Die Gemeinde Bördeland will über das europäische Förderprogramm Stark III die Grundschule in Welsleben sanieren lassen. Das beschlossen die Gemeinderäte während ihrer Sitzung am Donnerstag. Das Projekt soll rund 5,5 Millionen Euro kosten.

Biere l Die Uhr zeigte am Donnerstagabend genau 21.31 Uhr, als Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) die Gemeinderäte zu einer Abstimmung aufrief. Mit nur einer Enthaltung fiel diese dann deutlich aus: Mehrheitlich votierten die Räte für die Sanierung der Schule und des Hortes in Welsleben. Dem vorausgegangen war eine Präsentation der beiden Varianten - Neubau in Eggersdorf und Sanierung in Welsleben.

Beauftragt damit war das Ingenieurbüro von Burkhard Przyborowski aus Magdeburg. Die Experten hatten beide Projekte gegenübergestellt, doch am Ende die Sanierung des Gebäudes in Welsleben leicht favorisiert. Vor allem die kompakte Lage der Schule mit Sporthalle und die geschätzten Kosten, die bei 5,5 Millionen Euro liegen würden, stellten die Architekten in den Vordergrund. Insgesamt kündigten sie eine Förderung der Gesamtsumme von 70 Prozent an. Die restlichen 30 Prozent werden über Investitionsbank finanziert - zehn Jahre lang zinsfrei. Die Kosten dafür sollen aus den erwirtschafteten und eingesparten Energiekosten getragen werden. So lautete die Botschaft von Architekten Burkhard Przyborowski: "Wenn man da nicht aufspringt, ist der Zug durch."

Neubau in Eggersdorf: Ruine in Welsleben

Bördeland ist nun aufgesprungen. Die Variante Eggersdorf war mit ihrem geschätzten Kostenrahmen von 6,4 Millionen Euro zwar noch im Rennen, wurde aber nur vom Eggersdorfer Gemeinderat Horst Lewy befürwortet. Er enthielt sich bei der Abstimmung am Ende auch der Stimme. Alle anderen Gemeinderäte hoben deutlich den Finger für den Erhalt und die Sanierung der Schule und des Hortes in Welsleben.

"Wir müssen hier heute eine Entscheidung für die Kinder treffen. Ich sehe Welsleben klar vorn, wenngleich dieser Schulstandort in Bördeland nicht zentral liegt. Aber für die Kinder ist die Tour dorthin eine zumutbare Fahrzeit", sagte Eickendorfs Ortsbürgermeister Marco Schmoldt. Auch der Ortsbürgermeister von Zens, Frank Ahrend, sah das so. Er legte mit einem weitere Fakt den Finger in die Wunde: "Wenn wir uns gegen Welsleben entscheiden, dann haben wir eine Ruine im Dorf. Wir dürfen aber keinen weiteren Leerstand schaffen." Darauf machte zudem der Welsleber Steffen Kaden aufmerksam.

Bürgermeister Bernd Nimmich machte in seinem Redebeitrag deutlich, dass ihm und der Verwaltung daran liegt, beide Schulstandorte in Bördeland - Welsleben und Großmühlingen - so lange wie möglich zu erhalten. Das wiederum freute Großmühlingens Ortsbürgermeisterin Ute Möbius: "Diese klare Aussage des Bürgermeisters habe ich zur Kenntnis genommen." Nach bisherigem Stand hat die Außenstelle der christlichen Schule in Großmühlingen eine Zulassung bis zum Schuljahr 2016/2017. Was danach wird, steht in den Sternen.

Eine Schule gehört in die stärksten Dörfer

Für die Sanierung der bestehenden Schule sprach sich der Welsleber Mario Brych aus. "Wir haben hier gute finanzielle Bedingungen und Förderungen gehört. Da sollten wir zugreifen", betonte er. So sah das auch der Gemeinderat Helmut Bartlog, der von einer zukunftsfähigen Entscheidung sprach, die der Rat treffen müsse. "Ich möchte nicht alle richtigen Argumente nochmals wiederholen, die für den Standort Welsleben sprechen. Nur ein Sachverhalt ist mir noch wichtig: Welsleben und Biere sind die stärksten Dörfer. Von dort werden in Zukunft auch die meisten Kinder kommen. Deshalb sollten wir uns für Welsleben entscheiden", so Bartlog.

Was nach der langen Diskussion und der folgenden Abstimmung für den Schulstandort Welsleben blieb, ist ein gutes Gefühl. Denn das Architektenbüro Kirchner und Przyborowski, das im Übrigen langjährige Erfahrung mit Schulumbauten und -sanierungen hat, stellte ein Projekt vor, mit dem die Räte sofort warm wurden. Demnach soll das alte Schulgebäude erhalten bleiben, wird aber bis auf die Grundmauern vollkommen saniert und energetisch aufgewertet. Dort, wo jetzt der Hort an das Schulgebäude angesetzt ist, soll ein neuer u-förmiger moderner Anbau entstehen. Leichte Bauchschmerzen haben die Bördeländer nur, weil die Schülerzahlen in den nächsten 15 bis 20 Jahren nicht unbedingt Optimismus verbreiten. So besuchen derzeit rund 265 Kinder die Grundschule, in den nächsten zwei Dekaden werden 103 Kinder prognostiziert.

Dennoch wird das Architekturbüro aus Magdeburg jetzt beauftragt, den vierseitigen Erhebungsbogen fachgerecht auszufüllen und dem Finanzministerium bis Ende September zuzuleiten. Erst dann wird das Land entscheiden, ob Welsleben gefördert wird. Außerdem soll geprüft werden, inwieweit auch die Kita in Eggersdorf energetisch saniert werden kann.

   

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