Mit dem Umzug der Schüler in das neue Schönebecker Gymnasium in der Berliner Straße ändern sich die Ablaufzeiten. Das führt dazu, dass für Fahrschüler lange Wartezeiten entstehen. Die Schulleitung kritisiert das. Es gibt allerdings kaum Aussicht auf Veränderung.

Schönebeck l Das neue Schuljahr beginnt im Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium mit einem Streit. Zwar auf der Leitungsebene, aber es geht um die Schüler. Die Gymnasiasten werden ab dieser Woche im komplett umgebauten Schulgebäude in der Berliner Straße in Schönebeck unterrichtet. Der Standort am Malzmühlenfeld ist leergezogen und für die Schule aufgegeben.

Mehr Schüler in einem Haus, das bedeutet auch andere Abläufe bei Pausen- und Essenszeiten. In den Oberstufen gibt es Blockunterricht, der mit den Stunden der Jüngeren übereingebracht werden muss. Schulanfangs- und -endzeiten verändern sich.

Das führt allerdings dazu, dass die Fahrschüler längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssten, um mit dem Bus in ihre Heimatorte zu kommen. Der Landkreis als Verantwortlicher und die kreiseigene Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) haben der Schulleitung jetzt Fahrzeiten vorgelegt, die aber im Rektorat auf alles andere als auf Gegenliebe stoßen.

"Für den größten Teil von ihnen heißt es länger warten, sollte der Fahrplan so kommen."

"Die Vorschläge sind absolut abzulehnen", sagt Dr. Ulrich Plaga, Leiter des Schönebecker Gymnasiums, und erhebt Einspruch. Den teilt er mit dem Schulelternrat, der das Thema ebenfalls aufgegriffen hat. Denn fast die Hälfte der 800 Gymnasiasten seien Fahrschüler. "Für den größten Teil von ihnen heißt es länger warten, sollte der Fahrplan so kommen", berichtet Ulrich Plaga.

Mehrere Gründe rechtfertigen aus seiner Sicht, die Pläne zu überdenken und zu ändern. Sie drehen sich um die Schüler und um organisatorische Abläufe in der Bildungseinrichtung. "Die Kinder haben einen umfangreichen Stundenplan mit vielen Fächern. Wenn sie dann noch morgens und nachmittags Stunden dranhängen, um nach Hause zu kommen, wo soll dann Zeit für Hausaufgaben, für Hobby, für Engagement in Sport- und Musikvereinen bleiben?", fragt der Schulleiter.

Die Schule könne es zudem nicht leisten, Aufsichten zu stellen und rechtlich sei es normalerweise nicht möglich, dass die Kinder nach Unterrichtsschluss im Schulgebäude bleiben.

Auch wenn Ulrich Plagas Einwände plausibel scheinen. Die vorgestellten Busfahrzeiten kommen nicht aus dem rechtsfreien Raum. Der Landkreis hat die Satzung zur Schülerbeförderung im Kreistag beraten und beschließen lassen. Ein Passus sagt aus, dass man Fahrschülern bis zu einer Stunde Wartezeit zugestehen könne. Im Schönebecker Fall werden diese 60 Minuten niemals überschritten. Schulleiter Ulrich Plaga deutet diese Regelung anders. "Anliegen muss es doch sein, die Schüler schnellstmöglich zu transportieren und nicht die eingeräumte mögliche Stunde weitestgehend auszunutzen." Er sieht Kreisverwaltung und KVG in der Nachbesserungspflicht.

"Es ist schwierig, mitten im Verfahren noch Zeiten zu verändern."

In Bernburg kennt man die Kritik aus der Elbestadt. Eine Liste verdeutlicht, dass es sowohl frühere, unveränderte und späte Abfahrtzeiten gibt, die sich an den neuen Schulzeiten orientieren würden. Eben auch mit Wartezeiten. Dass es noch einmal zu größeren Veränderungen kommen könnte, davon geht die Verwaltung nicht mehr aus. "Generell ist es immer schwierig, mitten im Verfahren noch Zeiten zu verändern", sagt Landkreis-Sprecherin Ingrid Schildhauer.

Sie weist darauf hin, dass es sich bei den Planungen der Schulbusfahrzeiten um einen jährlich wiederkehrenden Prozess handelt, der sehr viel Vorlaufzeit und Kontinuität benötigt, um zu satzungsgemäßen und den Anforderungen der Nutzer weitmöglich entsprechenden Beförderungszeiträumen zu gelangen. Das passiere nicht ohne die Schulen. "Dabei wird eine sehr umfangreiche Kommunikation mit dem Aufgabenträger, dem Träger der Schülerbeförderung, insbesondere den Schulen und natürlich unseren Vertragspartnern im Rahmen der Sicherstellung der Schülerbeförderung integriert im Öffentlichen Personennahverkehr geführt."

Janko Wilke, Prokurist und Kaufmännischer Geschäftsführer der KVG, bestätigt diesen Austausch. Er versucht ein Verständnis dafür zu vermitteln, dass man gleichermaßen allen Schulen gerecht werden müsse. Grundsätzlich wirbt Janko Wilke bei der Schulleitung und den Eltern, in allen Problemlagen das Gespräch mit der Kreisverkehrsgesellschaft zu suchen.

Dass alle Zeiten umgeschmissen werden, sagt der KVG-Mann nicht. Aber soviel. "Der neue Busfahrplan ist in Kraft, wenn es da hakt, nehmen wir selbstverständlich Optimierungen vor." Zudem werde der Plan auch im Herbst noch einmal verändert und an den neuen Fahrplan der Bahn angepasst. Möglicherweise ergeben sich hier Verbesserungen für die Schönebecker Schüler.