Sozialpädagogen an Grundschulen? Bislang eher selten. Doch das ändert sich gerade. Ein Beispiel: Nicole Heyn ist die neue Sozialarbeiterin an der Grundschule Großmühlingen.

Großmühlingen l Der Salzlandkreis beschreitet neue Wege. Über das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket gibt es nun erstmals Sozialpädagogen an Grundschulen. Vorerst begrenzt bis zum 31. August. Mit im Boot ist der Verein Rückenwind Schönebeck, über den sieben ausgebildete Fachkräfte an hiesigen Grundschulen tätig sind (siehe Infokasten). Zwischen dem Salzlandkreis, den Kommunen Stadt Schönebeck und Gemeinde Bördeland als Träger der Grundschulen, den Bildungsstätten selbst und dem Verein als Träger gibt es nun Kooperationsvereinbarungen. "Dies ist das Fundament der Zusammenarbeit auf Augenhöhe", sagt Kerstin Kaluza-Riecke, Bereichsleitung schulbezogene Hilfen beim Verein Rückenwind.

Eine dieser sieben Schulsozialpädagogen ist Nicole Heyn. Die 31-Jährige aus Glinde ist seit wenigen Tagen in der Grundschule Großmühlingen anzutreffen. Die Soziologin, Berufs- und Betriebspädagogin freut sich auf ihre neuen Aufgaben. Das sind das Fördern der sozialen und persönlichen Entwicklung der Schüler durch soziale Gruppenarbeit sowie durch Konzentrationstraining und sozialem Lernen, die Arbeit mit Einzelnen, Konfliktbewältigung im Schulalltag und Präventionsangebote zu verschiedenen Themen.

"Ich werde mich in den Elternversammlungen vorstellen und die Eltern können mit Anliegen auch gern auf mich zukommen", so Nicole Heyn. Sie will nicht nur Ansprechpartner für die Kinder, sondern auch für die Eltern sein. "Meine Grundprinzipien: Vertraulichkeit, Freiwilligkeit und Neutralität, ich unterliege der Schweigepflicht."

"Vor dem ersten Tag hatte ich ein wenig Bedenken, ob Schulsozialarbeit überhaupt erwünscht ist. Doch ich bin so nett aufgenommen wurden. Und ich fand es toll, wie Frau Bichl mich bei den Kindern vorgestellt hat: Ich sei da, wenn sie Sorgen und Kummer haben, aber sie könnten auch weiterhin zu den Lehrern gehen, die sie natürlich auch gern in den Arm nehmen", erzählt die Mutter von zwei Kindern.

Grundschul-Leiterin Marion Bichl freut sich über den Zugang im Team: "Die Grundlagen für den Lebensweg werden ja hier gelegt. Vieles können wir als Lehrer aber nicht leisten. Der Schulsozialpädagoge kann von Anfang an ein Auge auf Kinder und Familie haben." Kerstin Kaluza-Riecke betont, dass die Sozialpädagogen dahingehend keine grundlegenden Aufgaben übernehmen, sondern unterstützen.

Die Schulsozialarbeit will Schüler individuell in der persönlichen Entwicklung fördern, sozial integrieren, Zugang zu Sport-, Bildungs- und Kulturangeboten ermöglichen, Benachteiligungen ausgleichen und das Miteinander stärken. Grundlage dafür sind gemeinsam von Lehrerteam und Sozialpädagogen erstellte Situations- und Bedarfsanalysen. Der Verein Rückenwind bietet Weiterbildungen, Teambesprechungen und anonyme Fallberatungen an. Auch wenn das Programm erst angelaufen ist, hoffen die Akteure schon jetzt, dass es eine Fortfinanzierung ab August 2015 über den Europäischen Sozialfonds "Schulerfolg sichern" gibt.