Ein Jahr lang auf einem Ziegenhof arbeiten, dazu haben sich drei junge Mädchen entschieden. Sie kommen aus Berlin, Delitzsch und Leer und sind nun im lauschigen Glinde gelandet. Volksstimme hat mit ihnen gesprochen.

Glinde l "Gitte hat neue Mädchen." Dieser Satz dürfte einigen Glindern in den kommenden Tagen noch öfter über die Lippen gehen. Denn Gitte Kutschbach hat auf ihrem Ziegenhof wieder Zuwachs. Gleich drei Mädchen haben sich in diesem Jahr entschieden, den kleinen landwirtschaftlichen Öko-Betrieb im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres zu unterstützen.

Maria Sanchez Exposito (21 Jahre) aus Berlin, Lisa Wenzel (16) aus Delitzsch bei Leipzig und Elisa Eihusen (19) aus Leer in Niedersachsen haben Montagabend ihre Zimmer auf dem Hof in dem kleinen Dorf bezogen. Jede von ihnen hat ihr eigenes Zimmer, zusammen teilen sie sich ein Bad und eine Küche.

Lang war die erste Nacht allerdings nicht, denn schon um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, um 6 Uhr müssen die Mädels bereit sein, dann geht es zum Melken der Ziegen. "Da muss ich mich noch ein wenig dran gewöhnen", gesteht Elisa. Sie hat ganz gezielt nach solch einer Möglichkeit gesucht. "Ich habe mich über einige Betriebe in ganz Deutschland informiert. Hier in Glinde hab ich mich zuerst gemeldet, war Probearbeiten und hab gleich die Zusage bekommen", erzählt sie, wie es sie nach Glinde verschlug.

Maria hatte keine Schwierigkeiten aufzustehen. "Ich war schon um 4 Uhr wach. Die vielen neuen Geräusche und so. Ich werde wohl noch einen Moment brauchen, um hier anzukommen", sagt sie

Ähnlich sieht es Lisa. Aus einer Kreisstadt kommt sie in das Dorf mit nur einer Straße.Frisch von der Schule hat sie sich für das Freiwillige Ökologische Jahr entschieden. "Ich war unentschieden, was ich für eine Ausbildung machen will, daher wollte ich das Jahr. Und weil mein Onkel Ziegen hat, kam ich auf den Ziegenhof", erzählt sie. Was sie von dem Jahr erwartet, weiß sie ganz genau: "Ich erwarte, mich weiter zu entwickeln. Ich bin noch etwas unsicher und zurückhaltend, hoffe, dass ich hier etwas mehr Selbstvertrauen bekomme."

Auch Elisa weiß, was sie von dem Jahr in Glinde will: "Orientierung und Anreize. Ich möchte studieren, etwas mit ökologischem Bezug, und hoffe nach dem Jahr hier genauer zu wissen, was."

Gitte Kutschbach kann Gründe und auch Erwartungen verstehen. Bereits mehr als 40 Jugendliche haben sich auf dem Ziegenhof probiert, ausgetobt, in ihre Zukunft gearbeitet, Orientierung gesucht und gefunden. "Die, die zu uns kommen, reifen hier, sie sind danach nicht nur ein Jahr älter. Sie nehmen viel Erfahrung und meist auch mehr Selbstbewusstsein mit. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich unser Zeugnis bei Bewerbungen sehr positiv bemerkbar macht und wirklich Gewicht hat", sagt sie aus den Erfahrungen heraus.

Die Einstellungskriterien auf dem Ziegenhof sind einfach: "Wir achten nicht aufs Zeugnis und auch nicht aufs Alter. Die Chemie muss stimmen, ich achte drauf, wie sich die Bewerber umsehen und interessieren und wie sie reagieren, wenn ich sage, dass wir um 6 Uhr starten", sagt sie. Außerdem verschweigt sie nicht, was jeden in dem Jahr an Aufgaben erwartet: Melken um 6 Uhr, käsen, Ställe ausmisten, mit auf Märkte fahren und verkaufen, mit im Hofladen helfen und was sonst noch so anfällt. Wie das ankommt, ist ganz unterschiedlich. "Ich freue mich auf die Lämmer im Frühjahr und auf die Märkte", sagt Maria. Sie hat bereits Erfahrungen auf Märkten gesammelt. Ganz anders geht es da Lisa. "Auf die Lämmer freue ich mich auch, aber vor den Märkten hab ich ein wenig Angst, einfach weil ich doch sehr schüchtern bin. Außerdem hab ich panische Angst vor Hühnern. Mal sehen, wie das so wird." Elisa sieht es gelassen: "Ställe ausmisten macht keiner gerne, aber das gehört nun einmal dazu. Freuen tue ich mich auf das Käsen, da bin ich schon gespannt."

Alle drei scheinen zu wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Aber nach noch nicht einmal einem Tag ist natürlich alles noch sehr frisch. Deshalb wollen wir uns wieder hören, in einem dreiviertel Jahr, wenn sie eingearbeitet sind auf dem Hof und die Routine kennen. Aber eins wird sich bis dahin wahrscheinlich nicht geändert haben. "Es riecht hier so schön nach Milch", beschreibt Maria ihren ersten Eindruck.

   

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