Der Marktbrunnen in Schönebeck soll bis Ende des Jahres neu erstehen. Probleme bereitet derzeit aber die Technik. Dafür soll noch einmal Geld gesammelt werden.

Schönebeck l Der Brunnen ist weg. Irritiert haben sich in den vergangenen Wochen mehrere Schönebecker im Rathaus gemeldet. Es darf davon ausgegangen werden, dass sie allesamt keine Volksstimme-Leser sind. Sonst hätten sie längst erfahren, dass der Schönebecker Marktbrunnen umfassend saniert wird. Und es geht gut voran mit den Arbeiten. Das versicherte gestern Martin Hennig vom Elbufer Förderverein.

Die "Brunnenstube" muss erneuert werden

"Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr zu einem guten Ende kommen", sagt der ehemalige Baudezernent gegenüber Vertretern der Stadt. Das bereits unübersehbar vorhandene Fundament soll noch in dieser Woche baulich abgeschlossen werden. Von den vier Figuren des Brunnens sind drei inzwischen weitgehend fertig gestellt. Allein die Brunnentechnik bereitet noch Probleme. Hennig spricht von der "Brunnenstube", womit Anschlüsse und Druckleitungen gemeint sind. Diese Brunnenstube sei alt, unübersichtlich und nicht mehr nutzbar. Das sei bei den jetzt erfolgten Arbeiten festgestellt worden. Damit die "Elbe"-Figur auch künftig Wasser aus ihrer Hand plätschern lassen kann, müssen also neue Versorgungsleitungen her. Alles in allem dürften die Kosten dafür noch einmal bei 10000 Euro liegen. "Weitere Spenden für den Marktbrunnen sind uns deshalb sehr willkommen", appelliert der Vereinsvorsitzende an die geneigte Öffentlichkeit. Die Kosten für die Fundament-arbeiten (knapp 25000 Euro) übernahm übrigens ein großes hiesiges Tiefbauunternehmen, wie Hennig dankend betonte.

Die vier Brunnenfiguren werden, wie die Volksstimme berichtete, von einem Pretziener Steinmetzbetrieb neu gestaltet. Modell dafür standen die alten Figuren. Der ausgewählte Stein komme dem Originalstein optisch sehr nahe, besitze die gleiche Struktur, die gleiche Porigkeit, heißt es. Die Auswahl allerdings habe die Denkmalschutzbehörde vorgegeben, wie Steinmetz Frihtjof Meussling hervorhebt. "Wir Steinmetze hätten uns für einen anderen entschieden", macht er deutlich.

Wohin die alten Brunnenfiguren kommen, ist derzeit noch offen. Auch hier gibt es eine Vorgabe durch den Denkmalschutz. Im Freien dürfen sie nicht mehr stehen, müssen also ein Dach über die Köpfe bekommen. Doch wohin mit der Gruppe? Immerhin wiegt jede der steinernen Gestalten knapp eine Tonne. Bert Knoblauch erwähnt, dass das Industriemuseum (Imuset) bereits Interesse an der Figur des Schmiedes angemeldet hat. Doch das Quartett soll zusammenbleiben - eine weitere Auflage.

Der Oberbürgermeister geht in dem Gespräch auch auf Hinweise und Fragen aus der Bevölkerung ein, weshalb der Brunnen im Vorfeld der geplanten Marktneugestaltung neu gesetzt wird und nicht mit den Arbeiten: Erstens müssten die Fördermittel in diesem Jahr aufgebraucht werden, zweitens sei die Neusetzung des Marktbrunnens abgestimmt mit dem Marktneubau insgesamt.

Die Leiterin des Stadtarchivs, Britta Meldau, erinnert an den Tag des offenen Denkmals vor sechs Jahren. Damals feierte der Marktbrunnen seinen 100. Geburtstag - und sah auch so aus. Die Idee, Spenden für eine Sanierung zu sammeln, ist vom Chef der Stadtwerke Schönebeck GmbH, Friedrich Husemann, geäußert worden. "Dass es dann so schnell ging, habe ich nicht gedacht", sagt Britta Meldau.

Insgesamt wird die Sanierung des von Paul Juckoff geschaffenen Brunnens etwas mehr als 200000 Euro kosten; ursprünglich waren 307000 Euro veranschlagt worden. Die Gelder stammen von Lotto Toto, der Kloster Bergeschen Stiftung, der ehemaligen Stiftung der Kreissparkasse, aus einem Stadtumbau-Programm und aus Eigenmitteln des Elb-ufer Fördervereins, der rund 42000 Euro dank vieler Spenden (auch der Volksstimme-Leser über ein Benefizkonzert) aufbringen konnte. Der Brunnen zeigt neben Frau "Elbe" einen Schmied, einen Schiffer und einen Bergmann.