Wenn es die Kraft der Strömung nicht von selbst tat, wurden viele Flussschleifen in den vergangenen Jahrhunderten von Menschenhand begradigt. Das lässt sich besonders in den Saaleauen noch immer gut beobachten.

GroßRosenburg l Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Binnenschifffahrt auf der Elbe stark ab. Hinzu kamen noch ungünstige Fahrverhältnisse. Beispielsweise betrug die Mindestfahrwassertiefe zwischen Saale- und Havelmündung durchschnittlich etwa 80 Zentimeter, im Stadtbezirk Magdeburg, am Domfelsen, sogar nur 45 Zentimeter. Die damaligen 700-Tonnen-Schiffe hatten im vollbeladenen Zustand einen Tiefgang von 75 Zentimetern. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen begann man damit, kurze Versuchsflussstrecken auszubauen. Unter Berücksichtigung der dabei gemachten Erfahrungen begann der sogenannte Niedrigwasserausbau des gesamten Stroms. Markante Projekte jener Zeit waren die Errichtung des Mittellandkanals (mit der unvollendeten Kanalbrücke bei Hohenwarte) sowie der Saaledurchstich 1935 südlich von Barby.

Der Abraum wurde auf zwei Halden nördlich und südlich des Saalhorns abgekippt, die noch heute deutlich zu sehen sind und beim Katastrophenhochwasser 2013 als Inseln aus der Wasserwüste ragten.

Man begann vor 80 Jahren damit, die untere Saale für 1000-Tonnen- Schiffe auszubauen, um die sächsischen Industriezentren mit der Elbe schifffahrtstechnisch zu verbinden. In diesem Zusammenhang wurde die 1695/96 erbaute Saaleschleuse in Calbe stillgelegt und einige hundert Meter weiter östlich neu errichtet.

Die Fertigstellung des heute viel diskutierten Ausbaus des Saaleabschnitts Calbe - Mündung verhinderte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Im Zuge des Flussausbaus verschwanden auch die meisten Saalemäander. So werden jene Schlingen bezeichnet, die sich in Flussabschnitten mit geringem Gefälle und gleichzeitig transportiertem Geschiebe (Sand, Kies, Steine) bilden. Sie sind nach zwei türkischen Flüssen namens Mäander benannt.

Wunderbares Biotop ist entstanden

Stark mäandrierende Flüsse wie die Saale sind vielfach durch Flussbegradigungen schiffbar gemacht worden. Dies hat aber auch eine Absenkung des Grundwasserspiegels und eine stärkere Erosion des Flussbettes sowie eine höhere Hochwassergefahr für nachfolgende Flussabschnitte zur Folge.

Auch der letzte große Saalemäander bei Trabitz steht seit Jahren zur Disposition, weil der Fluss durch den geplanten Saaleseitenkanal begradigt werden soll. Die Einheimischen nennen den Innenteil des Mäanders "Jerusalem". Wohl deswegen, weil nur ein Weg hinein und gleichsam im Bogen verlaufend hinaus führt.

Das Burgmuseum Klein Rosenburg betrachtet dieses Thema historisch. Auf Karten lässt sich nachvollziehen, wie die untere Saale im 19. Jahrhundert ihren Lauf veränderte. So wurde der Mäander in der Gemarkung Wülpke (auf Barbyer Seite im Volksmund "Eschen" genannt) 1823 begradigt. Der Durchstich am Krummen Horn erfolgte 1840. Letzteres ist heute gesperrtes Biosphären- Totalreservat, in dem sich eine Graureiherkolonie befindet.

Während Wülpke verlandet ist, führt der Altarm Krummes Horn noch Wasser. Ebenso verhält es sich mit der Alten Saale am Saalhorn, die seit 1935 vom Strom abgehängt wurde und heute ein wunderbares Biotop ist.

 

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