Mit dem Schulbeginn nach den Sommerferien achten in dieser Woche Polizeibeamte verstärkt darauf, dass die Straßenverkehrsordnung vor den Grundschulen eingehalten wird. Ihr Einsatz läuft unter der Überschrift "Schultüte". Miniausführungen davon werden tatsächlich vergeben.

Schönebeck l Chaos vor der Schule. So empfinden und beschreiben viele Eltern die gut 20 Minuten jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn. Es ist ja nicht mehr wie vor 20 und mehr Jahren, als die Schüler noch selbstständig den Schulweg meisterten. Ein Großteil der Mädchen und Jungen wird heutzutage von einem Elternteil mit dem Auto gebracht. Die Eltern wollen auf Nummer sicher gehen und ihr Kind wohlbehalten vor der Schule abliefern. Zudem fahren Eltern morgens in der Regel sowieso zur Arbeit, warum also nicht gleich den Sprössling mitnehmen.

"Wir wollen nicht abstrafen, sondern auf Fehlverhalten aufmerksam machen."

RBB Brigitte Horn

So entsteht, je nach Größe der Schule und der Platzsituation vor Ort, allmorgendlich ein emsiger Betrieb. Die Volksstimme berichtete über diese Situationen schon mehrfach. In Schönebeck, Barby und anderen Orten des Salzlandkreises postieren sich in dieser Woche, der ersten Schulwoche nach den Sommerferien, Polizeibeamte vor den Grundschulen. Ihr Anliegen ist ein grundsätzlich freundliches: "Wir wollen nicht abstrafen, sondern auf Fehlverhalten aufmerksam machen und belassen es darum zumeist bei einer Belehrung", sagt Brigitte Horn gegenüber der Volksstimme. Sie gehört mit weiteren zwei Kolleginnen zu den sogenannten Regionalbereichsbeamten, kurz RBB genannt. Sie sind, laut jüngster Polizeistrukturreform, die Polizisten zum Anfassen, die sich also bürgernah den Menschen zuwenden, vorbeugende Arbeit leisten und außerhalb der alltäglichen Revierarbeit agieren.

Gestern kurz vor 7 Uhr beobachtete Brigitte Horn das oft auch hektische Kommen und Gehen vor der Grundschule "Ludwig Schneider" in der Kirchstraße in Bad Salzelmen. "Es ist auch hier so: Die meisten Kinder werden mit dem Auto gebracht. In einer so schmalen Straße wie der Kirchstraße geht das nicht problemlos. Vor allem dann nicht, wenn die Mütter ihr Kind auch noch in die Schule hineinbringen und dann vielleicht noch mit einer Lehrerin sprechen. Das dauert ewig", beschreibt die Polizistin eine gutgemeinte Fürsorge, die aber durchaus mit der Straßenverkehrsordnung kollidieren kann. Zumindest dann, wenn die Autos im Parkverbot abgestellt werden. Oder sogar auf dem Fußweg. "Vier Frauen haben das tatsächlich so gemacht. Ich habe es bei einer Belehrung belassen und muss sagen, dass sie sich sehr kooperativ zeigten", freut sich die Regionalbereichsbeamtin. Sie empfiehlt allen Eltern, ihr Fahrzeug doch kurzzeitig auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes neben der Schule abzustellen. Ein Fußweg führt von dort zur Schule und ihn zu gehen, würde allenfalls eine Minute dauern.

Brigitte Horn hat gestern auch mit der Lehrerschaft gesprochen. Das Thema Schulweg soll während der nächsten Schulkonferenz auf die Tagesordnung gesetzt werden, war das Ergebnis der kurzen Unterredung.

Vor der Lerchenfeldschule in der Berliner Straße hatte sich RBB Petra Peters postiert. "Die von mir angesprochenen Kraftfahrer waren alle sehr freundlich", versichert sie. Viele Schüler seien hier mit dem Fahrrad gekommen, was das Gedrängel insgesamt entspannt habe.

Heute wollen die Beamten vor der Kollwitz-Schule, der Liebknecht-Schule und der Grundschule Plötzky stehen und wenn nötig belehren. Wenn es sich einrichten lässt, stehen ihnen Schüler zur Seite. Gemeinsam werden dann an vorbildliche Kraftfahrer kleine Schultüten verteilt. Auch die Schulen in Sachsendorf und Barby stehen in dieser Woche noch auf dem Plan.

(Siehe zu diesem Thema auch das nebenstehende Kurzinterview)

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