Barbys Bürgermeister Jens Strube ist davon überzeugt, dass es am 45er Bruch bei Monplaisir im Juni 2013 zu einem zweiten Deichbruch hätte kommen können. In diesem Zusammenhang spielt der dort lebende Biber eine Rolle. Auf der jüngsten Stadtratssitzung war dieser Ort zum wiederholten Male Thema.

Barby l "Ortskundige Mitarbeiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz haben eine Bestandsaufnahme mit dem Ergebnis gemacht, dass sich an der Teichböschung unterhalb des Geländeniveaus alte Biberbaue befinden, die nicht mehr bewohnt sind", informierte Bürgermeister Jens Strube in jüngster Stadtratssitzung. Was erst mal nach Entspannung klingt. Denn Meister Bockert hatte sich 2012 in den Deich eingegraben, der an dieser Stelle sowieso historische Last trägt. Hier soll es 1845 zu einem Deichbruch gekommen sein.

Doch Strubes Ausführungen gingen noch weiter: "Am Ufer eines benachbarten Teiches schafft sich der Biber ein neues Domizil, das er gegenwärtig ausbaut." Deswegen werde die Planung zum Einbau einer Spundwand soweit voran getrieben, dass sie noch in diesem Jahr ausgeschrieben und eingebracht werden könne, informierte der Bürgermeister. Ursprünglich sollten die Spundwände erst 2015 gerammt werden. Das erneute Wirken des Bibers führt offenbar zur Beschleunigung dieser Hochwasserschutzmaßnahme.

Der zuständige Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) hatte bereits vor der Katastrophenflut ein besonderes Auge auf dieses Biotop. Es ist nicht das erste Mal, dass der Biber dort aktiv wurde. "Wir haben die Schäden bei Wartungsarbeiten festgestellt", sagte Bereichs-Ingenieur Ronald Günther im Oktober 2012. Um sie zu beheben - und Meister Bockerts Winterquartier zu verfüllen - war die Genehmigung der Naturschutzbehörde erforderlich. Die Gänge wurden dann Ende 2012 verschlossen, sodass der Deich wieder sicher war.

Damals bestand allerdings die Gefahr, dass der Biber von den Reparaturmaßnamen unbeindruckt erneut zur Winterfestmachung ansetzen würde. "An dieser Stelle", sagte Ronald Günther damals "wird ihm das nicht gelingen." Der neuralgische Bereich wurde auf einer Breite von 20 Metern mit Stahlgittermatten gesichert. Die wurden lotrecht 2,20 Meter tief im landseitigen Deichfuß versenkt. Ein Bagger hatte tagelang zu tun, um den Graben zu schachten.

Siegfried Kahlau kennt die Gegend zwischen Alt-Maisan und Glinde wie seine Westentasche. Seit 1966 wohnt der leidenschaftliche Jäger und ehemaliger Mitarbeiter des Volksgutes in Monplaisir. Einige wenige Biber habe es dort schon immer gegeben, sogar als die Elbe ein lebensfeindlicher und vergifteter Fluss war. Aber jetzt werde es "ein bisschen viel" mit den Nagern, die, wenn man sie lässt, ein Sicherheitsrisiko für die Deiche werden könnten.

Laut Siegfried Kahlau gäbe es Biberbaue nicht nur am 45er Bruch, sondern auch am Hähnschen See, dem Glinder See und dem 76er Bruch. Aufwändige Baumanpflanzungen im Glinder See seien ihnen bereits zum Opfer gefallen. Die Bäumchen wurden über den Schutzmanschetten umgenagt.

Doch nicht nur Biber setzen der Landschaft zu. Schlimmer noch sind Marderhund und Waschbär, deren Population kaum zu beherrschen sei. Von April bis jetzt seien 19 Waschbären allein in Kahlaus Revier gefangen worden.

 

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