Schönebeck l Glaube trifft auf Fragen der Gegenwart - und das in einem besonderen Rahmen. Die evangelische Kirchengemeinde St. Jakobi im Schönebecker Breiteweg lädt am kommenden Sonntag zur Thomas-Messe ein. Der Gottesdienst beginnt am 28. September um 17 Uhr in der Kirche. "Wir wollen Fragen stellen und Antworten nachspüren, aber die Antwort werden wir nicht finden können", sagt Jakobi-Pfarrer Johannes Beyer, der gemeinsam mit einem Team aus der Gemeinde den Gottesdienst vorbereitet hat, und lädt Interessenten herzlich dazu ein.

Zwei Themenkomplexen wird sich die Thomas-Messe im Besonderen widmen. Anlass dafür bietet der am Montag bevorstehende Michaelistag. Michael wird in der Kirche als Erzengel verehrt. In der Bibel taucht er vor allem auf, wenn es um die letzten Tage der Erde geht, um das Weltengericht, um die Wiederkehr Christi.

Spannung: Friedfertige Christen oder Streiter Gottes

Der Erzengel ist Streiter Gottes und Kämpfer gegen das Böse. "Er ist nicht das, was sich Menschen heute unter dem `Prototyp` Engel vorstellen, nämlich ein sanftes, friedvolles, durchsichtiges Wesen", sagt Pfarrer Johannes Beyer. Michael kämpft in der Bibel gegen den Drachen, schleudert ihn auf die Erde. "Eine durchaus brutale Szenerie", meint der Geistliche. Die Geschichte habe die Thomas-Messen-Macher zu zwei zentralen Fragen geführt, denen in der Andacht gefolgt wird: Der Fall vom Licht ins Dunkel sowie die Spannung zwischen Jesu Aufforderung "Selig sind die Friedvollen" und dem Bild des Streitens für die Sache. "Jeder Mensch kennt Situationen, in denen er glaubt, am Boden zu liegen. Und Christen müssen sich immer wieder fragen, ob es allein genügt, dem, der einen schlägt, auch die andere Wange hinzuhalten." Der Pfarrer findet ganz aktuelle Bezüge, wenn er beispielsweise an die aktuelle Diskussion um Waffenlieferungen im Kampf gegen Islam-Terrorgruppen denkt oder an den Ukraine- konflikt. Die Thematik spiele aber in das alltägliche Leben eines jeden Einzelnen hinein, in private und berufliche Beziehungen. Wie sollen und müssen sich Christen dann positionieren, und wenn, mit welcher Konsequenz? "Muss ich als Christ stillhalten und erdulden - oder anders gefragt: bin ich ein schlechter Christ wenn ich mich wehre?", fragt der Geistliche. Es geht aber auch um Engelspuren im menschlichen Leben.

Pfarrer Johannes Beyer sagt, dass die Thomas-Messe keine allgemeingültige Antwort liefern wird. "Wir können aber Fragen stellen, den Diskurs eröffnen, und in die Diskussion kommen."

Der Rahmen einer Thomas-Messe sei dafür gut geeignet. Das moderne Gottesdienstmodell kommt aus Finnland. Es macht sich den Apostel Thomas zum Namenspatron, der biblischen Überlieferungen zufolge solange an Jesu Auferweckung zweifelte, bis er den Auferstandenen leibhaftig sah, ihn berühren konnte, zu fassen bekam. Die Thomas-Messe, so Pfarrer Johannes Beyer, wolle Christen und Nichtchristen, Fragende und Suchende, Überzeugte und Zweifler ansprechen. Der Pfarrer zitiert den Buchtitel von Autor Tilman Habener: Ein "Gottesdienst für Ungläubige, Zweifler und andere gute Christen."

Gottesdienst mit Angeboten an verschiedenen Stationen

Während der Andacht gibt es verschiedene Stationen. Die Gottesdienstgemeinde kann durch das Kirchenschiff wandeln, in Gesprächskreisen sitzen, es gibt einen Segnungsbereich oder eine Fürbittecke. Alles ist eingebettet in Musik. "Die Feier ist sehr meditativ gestaltet, lässt Raum für die eigene Reflexion", sagt Pfarrer Johannes Beyer.

Die Thomas-Messe wird in der Altstadtkirche bereits zum fünften Mal gefeiert, jetzt nach einer längeren Pause wieder. Vor zwei Jahren gab es die letzte. Im Januar dieses Jahres knüpfte ein Themengottesdienst zum Thema Schutzengel an diese Tradition an. "Wir bieten die Thomas-Messe jetzt zu einer Zeit an, am Sonntagnachmittag, die vielleicht auch andere anspricht, als die, die sonntagsmorgens in die Kirche gehen", sagt Pfarrer Johannes.

Thomas-Messe zum Thema "Michaelis - ein alter Feiertag für den Erzengel Michael und alle Engel", 28. September, 17 Uhr, St. Jakobi, danach Zusammensein