Seit 20 Jahren gibt es in Gnadau ein Handelsunternehmen, dessen Dasein nicht in erster Linie darin besteht, Gewinn zu machen. Auch die Verkäuferinnen bekommen kein Geld für ihre Tätigkeit. Im "Gnadauer Laden" werden Produkte aus Entwicklungsländern fair gehandelt.

Gnadau l "Ja, genau den meine ich", deutet Stammkundin Brigitte Kaminski auf eine Teetüte. Die darin enthaltenen gemischten Früchte kosten 2,90 Euro. Das ist etwas mehr, als würde die Gnadauerin beim "normalen Handel" einkaufen. Verkäuferin Irene Bolm muss ihre Kundin nicht groß beraten, weil die weiß, was sie will. "Das ist Bio und der Geschmack großartig", tippt die Rentnerin auf den Tee.

Kurz drauf braucht Grit Bansemir schon etwas mehr Beratung. Sie möchte einen Schoko-Brotaufstrich mit Rohrzucker haben. "Den Gnadauer Laden kenne ich", gesteht die Schönebeckerin, "seit meine beiden Töchter hier die Zinzendorfschule besuchen." Die junge Frau hat zwei Gründe für ihren Einkauf, die Irene Bolm so auf den Punkt bringt: "Die Erzeuger erhalten faire Preise, die ihnen eine selbst bestimmte Existenz erlauben. Die Aufschläge ermöglichen Investitionen in Gesundheitsvorsorge, Bildungsprojekte oder Gemeinschaftsaufgaben." Hinzu komme, dass es sich bei den Lebensmitteln überwiegend um ökologischen Anbau handele.

Herrnhutersterne

Jahr für Jahr reihen sich die Gnadauer in eine bundesweite Aktionswoche ein, die sich zum Ziel setzt, das Anliegen des Fairen Handels bekannter zu machen und für fair gehandelte Produkte zu werben. Das heißt dann Faire Woche, die durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird.

Der "Gnadauer Laden" ist ein ehrenamtlich geführtes Unternehmen im Erdgeschoss des Altenheims. Neben fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Schokolade und Kunsthandwerk werden auch Original Herrnhuter Sterne, christliche Literatur und kleine Geschenke angeboten.

Irene Bolm, Elke Hasting und Andrea Bartels gehören zum Stamm der Ehrenamtlichen, die regelmäßig ihre Freizeit opfern. Die Frauen sind kirchliche Mitarbeiterinnen und zählen zum knappen Dutzend Gnadauer, die hinter dem Ladentisch stehen. Der geringe Gewinn fließt wieder in das Geschäft.

"Am besten verkaufen wir Herrnhutersterne, mit deren Gewinn wir die Unkosten ausgleichen", erklärt Irene Bolm. Denn sämtliche Waren müssen beim Einkauf sofort bezahlt werden - Kommission sei nicht möglich. So kommt es schon mal vor, dass ein Ladenhüter zähe am Regal klebt. Zum Beispiel jener bemalte Handtuchhalter aus Blech für 12,73 Euro, dessen durchgestrichene D-Mark-Auspreisung daran erinnert, wie lange er schon auf einen Käufer wartet. "Das ist schon so eine Sache mit unserem Geschmack und dem in der Dritten Welt", lächelt die Verkäuferin.

Es gehört schon ein wenig Idealismus dazu, im "Gnadauer Laden" Kaffee Co. zu kaufen. Zahlreiche Studien über den Fairen Handel kommen aber zu dem Schluss, dass auf diese Weise ein bedeutender Entwicklungsbeitrag geleistet und das Leben der an der Produktion beteiligten Menschen und Familien verbessert wird.

Der Laden wurde vor 20 Jahren im Gebäude der heutigen Zinzendorfschule gegründet, wo wiederum zuvor der "Pagna-Konsum" Bücher und Papierwaren anbot.

Geöffnet ist montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr.

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