Welsleben l "Es ist leider die letzte Landesschau der Kaninchenzüchter in Welsleben." Diese Hiobsbotschaft verkündete am Sonnabend Klaus Zimmermann, der Vorsitzende des Vereins G 291 Welsleben. Der Ausstellungsleiter und frühere Vorsitzende des Landesverbandes der Kaninchenzüchter Sachsen-Anhalt bedauert, dass der Vertrag über die Nutzung einer Reithalle im Bördeland-Ort Welsleben ausläuft und es keine Einigung auf eine Fortschreibung gegeben habe.

Die Beteiligung von 153 Züchtern landesweit, die fast 800 Tiere ausstellten, sowie der von offizieller Seite bekundete Respekt gegenüber dem Engagement der Züchter aus dem Agrarministerium des Landes, dem Landratsamt und der Bördeland-Verwaltung waren für Zimmermann ein kleiner Trost. Künftige Ausstellungen werden seiner Einschätzung nach andernorts und höchstwahrscheinlich in Magdeburg ausgerichtet werden.

"Wir wollen möglichst vielen Züchtern die Chance zum Ausstellen geben."

"Welsleben ist lange Jahre ein Ausrichtungsort für unsere Landesschauen gewesen. Züchter fahren gerne zu ihnen vertrauten Orten, und so war die Beteiligung in der Regel immer sehr groß. Außerdem liegt Welsleben im Land Sachsen-Anhalt sehr zentral", zählte der 70-Jährige die Vorteile auf. Aufgrund der günstigen Bedingungen mussten die Züchter - im bundesweiten Vergleich - relativ geringe Standgebühren zahlen. "Das ist ja für uns auch Sinn der Sache. Wir wollen möglichst vielen Züchtern die Chance zum Ausstellen geben", so Zimmermann gegenüber der Volksstimme.

Wie faktisch alle Vereine in Deutschland haben auch die Kaninchenzühter mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Selbst im über Jahrzehnte sehr aktiven und rührigen Welsleber Verein ist die Zahl der Züchter innerhalb kurzer Zeit auf jetzt nur noch sieben geschrumpft. "Bei der Vorbereitung und Realisierung der Ausstellung haben uns dankenswerter Weise die Mitglieder umliegender Vereine, etwa aus Barby und Dodendorf, geholfen. Sonst wäre die Schau gar nicht möglich gewesen", öffnete Zimmermann einen Blick in das Vereinsleben und die Personalstärke der Züchter.

Auf die Frage, was ihn selbst als jungen Mann zum Züchten von Kaninchen gebracht hat, fällt dem Welsleber zuerst eine eher missliebige Erinnerung ein: "Mein Vater hat gezüchtet. Und ich habe mich immer geärgert, dass ich die Tiere füttern musste", sagte Zimmermann lächelnd.

Allein der Virus muss sich vom Vater auf den Sohn übertragen haben. Seit 47 Jahren zählt der Welsleber zu den engagiertesten Züchtern im Lande. Und - interessanter Weise - auch sein Sohn hat mit den Kaninchen und der Zucht der Tiere für sich das Hobby Nummer eins gefunden. Da der noch im Berufsleben steht, sieht sich Klaus Zimmermann tagtäglich genau mit der Aufgabe konfrontiert, die er als junger Mann so ungern erledigt hat: Er füttert Kaninchen. 140 sind es gegenwärtig. "Der Vormittag ist mit dieser Arbeit ausgebucht", räumte der Züchter ein.

Und ja: Kaninchen seien Zucht-, aber auch Nutztiere. Selbstverständlich würden sie auch geschlachtet. Zimmermann lobt sogar den Gesundheitsaspekt beim Genuss von Kaninchenfleisch. "Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als Arme-Leute-Essen. Heute preisen es Mediziner als besonders wertvoll", betonte Zimmermann.

Die weiteste Anreise hatte am Wochenende übrigens ein Züchter aus Weißenfels, wenn man einmal von den Besuchern aus Litauen absieht, die sich extra auf den weiten Weg gemacht haben, um in Welsleben Tiere für ihre Zucht käuflich zu erwerben.

Zwölf Preisrichter und zwei Obleute (wiederum verantwortlich für je zwei Bewertungstische) haben die Kaninchen bei der 19. Schau begutachtet und ihr Urteil abgegeben (siehe dazu auch den nebenstehenden Infokasten).