So etwas hat es in der Geschichte des Wartenbergs noch nicht gegeben: Vier afrikanische Strauße nahmen gestern vorsichtig im großen Tierparkgehege ihr neues Zuhause in Besitz. Wenn alles klappt, sollen die größten Vögel der Welt dort auch ihren Nachwuchs bekommen.

Calbe l Nichts sieht gestern nach einer Premiere aus. Alles scheint wie immer im grünen Areal des Heimattierparks. Lediglich ein Pferdeanhänger steht inmitten des großen Geheges, in dem sonst Shetlandponys und Quessantschafe grasten. Am Zaun stehen Tierpflegerin Anja Heine und Frank Berger vom städtischen Bauhof. Sie schauen gespannt zum Anhänger.

Casanova hat Henriette, Waltraud und Rosalie

Dort lässt Norman Schnitzendöbel vorsichtig die Klappe herunter. Dann passiert erst einmal nichts. Kollege Andy Schmidt öffnet die kleine Tür des Anhängers und gibt großen Beinen einen kräftigen Schubs. In mehr als zwei Metern Höhe lugt schließlich ein geöffneter Schnabel aus dem Anhänger, gefolgt von einem krausen Kopf und wachen schwarzen Augen. Schließlich trappeln vier majestätische Großvögel aus dem Anhänger und schauen sich sofort um.

Der einzige Hahn im Korb ist etwas dunkler gefärbt und trägt den vielsagenden Namen Casanova. Die Namen seiner drei Begleiterinnen klingen dagegen etwas antiquierter: Henriette, Waltraud und Rosalie. Beeindruckend anzuschauen sind sie alle vier, schließlich sind die Gefiederten zweieinhalb Meter groß und bringen rund 90 Kilogramm auf die Waage.

"Sie brauchen jetzt einige Zeit, um sich in ihrem neuen Zuhause einzugewöhnen. Aber es sieht so aus, als ob sie sich schon ganz gut fühlen", erklärt Norman Schnitzendöbel, der seit gut einem Jahr in Klein Rosenburg eine Straußenfarm betreibt und neben Führungen vor allem das zarte Fleisch, die Innereien, die Eier und auch die Federn verkauft.

Als klassischer Quereinsteiger weiß der gelernte Industriemechaniker, wie wichtig beim Sprung in die Selbständigkeit die Werbung für das eigene Unternehmen ist, schließlich müssen Interessierte erst einmal den Weg zur Farm ins beschauliche Klein Rosenburg finden. Weitaus publikumswirksamer ist da der idyllische Wartenberg mit großem Spielplatz, Trimm-Dich-Pfad, Tiergehegen und Bärenbolle, Gaststätte und nicht zuletzt Sachsen-Anhalts höchstem Bismarckturm. Ein entsprechendes Werbeschild am Zaun informiert die Besucher über die Exoten, sich mit ihrem Smartphone einen sogenannten QR-Code scannen und dadurch weitere Informationen über das Internet bekommen. Unterstützung fand der 38-Jährige bei Annett Wolter aus Calbe, die bereits Orientierungsschilder für Radwanderer für die Saalestadt erstellte.

Strauße sind nicht kälteempfindlich

Mit Tierpflegerin Anja Heine hat der Rosenburger einen Versorgungsvertrag außerhalb ihrer Arbeitszeit für die Laufvögel geschlossen, die über einen großen Appetit verfügen. "Das ist eine schöne Abwechslung im Tierbestand", freut sich Anja Heine.

Der Stadt kostet die Haltung der Strauße keinen Cent, betont Bauhofchef Frank Berger. "Wir stellen lediglich das Gehege zur Verfügung." Zusammen mit Dieter Tischmeyer hatte er sich im Vorfeld in Klein Rosenburg über die Haltungsbedingungen informiert.

Vom Stadtoberhaupt kam letztendlich auch die Initiative für die exotischen Neulinge. "Am Rande einer Veranstaltung sind wir uns erstmals begegnet. Sofort kam mir dabei der Wartenberg in den Sinn", sagt Tischmeyer, der im Zuge der Haushaltskonsolidierung die Aufgabe hatte, den Bestand an Tieren und Gehegen auszudünnen und Arbeitsabläufe effektiver zu gestalten um Kosten zu sparen.

Und was ist im knackigen Winter auf dem Wartenberg? Ist es den Afrika-Vögeln dann nicht zu kalt? "Nein", winkt Norman Schnitzendöbel ab, "sie passen sich unseren europäischen Klimabedingungen problemlos an, können bei Minusgraden in Offenstallhaltung leben."

Ganz unbemerkt ging der Umzug gestern natürlich nicht über die Bühne. "Schöne Idee. Das schauen wir uns doch gleich mal genauer an", meinte Ines Lamprecht, die mit drei weiteren Radlerinnen einen Ausflug zum Wartenberg unternahm und von der Neuerung als eine der ersten erfuhr.

Dieses Wochenende bietet es sich an, es ihnen nachzumachen und dem tierische Quartett einen Besuch abzustatten.

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