Seit Monaten werkelt und kracht es in der alten Kindergartenbaracke in Pömmelte. Jetzt wird das Geheimnis gelüftet: Der neugegründete Kulturverein des Ortes hat sich die Erhaltung und das Beleben des alten Gebäudes auf die Fahne geschrieben. Nun sind die Grundarbeiten fertig. Eine Einweihung soll im Oktober folgen. Weitere Vereinsmitglieder werden gesucht.

Pömmelte l Idyllisch im "Kleinen Ende", zwischen Maulbeerbäumen auf einer Wiese, steht die alte Kindergartenbaracke Pömmelte. Der Flachbau mit Holzverkleidung ist auch auf der Internetseite der Stadt Barby zu finden - unter den Verkaufsobjekten. Hier wird das Mehrzweckgebäude mit 1466 Quadratmetern Grundstück und einer Nutzfläche von 150 Quadratmetern zu einem Preis von 69000 Euro zum Verkauf gestellt.

32 Pömmelter "bringen Leben in die Bude"

Doch bisher wollte sich kein Käufer finden. Es wieder zu bewirtschaften, kann die Stadt sich nicht leisten. Doch ein Gemeinderaum fehlt in Pömmelte. Ein Raum, in dem gefeiert werden kann, in dem die Pömmelter zusammenkommen können - ein klassisches Dorfgemeinschaftshaus eben.

Das soll sich jetzt ändern! 32 Pömmelter - vorrangig derzeit noch aus dem Straßenzug "Kleines Ende" - haben sich zusammengefunden, den Verein Kulturverein Kleines Ende Pömmelte gegründet und seit etwa einem halben Jahr fleißig gewerkelt.

Seit April ist der Verein zugelassen und aktiv, im gleichen Zuge haben die Mitglieder die Nutzung der Baracke bei der Stadt Barby beantragt. "Wir haben einen Überlassungsvertrag geschlossen, der uns die Nutzung ermöglicht, bei der wir aber die Unkosten tragen müssen", erklärt Enrico Hummel, Vorsitzender des Vereins. Er gehört zu der "Jugend", wie Hermann Hummel es nennt, die die Initiative für das Gebäude ergriffen hat, um es wieder zu beleben. "Es soll ein Treffpunkt werden, für alle Pömmelter und den Verein. Außerdem wollen wir den Raum vermieten", beschreibt Enrico Hummel die Absichten des Vereins.

Dazu haben sie das Gebäude auf Vordermann gebracht. "Ein guter Fußboden war drin, auch die Sanitäranlagen sind gut. Wir haben Hand an die Wände, in der Küche und die Bar anlegen müssen", so Hummel.

Farben und ein Zeitstrahl schmücken den Raum

Tapeten wurden abgerissen und durch Putz und einen neuen Anstrich ersetzt, für eine neue Küche gingen sie auf Sponsorensuche, die Bar liegt auch schon in den letzten Zügen. "Seit April waren wir jedes Wochenende zu Gange. Erst letztes Wochenende sind wir fertig geworden - obwohl, für die Bar brauchen wir auch noch einen kleinen Moment." Aber die Küche ist eingebaut und auch komplett für 60 Gäste bestückt. Außerdem soll noch zusammen mit Ortschronisten Warnecke ein Zeitstrahl des Gebäudes an der Wand entstehen. "Aber erst einmal soll es eine offizielle Einweihung geben. So im Oktober", verrät der Vereinsvorsitzende.

Hier hofft der Verein, dass viele Interessenten kommen und sich vielleicht auch dem Verein anschließen werden. "Derzeit haben wir noch einen Monatsbeitrag von fünf Euro, weil wir erst einmal in die Gänge kommen müssen. Und wir hoffen auch deshalb noch auf mehr Mitglieder, da dann der Satz auch runtergeht", erklärt er. Auch wenn der Verein "Kleines Ende" mit im Namen trägt, sind natürlich alle Interessenten willkommen. "Egal, ob aus Pömmelte oder sonst wo her", bringt es Enrico Hummel auf den Punkt.

Natürlich gibt es auch Vorzüge für Mitglieder. Die Raumvermietung ist bisher mit 60 bis 70 Euro für Nicht-Mitglieder veranschlagt. Mitgliedern wird der Raum für 50 Euro überlassen.

Aber nicht nur Privatfeiern sollen hier stattfinden. "Wir haben viele Ideen, müssen uns noch ordnen, und eben etwas Unterstützung wäre auch schön", blickt Hummel in die Zukunft. Ein Dorfklatsch einmal in Monat ist eine dieser Ideen, kleinere kulturelle Veranstaltungen, aber auch Rentner sind willkommen, sich hier zu treffen. "Und für die Kinder wollen wir etwas tun. Eine Kinderdisco ist eine Idee. Vielleicht könnte auch der Kita-Sport zukünftig hier stattfinden. Das würde uns gefallen, weil dann die Kinder nicht mehr bis Glinde müssten", schlägt Hummel weiter vor. Auch die Kita-Weihnachtsfeier könnte er sich gut in der Baracke vorstellen.

Unterstützen, nicht konkurrieren

Außerdem soll auch das Maibaumaufstellen an dem neuen Dorfgemeinschaftshaus stattfinden. "Was wir aber nicht wollen, ist mit irgendwas oder -wem in Konkurrenz zu treten. Wir wollen dem Anglerverein etwas abnehmen, aber nichts wegnehmen. Das ist uns wichtig. Wir haben auch schon ein Dorffest, da brauchen wir auch keines zu machen", sagt Hummel. Was ein weit entfernter Wunsch der Vereinsmitglieder ist, ist die Wiedererrichtung des Spielplatzes vor der Baracke. "Wir hatten einen, doch der musste zurückgebaut werden, weil er marode war", weiß Hummel. Aber er weiß auch: Über jede andere neue Idee freuen sich die Vereinsmitglieder.

Außerdem ist den Mitgliedern an einem aktiven Vereinsleben gelegen. Fahrten, als Team beim Dickbootrennen, ein Team beim Fußball - das sind Dinge, die sie teilweise schon umgesetzt haben und die auch Tradition werden sollen.

Aber was passiert, wenn die Stadt das Grundstück verkauft? "Es besteht eine dreimonatige Kündigungsfrist - für beide Seiten. Wenn es gekauft wird, müssten wir es wieder aufgeben. Aber daran denken wir jetzt gar nicht. Wir sind optimistisch, blickt Enrico Hummel positiv in die Zukunft.

 

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