Zwischen Schwarz und Gottesgnaden sitzt man derzeit auf dem Trockenen. Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) inspizieren turnusgemäß den baulichen Zustand der Schleuse Calbe. Dabei sickert vorsichtige Hoffnung für eine Erneuerung der maroden Schleusenbrücke durch.

Calbe/Gottesgnaden l Es sind tonnenschwere Dammbalken, die ein großer Kran nacheinander am Oberhaupt der Schleuse in die Führungen der gewaltigen Schleusentore einsetzt. Die mächtigen Stahl-Bolliden werden zu einer massiven Mauer übereinanderlegt. Ein Vorgang, der sich zuletzt vor genau sechs Jahren ereignete. "Die beiden Schleusentore müssen zuerst trockengelegt werden, um sie wieder kontrollieren zu können", erklärt Matthias Pusch, Leiter des WSA-Außenbezirkes in Bernburg.

Die 42 Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Bernburg verwalten insgesamt 71 Kilometer Wasserweg der Saale, von der Mündung in die Elbe bei Barby bis flussaufwärts nach Wettin. Die Staustufen in Calbe, Bernburg, Alsleben, Rothenburg und Wettin sind wichtige Bauwerke, deren Betrieb und Unterhaltung eine Hauptaufgabe des Außenbezirkes ist.

Die Vorarbeiten für die turnusmäßige Bauwerksprüfung der Calbenser Schleuse ist in den vergangenen beiden Tagen gelegt worden. Nun beginnt für die Fachleute die eigentliche Arbeit.

"Wir prüfen die Funktionsfähigkeit der Anlage, sehen nach möglichen Rissen in den Wänden", erklärt Pusch weiter. Wie bei vielen technischen Anlagen können Witterungseinflüsse wie Frost den natürlichen Verschleiß beschleunigen. Die stählernen Schleusentore müssen gereinigt und auf Korrosionsschäden überprüft werden. Außerdem holen die Mitarbeiter Schlamm aus den Kammern und den Sparbecken, die als eine Art Zwischenlager für das für die Schiffsschleusungen notwendige Wasser dienen.

Um mit diesen Arbeiten beginnen zu können, werden beide Schleusentore komplett geöffnet. Die eigentliche Schleusenkammer kann aufgrund einwirkender Kräfte vom Grundwasser nicht komplett leer gepumpt werden. Dennoch können Passanten derzeit interessante Einblicke in das gesamte Bauwerk (siehe Infokasten) erhalten. Boote und Schiffe können die Schleuse in dieser Zeit nicht passieren. "Bis Ende Oktober werden wir hier gut zu tun haben", blickt Matthias Pusch voraus. Dabei sollen auch Taucher zum Einsatz kommen.

Die Schleusenbrücke, die einzige feste Zuwegung nach Gottesgnaden, bleibt von den Arbeiten unberührt. Noch. "Die Zeichen stehen aber sehr gut, dass sich diesem Bauwerk in naher Zukunft gewidmet wird", bleibt Matthias Pusch wage.

In der Vergangenheit kritisierten Bürger und Verantwortliche das marode Bauwerk immer wieder wegen der eingeschränkten Tragkraft von 16 Tonnen. Die Befürchtung: Im Fall eines erneuten Hochwassers könnten sie schwere Maschinen, beispielsweise des Technischen Hilfswerk (THW) nicht mehr passieren.

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