"Einen warmen, etwas trockenen Monat mit zu wenig Sonnenschein" hat der Deutsche Wetterdienst für den September gemeldet. Und wie zeigte sich der vergangene Monat in der Region?

Schönebeck/Staßfurt l "Einzelne Großwetterlagen konnten sich nur wenige Tage halten. Teils herrschten noch hochsommerliche Temperaturen mit wenig Regen, großer Schwüle, schweren Gewittern - teils zeigte sich schon der Herbst mit Nebel, Hochnebel oder gar ersten Nachtfrösten", heißt es beim Wetterdienst weiter.

Wie war es nun bei uns? Durch oftmals leichten Regen konnten Mais und letzte Gartenfrüchte gut reifen. Im gleichen Sinne schrieb mir Jutta Röseler aus Glinde: "Trotz immer wiederkehrender, aber meist geringer Niederschläge konnten die Feldarbeiten gut voranschreiten. So sind die Zuckerrüben bei guten Wetterbedingungen geerntet und der Winterweizen zum großen Teil schon gedrillt."

Paul Grebarsche aus Eickendorf bemerkte dazu, dass es in diesem Jahr eine Rekordernte für Kartoffeln gab, die aber - genau wie das Obst - durch das Russland-Embargo nur schwer absetzbar sind.

Eine weitere Besonderheit für unseren Landkreis im Wettergeschehen gab es im September dennoch: Am 6. September wurden in Bernburg an der Saale 28,8 Grad Celsius gemessen. Hohe Temperaturunterschiede führten zu ausgeprägten Gewitterzellen. Eine davon zog entlang der Saale von Zuchau, Gottesgnaden, Rosenburg, Glinde bis hin nach Eickendorf und ließ dadurch die Monatsniederschläge, wie man auf der Niederschlagskarte gut erkennen kann, gegenüber den anderen Orten stark anschwellen.

Innerhalb der Stadt Calbe traten sogar unterschiedliche Regenmengen auf. So regnete es in Saalenähe zwischen 17 und 23 Uhr fast 30 (!) Millimeter. Dagegen in meiner am westlichen Rand von Calbe stehenden Messstelle nur 1,5 Millimeter. In Gottesgnaden hatte Dieter Horst Steinmetz 26,4 Millimeter gemessen.

Was ich seit geraumer Zeit beobachte, sind auch unterschiedliche Monats-Durchschnitts-Temperaturen zwischen Calbe und Gottesgnaden. Zwischen Biere und Calbe gab es bisher kaum Unterschiede, sie lagen im September bei 16,0 Grad Celsius, dagegen in Gottesgnaden bei 16,7 Grad Celsius. Grund wird dafür die Saale sein, die wie ein Wärmespeicher oder "Badewanne" wirkt.

Am 22. September kam es bei uns zu einem Kälteeinbruch. Die ersten starken Schneeschauer zogen an diesem Tage bei 0 Grad Celsius und Windstärke 10 über das Brockenplateau. Von der vorzeitigen winterlichen Pracht war am Nachmittag leider nicht mehr viel zu sehen.

Die Wettergeschichte

Bei Nacht und Nebel

Manchmal kann einem das Wetter gewaltig in die Irre führen. Ein Beispiel fällt mir da spontan aus der Mitte der 1950er Jahre ein. Damals befuhr ich täglich die Landstraße nach Schönebeck und zurück, um zur Lehrstelle zu kommen. Man muss dazu sagen, dass damals noch wenige Busse fuhren, dafür aber ein Radweg vorhanden war. Eines schönen Tages, wir hatten gerade eine kleine Lehrlingsfeier veranstaltet, musste ich natürlich wieder mit dem Rad nach Hause kommen.

Als ich nach Calbe aufbrach, dämmerte es bereits und starker Nebel breitete sich über die Landstraße aus. Damals kam mir zur Hilfe, dass noch die drei Reihen der blauen Schlackesteine aus Mansfeld meine Fahrtrichtung markierten. Jedenfalls fuhr ich los und richtete mich immer genau auf einen der Streifen. Die Nebel wallten. Mein Fahrradlicht konnte ihn nur schwer durchdringen.

Als ich dachte, dass ich die Hälfte der Strecke hinter mir hätte, fiel mir plötzlich meine Tasche vom Gepäckträger. Ich legte mein Rad hin und begann nach meiner Tasche zu suchen, wobei ich mich wahrscheinlich ein paar Mal herumgedreht hatte.

Jedenfalls radelte ich dann weiter und wunderte mich, dass kein Schafstall oder Steinbruch auftauchte, dafür tauchte dann wieder das Ortseingangsschild von Schönebeck auf. Nach dieser Pleite ging es dann wieder zurück und schließlich kam ich dann endlich am Schafstall an. Hinter dem Steinbruch lockerte sich dann der Nebel, und es ging zügig nach Hause.