Schönebeck l "Ich glaub`, das müssen wir nochmal machen", hallt es durch die Aula des ehemaligen Schönebecker Gymnasiums "Im Malzmühlenfeld". Aufnahmeleiter Matthias Reuland ist nicht zufrieden. Achtung, Wiederholung. Kurzes Getuschel im Saal, bevor wieder Stille einkehrt und die Anspannung merklich in der Luft liegt. Der Taktstock von Gerard Oskamp schnellt in die Höhe, Atilla Aldemir setzt seine Violine an, das Orchester der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie wartet auf seinen Einsatz. Kurz darauf erklingt Saint-Saens` Stück "Havanaise".

Der klassische Klang versetzt den Raum in eine andere Atmosphäre, die musikalische Professionalität ist zu spüren. Die Köpfe der Musiker bewegen sich leidenschaftlich zum Takt. Nach dem musikalischen Höhepunkt klingen die glänzenden Instrumente aus und es ertönt aus dem Lautsprecher: "Das war gut!". Alle sind zufrieden, weiter geht´s.

Eine Woche lang Aufnahmen für eine CD

Es funktioniert eben nicht alles beim ersten Mal. Aber: "Ich bin bis jetzt sehr zufrieden mit den Aufnahmen, wir kommen gut voran", konstatiert Musikdirektor und Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Gerard Oskamp ,zwischen den kurzen Pausen. Der ausgebildete Cellist und studierte Dirigent ist in der vergangenen Woche von Montag bis Freitag mit seinem Orchester in der Aula des ehemaligen Schönebecker Gymnasiums zu Gast. Der Anlass für dieses Zusammenkommen aller Musiker ist ein Projekt des türkischen Violinisten Atilla Aldemir. Nach einigen vorherigen gemeinsamen Projekten in Schönebeck startet er jetzt eine neue Zusammenarbeit mit dem Orchester. Die aktuell entstehenden Aufnahmen sind für eine neue CD, worauf dann virtuose Stücke von Camille Saint-Saens und Pablo de Sarasate zu hören sein werden, eingespielt in der ehemaligen Aula.

Ein Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest, aber die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie will das fertige Werk dann angemessen präsentieren. Musikalisch verstärkt wird das Orchester dafür nicht nur durch die Violine Aldemirs, sondern auch durch musikalische Aushilfen, zum Beispiel einer Harfe. Der beruhigende Klang dieses alten Instruments sorgt für eine besondere Harmonie im Saal.

Diese harmonischen Klänge sind auch noch im Nebenraum der Aula zu hören. Hier befindet sich der wichtige Arbeitsplatz von Aufnahmeleiter Matthias Reuland, ein studierter Tonmeister mit viel Erfahrung. Mischpulte, Monitore, Lautsprecher und Notenblätter füllen den kleinen Raum aus. Zudem finden sich dort zu kurzen Besprechungen auch Oskamp und Aldemir ein. Die vorher entstandenen Aufnahmen werden ausgewertet, beurteilt und diskutiert. Hier länger, da kürzer, weniger Orchester im Vordergrund, mehr Harfe im Hintergrund.

Alles muss perfekt sein. Hier entstehen am Ende alle fertigen Aufnahmen mit einem Materialumfang von insgesamt 27 Stunden. Anschließend muss das Material noch geschnitten und bearbeitet werden, also noch einiges an Arbeit für die zuständige Produktionseinheit.

"Der Leerstand der Schule bot sich gut an."

Viel Arbeit gab es an diesem Ort auch zu früheren Zeiten. Unzählige Tests und Klausuren standen auf dem Lehrplan, aber das ist hier vorbei. Dass dieser ehemaligen Bildungsstätte nun solch Ehre zuteil wird, war ein bisschen Zufall. "Wir wollten erst woanders aufnehmen, aber da gab es dann Probleme mit anderen Terminen. Der Leerstand der Schule bot sich da gut an. Hier gibt es einen guten Klang für Aufnahmen", teilte Oskamp im Volksstimme-Gespräch mit. So wird vielleicht auch in Zukunft, bei ähnlichen Projekten, zwischen ehemaligen Klassenzimmern musiziert werden.