung zeigen auch die Verantwortlichen. Als die Volksstimme Anfang der Woche im Landratsamt um einen Vor-Ort-Termin an der Kreisgrabenanlage bittet, werden fachliche und politische Schwergewichte aufgefahren: Dr. André Spatzier, der die Anlage vor acht Jahren im Bördeacker entdeckte, und Dr. Alfred Reichenberger vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie geben die wissenschaftliche Begleitung, Landrat Markus Bauer (SPD) und sein Wirtschaftsförderer Tilo Wechselberger kommen und nicht zuletzt CDU-Landtagsabgeordneter Gunnar Schellenberger, der von Anfang die parlamentarischen Kontakte zur Landesregierung knüpft.

Sie alle staunen. Es ist Halbzeit. Um den Mittelpunkt der Kreisgrabenanlage sind der innere und der äußere Ring bereits halb angelegt. Aus Kroatien werden die auf Länge geschnittenen und geschälten Stämme angefahren. Zudem ist der Graben ausgehoben und der Wall mit Strohmatten abgedeckt. Beides wird später begrünt sein.

"Es soll alles so authentisch wie möglich sein", berichtet Dr. André Spatzier, der mit dem Fund der Kreisgrabenanlage gleich seine Dissertation verbinden konnte. "Sie können uns glauben: Die Stämme hier stehen nicht wahllos aneindergereiht. Wir bestehen auf die Feinheiten und haben sie zentimetergenau nach dem gefundenen Vorbild in die Erde gestellt", berichtet der Experte. Dabei musste die beauftragte Baufirma zunächst Erfahrungen sammeln, denn das Einsetzen der Stämme und das Befestigen im Boden war anfangs nicht so einfach.

Wie Dr. Alfred Reichenberger im Gespräch mit der Volksstimme berichtet, sollen die Palisaden noch gestaltet werden - mit Farbe und Muster. Aber woher wissen die Forscher, welche Farben und Muster unsere Vorfahren verwendet haben? "Aus zeitgenössischen Funden, die wir gemacht haben. Das Leben damals war nicht grau, sondern auch von Farben und anderen Dingen geprägt", erklärt Dr. Reichenberger.

Die Errichtung der Grabenanlage ist das Eine, die Aussichtsplattform - eine Art Würfel - und der Parkplatz mit Straße und Radweg sind das Andere. "Da sind wir dabei", machte Landrat Markus Bauer deutlich. Die acht Meter hohe Aussichtsplattform soll später einen Überblick über die Anlage ermöglichen. Sie ist pragmatisch, respektvoll und schlicht und wird dem geschichtsträchtigen Ort gerecht.

Neben einem Parkplatz in unmittelbarer Nähe für Autos und drei Busse ist die Erneuerung der Zufahrtsstraße geplant. Außerdem wird die Kreisgrabenanlage mit Radwegen angeschlossen. Und später, nach Fertigstellung wird der Komplex bei Schönebeck mit Beginn der Saison 2015 in die archäologische Tourismusroute Sachsen-Anhalts - "Himmelswege" - integriert.

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