Die zweitältesteste Calbenserin hat gestern ihren 102. Geburtstag gefeiert. Neben viel Gesundheit hatte sie sich ein Mobiltelefon gewünscht, um schnell mal ein Schwätzchen mit ihren Familienangehörigen halten zu können. Deren Handynummern kennt die Jubilarin aus dem Kopf.

Calbe/Großmühlingen l Zu alt für ein Handy? Wer Ilse Schmidt kennt, weiß, dass sich diese Frage nicht stellen muss. "Mutti hatte es sich so sehr gewünscht, dass wir ihr es nicht abschlagen konnten", sagt Tochter Jutta Assmann. Dabei sei der 102-Jährigen durchaus bewusst, dass der kleine Apparat mit den fünf Kurzwahltasten speziell für Senioren hergestellt wurde. "Sie weiß, dass die jüngere Generation heute Smartphones mit einem Touchscreen nutzt", sagt Jutta Assmann.

Erst seit kurzem wohnt Ilse Schmidt, die zuvor 13 Jahre mit ihrer Tochter in der Calbenser Soolbrunnenstraße wohnte, im Großmühlinger Seniorenwohnheim "Sonnenblume". Selbst Leiterin Ramona Babock ist immer wieder erstaunt, wie die älteste Bewohnerin am täglichen Leben teilnimmt. "Sie ist gut informiert, lässt sich die Zeitung vorlesen, fragt nach."

Geboren wurde Ilse Schmidt 1912 in Bad Salzelmen - in dem Jahr, als der letzte chinesische Kaiser abdankte und der Luxusdampfer "Titanic" sank. Nachdem ihre Familie in Magdeburg und Nürnberg ausgebombt war, zog sie ins niedersächsische Wittmar. Als ihre Tochter noch ganz jung war, fiel ihr Mann 1943 vor Moskau. Sie ließ es sich gestern nicht nehmen, ihr in einer bewegenden Rede für den gemeinsamen Weg durch viele Höhen und Tiefen zu danken. Als Zugabe rezitierte sie auswendig die ersten Strophen des Abendliedes von Matthias Claudius.

"Im vergangenen Jahr sind wir noch zusammen an die Ostsee gefahren", berichtet Enkelin Doreen Gottschalk. Damit habe sich ihre Großmutter einen lang ersehnten Traum erfüllt und stand in Prerow erstmals auf einer Seebrücke. "Über die schnelle Rückfahrt nach Calbe war sie schließlich ganz erstaunt", erinnert sich die Tornitzerin, deren Nummer ebenfalls im neuen Handy gespeichert ist. Doch eigentlich braucht es das gar nicht. Schließlich hat Ilse Schmidt sowohl die Handy- als auch Festnetznummern ihrer Lieben im Kopf, nur das Wählen ist wegen des nachlassenden Augenlichts schwierig.

"So möchte man gern alt werden", meinte Calbes Amtsleiter Rainer Schulze, der im Auftrag von Bürgermeister Dieter Tischmeyer die Glückwünsche überbrachte.

Und das Geheimnis ihres hohen Alters? "Der Arzt empfahl vor vielen Jahren einen kleinen Schluck Boonekamp. Daran hat sie sich strikt gehalten", lächelt Tochter Jutta Assmann.

 

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