Frohse l Da hat wohl jemand den Abflug verpasst! Seit dem 5. Oktober ist das Storchennest auf dem Hauptschiff der Frohser St.-Laurentii-Kirche wieder besetzt. Und zwar mit einem einzelnen Storch. Seine Artgenossen - um es mit dem Dichter Theodor Storm zu sagen - flohen längst ins Land der Pyramiden. Was also hält Freund Adebar noch in der langsam kälter werdenden Heimat?

"Ganz Frohse redet über diesen Storch", berichtet die Fotografin Agnes Schulz, die den Bummelanten zuerst entdeckt und vom Kirchturm aus fotografiert hatte. Sie hat ihn mehrfach beobachtet und ist der Ansicht, dass der Langschnabel oft nach oben schaut und den Himmel absucht, "so, als warte er auf jemanden". In Frohse ist die Sorge nun natürlich groß unter allen Tierfreunden, ob der Storch den Winter in Deutschland überleben kann.

"Erfrieren wird er nicht", meint der Ornithologe Michael Wunschik vom Naturschutzbund (Nabu). "Aber er wird ein Problem mit der Nahrung bekommen, wenn Schnee und Frost herrschen", führt der Experte weiter aus. Am Sonnabend hat er das Tier während einer Wasservogelzählung selbst in Augenschein genommen. "Er hat Anzeichen eines erwachsenen Storches", sagt Wunschik. Er erklärt sich dessen Anwesenheit mit den milden Temperaturen und dem noch ausreichenden Nahrungsangebot an Insekten. Da war die Lust zu bleiben wohl größer als der Zugtrieb. "Kann aber sein, dass er sich wundert, dass er ganz allein ist", vermutet Wunschik. Es sei möglich, dass der Storch noch alleine los fliegt. "Ob er dann die richtige Route findet, ist offen. Das schaffen die Tiere im Schwarm natürlich leichter." Fotos auch unter www.nabu-schoenebeck.de/aktuelles