Im Rahmen des Jugendmusikfestes Sachsen-Anhalt 2014 erklang am Sonntag ein Konzert mit Schülern der Kreismusikschule im Dr.-Tolberg-Saal von Bad Salzelmen. Sie traten als Solisten auf, begleitet von der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie unter Leitung von Gerard Oskamp.

Schönebeck l "Das ist ja wunderbar. Wie gut, dass ich zum Konzert gekommen bin." Die Augen von Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) strahlen an diesem Sonntagnachmittag. Mit seiner Einschätzung teilt er die Meinung des - geschätzt - gesamten Publikums. Das gemeinsame Konzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie mit Schülern der Kreismusikschule "Bela Bartok" im Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen begeistert. Es ist eine Sache des besonderen Genusses: Gewiss lässt sich auch ein Fußballspiel genießen. Aber was für eine Aufregung... Gewiss lässt sich eine Geburtstagsfeier genießen. Aber all` das viele Gerede... Und sonntags einfach vor dem Fernseher sitzen ist in Ordnung ... Doch das Gesehene ist schon am nächsten Tag vergessen. Dieses Konzert aber unterhält, entspannt, fasziniert gleichermaßen und hat einen erinnerungsträchtigen Nachhall.

Den Reigen eröffnet Alexandra Bansemir. Ohne sichtbare Aufregung, als wäre sie seit 20 Jahren eine gestandene Solistin, tritt das Mädchen auf die Bühne. Dirigent Gerard Oskamp wird - wie es in den Konzerthallen der Welt üblich ist - mit Handschlag begrüßt. Alexandra spielt auf dem Flügel einen Ausschnitt aus dem Klavierkonzert G-Dur von Joseph Haydn.

Ihr folgt Patrick Becker, der sich an das Concertino des zeitgenössischen Komponisten Jean Francaix wagt, das melancholisch und witzig zugleich daher kommt.

Dem Zuhörer geht durch den Kopf, dass viel Mut und Selbstbewusstsein dazugehören, vor vielen Menschen mit einem professionellen Orchester zu musizieren. Und Können vor allem auch. Die Musikschüler "versinken" ja nicht nur als Mitspieler im Klangteppich des Ensembles, sondern geben als Solisten den Ton an. Jeder kleine Fehlgriff ist natürlich sofort hörbar.

Schmeichelnd, fühlend-vortastend. Hochkonzentriert ...

Respekt deshalb auch vor Luise Gremmes, die auf ihrer Violine ein Allegro aus einem Konzert von Vivaldi erklingen lässt, während Johanna Koltermann einen Marsch von Oskar Rieding zum Besten gibt, ebenfalls auf der Geige.

Kaum zu sehen ist der dunkelhaarige Schopf von Enna Anne Falk über dem Notenständer. Aber zu hören ist ihr Violinspiel laut und deutlich: schmeichelnd, fühlend-vortastend, mit dem Ohr konzentriert am Spiel des Orchesters, um ja keinen Einsatz zu verpassen, um im Fluss zu bleiben bei der Interpretation des Concertino im russischen Stil von Alexey Janschinow.

Füllig-orchestral kommt der gesangliche Vortrag von Louisa Koch daher, begleitet zusätzlich von Musikschülern (Klavier, E-Gitarre). Sie interpretiert das Lied "Erinnerung" von - nein - nicht Andrew Lloyd Webber - sondern von Martin Arndt, einem erst 27-jährigen Komponisten, der in der Schönebecker Region beheimatet ist und beim hiesigen Musikschullehrer Wolfgang Mader in die Komponisten-Lehre ging. Ein Hauch aus der Welt des Musicals weht erhebend durch den Saal.

Mit der Klarinette hat Marie Zeißig ein Instrument gewählt, dessen warmer Charme das Gemüt umwebt - sofern das durch den Solisten Giora Feidmann weltbekannt gewordene Instrument beherrscht wird. Das ist bei Marie der Fall, sie spielt eine Filmmusik aus dem Streifen "Der Pianist". Für einen grandiosen Abschluss des Konzertes vor der Pause sorgt das Gesangsensemble der Musikschule mit einer Hommage an die Gruppe Queen. Freddy Mercury hält bei diesem Medley sicher kurz inne und schaut berührt Richtung Erde ...

