Es hätte wohl kaum einen geeigneteren Anlass geben können: Am Tag des offenen Denkmals wurde die teilsanierte Klein Rosenburger Burgturmruine an die Öffentlichkeit übergeben. Ein "Turm im Turm" ermöglicht seit 1945 erstmalig wieder die Besteigung bis unter das Dach.

GroßRosenburg l Trotz des Nieselregens kamen relativ viele Besucher, als der Turm offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde. "Wir machen kein großes Tamtam mit Band durchschneiden und so", sagte Ortsbürgermeister Michael Pietschker. Denn der Turm werde schließlich schon einige Monate von den Bürgern genutzt. Die Fertigstellung erfolgte bereits im April. Für die offizielle Übergabe hatte man sich den Tag des offenen Denkmals aufgehoben.

In Inneren des 14,60 Meter großen Burgturms wurde ein Gerüst aus Douglasienholz errichtet. Über Treppen besteigbar trägt es ein 13 Grad flaches Zeltdach, das mit Bitumenschindeln gedeckt ist.

Von der oberen Plattform hat man jetzt einen schönen Blick auf Klein Rosenburg und die Saaleauen. Und noch was anderes wird aus dieser Perspektive deutlich: Die Turmmauer auf der Südseite ist deutlich dicker als die der übrigen drei Himmelsrichtungen. Was seinen Grund hat: Der Süden bot potenziellen Angreifern die am besten zugängliche Stelle zur Burg. Dem begegneten die mittelalterlichen Baumeister mit dreifacher Ziegelsteinmasse.

Der erste Bauabschnitt kostete insgesamt 124000 Euro; 62785 Euro bringt die Stadt davon als Eigenanteil auf. Der Rest stammt aus dem Leader- und Dorferneuerungsförderprogramm.

Zweiter Bauabschnitt im kommenden Jahr

Für den zweiten Bauabschnitt werden voraussichtlich 99419 Euro (62659 Euro Förderung) benötigt. "Dafür ist jetzt auch der Zuwendungsbescheid da", freute sich der Ortsbürgermeister. Die Bauleistungen müssen nun neu ausgeschrieben und die Denkmalspflege konsultiert werden. Kern der Arbeiten wird die Mauerwerkssanierung sein. Dann werden Materialien verwendet, wie sie damals üblich waren, hieß es aus dem Barbyer Rathaus. Mit dem Baubeginn sei Anfang des kommenden Jahres zu rechnen.

Einen kleinen Wermutstropfen hat die solide Konstruktion allerdings: Größere Besucher müssen den Kopf einziehen, weil zwei Treppendurchgänge unerklärlich niedrig sind.

Im Zuge der Bauarbeiten kam über dem Nordportal des Burgturms eine reliefartige Steinhand zum Vorschein, die Daumen, Mittel- und Ringfinger nach oben spreizt, wie man es noch heute tut, wenn man einen Schwur ablegt. Eine sogenannte Schwurhand (andere Heimatgeschichtler meinen, es sei eine segnende Hand) ist seit Jahrzehnten vom Südportal bekannt.

Zum Vorschein kam das Relief erst, nachdem der uralte Efeu im Zuge der Turmsanierung entfernt wurde. Die Pflanze war schon in den 1930er Jahren üppig nachweisbar. "So schön wie es aussah", sagte Vereinsvorsitzende Karin Keller, "so schlimm war es für den Turm". Seine verholzten Sprossachsen waren armdick geworden und setzten dem Mauerwerk zu. Wozu die Ruine allerbeste Voraussetzungen bot: Nach dem Brand im April 1945 entstanden Risse, die die Pflanze im Laufe der Jahrzehnte immer weiter auftrieb.

 

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