Ein kleines Paradies der Artenvielfalt ist mit der Nachtigallenoase entstanden. Der Naturschutzbund hatte am Sonnabend zur monatlichen Führung eingeladen.

Schönebeck l Eine Libelle huscht vorbei. Schmetterlinge tanzen im Sonnenlicht. Eine Hornisse geht auf Jagd nach Fliegen. In den Ästen piepst ein Sommergoldhähnchen - der kleinste Vogel Mitteleuropas, gerade einmal so schwer wie zwei Gummibärchen. An der Chausseestraße ist in den vergangenen Jahren auf einem ehemaligen Imkergarten-Gelände eine Oase entstanden, die hält, was sie verspricht: Artenvielfalt.

Die Rede ist von der Nachtigallenoase, die Mitglieder und Freunde der Ortsgruppe Schönebeck des Naturschutzbundes (Nabu) in ihrer Freizeit mit viel Liebe, Mühe und Sachverstand angelegt haben und weiterhin gestalten. Am Sonnabend gab es den monatlich angebotenen Rundgang, der offen für alle Interessenten ist. Und wer Karlheinz Schuppe vom Nabu eine Stunde lang zuhörte, der ging mit Staunen und einer extra Portion Wissen über Mutter Natur wieder seiner Wege.

Die gesamte Fülle der Informationen ist an dieser Stelle unmöglich wiederzugeben, deshalb einige Beispiele: In der Nachtigallenoase finden sich unter anderem 30 Anpflanzungen von Kräutern mit Heilkraft, die auch als Tee geignet sind. Spürt jemand eine aufkommende Erkältung, dann helfe es, ein Blatt Salbei zu kauen, rät Karlheinz Schuppe. Schmeckt zwar nicht, wirkt aber.

Eine Benjeshecke in unseren Gefilden der Börde anzulegen, sei eher sinnlos, weil es hier zu trocken ist. Die Hecke grünt nicht aus sich heraus, sondern bleibt trocken und stellt eventuell sogar eine Brandgefahr dar. Die Nabu-Leute haben die ihnen von oben verordnete Hecke deshalb zu beiden Seiten gezielt bepflanzt.

Mais als Grundstoff für Bioenergie? Kann man machen, muss aber nicht sein, schließlich ist die Pflanze auch ein Getreide und damit Lebensmittel. Für Mais ließe sich die Durchwachsene Silphie nutzen, versichert Karlheinz Schuppe. Mit den Reaktionen der Gäste hat er gerechnet, die in etwa so ausfallen: "Häh?" Er lässt sich nicht beirren: "Sie würde auf unseren Böden üppig wachsen, wird so hoch wie Mais und besitzt auch keine Feinde." Ja, der Nabu sei diesbezüglich in Gesprächen mit Landwirten, die freilich erst einmal skeptisch reagieren. Schuppe ficht das nicht an: Wer etwas Neues etablieren will - und sei es auch noch so sinnvoll - brauche einen langen Atem und müsse seine Idee immer wieder ins Spiel bringen.

Die Stadt Schönebeck ist übrigens Grundeigentümerin der kleinen grünen Lunge. Ein angrenzendes Grundstück ist kürzlich in die gestaltenden und pflegenden Hände des Nabu übertragen worden. Hier können die Stadtmenschen sehen, wie eine Sommerwiese aussieht, wenn die Natur selbst walten darf. Es wachsen sogar Strandastern darauf. Tipp: Letzte öffentliche Führung in 2014 durch die Nachtigallenoase: 4. Oktober, ab 10 Uhr.