Zum Glück fordert das Publikum an dieser Stelle keine Zugabe ein. Zum Glück? Das muss erklärt werden: Die Musikschülerinnen Louisa Koch (Gesang) und Anna-Lena Schiemann (Klavier) müssen nämlich ganz schnell zum Bus, der extra wegen der beiden Mädchen und ihres Auftritts zwei Stunden später nach Italien fährt. Denn die Klasse der beiden jungen Künstlerinnen geht auf Studienreise in das Land Vivaldis und Rossinis. Eine Zugabe hätte die sowieso schon verspätete Busabfahrt nur noch weiter verzögert.

Mit den bestaunenswerten Höhepunkten geht es nach der Pause sofort weiter. "Ich möchte Ihnen Theodor Striese vorstellen", sagt Gerard Oskamp und lässt durch seine Musiker das Stück "Landscape" interpretieren. Was für eine schöne Musik! Dem Zuhörer öffnet sich vor dem geistigen Auge die Weite einer - vielleicht - kanadischen Landschaft. Der weiche Dunst eines Indianersommertages liegt auf Bäumen und Gräsern... Und in der Tat: "Ja, es ist eine Landschaft bei Prag gewesen, die mich inspiriert hat, eine Flusslandschaft der Moldau", sagt der erst 14-jährige Komponist nach dem Konzert gegenüber der Volksstimme. Theodor Striese stammt aus Salzgitter (Niedersachsen) und besucht derzeit ein Spezialgymnasium in Wernigerode. Wenn von ihm bald mehr zu hören sein wird, kann das nur gut sein für den Ruf der zeitgenössischen ernsten Musik.

Das Programm bereichert nun die Gitarrengruppe der Kreismusikschule mit Anne Schmidt, Nadja Kowarsch und Marie Dübner. Die Mädchen spielen Sätze von Vivaldi (Allegro und Largo aus dem Concerto in C-Dur). Es folgt Marie-Christin Schulz, die mit ihrem Saxophonspiel für ein intensives Innehalten sorgt, abgelöst von Elena Lembke. Die Schülerin rückt das Violoncello und mit ihm Peter Tschaikowskys Nocturne für Violoncello und Orchester in den Mittelpunkt.

Schließlich betritt mit Elisaweta Oreschkow unzweifelhaft ein kleiner Star die Bühne. Ihr Geigenspiel ist bezaubernd, leicht, flüssig, akzentuiert, passgenau. Die perfekte Körperhaltung. Die überaus talentierte Schülerin spielt das Stück Introduction und Tarantella opus 43 von Pablo Sarasate und zwar aus dem Kopf! Beifall im Saal, Beifall von den Kammerphilharmonikern. Langanhaltend und begeistert. Zurecht. Elisaweta wird Schönebeck bald verlassen und ein Musikgymnasium in Weimar besuchen. "Das ist schade für uns. Aber gut für sie", sagt Sandra Preuß, die Leiterin der Kreismusikschule, im Nachhinein.

Auch Katharina Uelzen übt seit Jahren am Violoncello und beim Vortrag von "Aprés une Reve" von Gabriel Fauré könnte der Zuhörer gut gerne Udo Lindenbergs Titel "Cello" assoziieren. Hoffentlich stellt Katharina ihr Cello niemals in die Ecke.

An Klezmer erinnert eine Filmmusik, die Karla Marie Schneider spielt, natürlich auf der Klarinette. Ein starker Titel. Und ist das wirklich noch eine Musikschülerin, die da neben Oskamp stehend den Ton angibt? Oder eher eine etwas klein geratene Profimusikerin? Mit Karla Marie zeigt das zweite herausragende Talent an diesem Tag sein Können. Auch sie wird bald eine Spezialschule in Halle besuchen.

Im langen Schwarzen tritt Carolin Theresa Martin auf. Sie verschafft dem hier schon erwähnten Altmeister Andrew Lloyd Webber alle Ehre und singt wunderschön das "Wishing you were somehow here again" aus "Phantom der Oper".

Den finalen Abschluss des Konzertes bilden das Musikschulorchester Saitenspiel und die Percussionsgruppe der Musikschule mit der Zusammenstellung von Titeln der Gruppe Abba. Mama mia!

Die Schönebecker Musikschüler haben gezeigt, dass sie ein Instrument nicht nur beherrschen, sondern auch, dass sie mit einem Orchester (mit-)spielen können. Hut ab.

 

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