Die Lokalredaktion irrte, einige Leser auch. "Gemein" am Heimaträtsel in dieser Woche ist, dass es zwei fast baugleiche Häuser gibt, die sich recht ähnlich sehen.

Schönebeck l "Jubiläumsverkauf" "40 Jahre". So stand es im Spätsommer 1928 in großen Lettern und Zahlen auf der Fassade eines Hauses, das in dieser Woche im Heimaträtsel gesucht war. Das Bild dazu ist hier rechts noch einmal abgebildet und daneben die heutige Ansicht. Aus der geht für alle Schönebecker deutlich hervor, um welches Gebäude es sich handelt. Doch das war auf dem originalen Foto nur schwer zu erkennen. Das zeigen auch die Zuschriften.

"Meine Mutti Helga Held meint, es wäre die Ecke Salzer Straße / Republikstraße. Die Treppenstufen sind wohl noch da. Allerdings ist meine Mutter erst 1938, also zehn Jahre später, geboren. Sicherlich gab es das Geschäft eines Juden (?) in dieser Zeit dann nicht mehr." So formuliert es Simone Held in ihrer E-Mail. Sie schreibt, dass sie nachschauen will, ob vor dem Haus sogenannte Stolpersteine verlegt sind, die in Schönebeck an das Schicksal jüdischer Mitbürger während der Nazi-Diktatur erinnern. Aus eigener Sicht fügt sie hinzu: "Meines Wissens käme auch die Ecke Salztor / Böttcherstraße in Betracht."

Elke Bode tippt ebenfalls auf Salzerstraße / Ecke Republikstraße. "Heute an der Ecke ein Handygeschäfft, links des Bildes war das Geschäft um 1954 Firma Engmann/ Herrenausstatter."

Ein paar Meter Richtung Rathaus verortet S. Zimmermann das gesuchte Motiv. "Ich würde sagen, es handelt sich um das Haus Ecke Salztor / Böttcherstraße. Der Fotograf hat wohl am Bäreneck gestanden. In dem Geschäft direkt an der Ecke war ich mal, als es dort noch Haushaltssachen gab und habe einen günstigen Wischmop gekauft." Ja, so was vergisst man nicht.

Harald Bahr von Ehrenberg lässt wissen: "In dieser Woche ist das Rätsel ebenfalls nicht ganz einfach zu lösen gewesen, da sich der Anblick des Hauses doch erheblich verändert hat. Gesucht wird das ehemalige Bekleidungshaus Schütze. Viele Schönebecker werden auch noch den Namen Engmann in Erinnerung haben, Ecke Böttcherstraße / Salztor." Der rührige Heimaträtsel-Freund geht davon aus, dass der Fassadenschmuck wohl irgendwann nicht mehr dem Stil der Zeit entsprach, "was ich persönlich sehr bedauere". Doch mache das Haus auch nach seiner Verjüngungskur noch einen "recht passablen Eindruck". Der Schönebecker tröstet sich mit dem abwägenden Vergleich und sagt: "Es hätte schlimmer kommen können." Harald Bahr von Ehrenberg schreibt weiter: "Dort, wo einst feiner Zwirn angeboten wurde, kann man sich jetzt zum Thema Halloween und anderer fröhlicher Anlässe einkleiden."

"Das abgebildete Haus steht Ecke Salztor / Böttcherstraße", lässt auch Roswitha Schwabe keinen Zweifel aufkommen. Das Eckgeschäft, wo heute der "Krims-Kram-Laden" drin war, war ein Bekleidungsgeschäft und in dem heutigen "Nr.1" gab es zu DDR-Zeiten Bettwäsche. "Es war immer sehr dunkel in dem Laden. Man konnte auch seine Strumpfhosen zur Reparatur abgeben", berichtet Roswitha Schwabe.

Ganz sicher ist sich Willi Herold. "Das ist Salztor / Ecke Bötcherstraße", schreibt er überzeugt. Und führt weiter aus: "Da war zu DDR-Zeiten noch ein Herrenausstatter und daneben auch ein Schuhgeschäft. Die hatten ein Gerät, mit dem man sehen konnte, ob genügend Platz im Schuh war."

Auch Joachim Zenß meint: "Das gezeigte Bild ist an der Ecke Böttcherstraße - Salztor." Ihm schließt sich Werner Hilbrich an. Er kennt hier noch das "Bekleidungsgeschäft Schütze".

Familie Göhre schreibt: "Das Haus steht in Schönebeck im Engpass, ich kenne es seit alten DDR-Zeiten. In dem Haus gab es zwei Geschäfte, eins für Herren und das andere war damals Wäschegeschäft", heißt es in der elektronischen Post, die die Redaktion erreichte.

Dieses Kommunikationsmittel wählte auch Antje Wrege. Sie schreibt: "Das ist das Haus Ecke Böttcherstraße / Salztor. Später war da Bettenfrede oder so ähnlich drin. Da konnte ich mir ein Badetruch und Windeln gegen Vorlage des Schwangerschaftspasses kaufen."

Von ihrem iPad sendete Helga Fietz die Nachricht: "Ja, ich kenne Schönebeck. Es ist die Ecke Böttcherstraße / Engpass mit dem Konfektionshaus Schütze."

So weit die Zuschriften. Die Lokalredaktion muss einräumen, dass sie anfangs ziemlich überzeugt war, es handele sich um die Ecke Salzer Straße / Republikstraße. Und irrte. Dabei sind die Redakteure freilich in guter Gesellschaft - schließlich ging es anderen ähnlich. Zum Glück konnte Matthias Hille vom Schönebecker Stadtarchiv den Schiedrichter spielen und für Aufklärung sorgen. "Die Häuser an den beiden Straßenecken sind in der Tat relativ baugleich. Es handelt sich aber um die Ecke Salztor / Böttcherstraße." Das original Bild stellte übrigens Simone Jurczyk zur Verfügung. Sie ist nach vielen Jahren im Ausland wieder nach Schönebeck gezogen. "Meine Großmutter Hildegard Fritzler hat in dem Geschäft Löwenstein Schuhverkäuferin gelernt."

Richtig ist auch, wie einige Leser vermuten, dass der Geschäftsinhaber jüdischer Abstammung war. Es handelt sich um Gustav Löwenstein, der in der Bahnhofstraße 21 mit seiner Frau wohnte. Die beiden sind nach schlimmen Schikanen 1942 deportiert und im KZ Auschwitz ermordet worden.

Gewonnen hat in dieser Woche Antje Wrege. Sie kann sich einen kleinen Gewinn bei der Volksstimme abholen.

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