Die Volksstimme geht heute im zweiten Teil der Serie: "Was ist geworden aus?" der Geschichte um Tierschützerin Hilde Meißner nach. Was ist aus der kleinen Calbenserin mit dem großen Herz für verwilderte Hauskatzen geworden?

Calbe l Vielen ist Hilde Meißner noch in guter Erinnerung, als sie täglich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad ihre Runden durch die Saalestadt drehte. Am Lenker und auf dem Gepäckträger beförderte die Calbenserin kiloweise Katzenfutter zu ausgewählten Futterstellen im Stadtgebiet, sei es in der Breite, der August-Bebel-Straße oder am Sandgarten. Die Calbenserin versorgte die schnurrenden Vierbeiner mit unendlich viel Herzblut. Ein Großteil ihrer Rente floss in den Kauf von Katzennahrung.

Hilde Meißner wohnt mit 78 Jahren noch immer in der Saalestadt. Ihr Gesundheitszustand hindert sie allerdings daran, weiter für "ihre" Schützlinge da zu sein. Doch Hilde Meißner hat Spuren hinterlassen.

"Ihr Einsatz für die schutzlosen Tiere hat uns damals dazu gebracht, die heutige Station für streunende Katzen aufzubauen", sagt Christa Pahlke, die dem Schönebecker Tierschutzverein angehört. Seit zwei Jahrzehnten ist sie in der August-Bebel-Straße nicht nur für Calbenser, sondern auch Bürger umliegender Gemeinden ein fester Anlaufpunkt. Doch die Kapazitätsgrenze ist erreicht. Eigentlich wollte Christa Pahlke keine Neulinge mehr aufnehmen, doch vor kurzem klingelte abends viertel zehn ein älteres Ehepaar an ihrer Tür, das überfordert zwei junge Kätzchen abzugeben hatte. "Was soll ich da machen?", fragt Christa Pahlke. "Sie wieder nach Hause schicken oder empfehlen, die Katzen irgendwo auszusetzen? Das geht doch nicht." So tummeln sich derzeit 17 Katzen, davon neun Jungkatzen, in der ehemaligen Garage des Hauses. Einige sind lange Zeit in großen Käfigen untergebracht. "Das ist kein Dauerzustand", sagt Christa Pahlke. Die abgegebenen und tierärztlich versorgten Tiere suchen dringend ein neues Zuhause.

Christa Pahlke weiß nur zu gut, dass ein unkontrolliert wachsende Population verwilderter Hauskatzen im Stadtgebiet äußerst problematisch ist. Um dem Einhalt zu gebieten, fahren auch ihre Mitstreiterinnen Barbara Müller und Sabine Gansert seit Monaten regelmäßig mit dem Auto zur verfallenen Villa an der ehemaligen Wolldeckenfabrik in der Bernburger Straße. Dort haben sich verwilderte Katzen versteckt und Nachwuchs bekommen. "Über langwieriges Füttern versuchen wir die Tiere in eine Falle zu locken, um sie kastrieren oder sterilisieren zu lassen", sagt Sabine Gansert.

Auch sie investieren in den Tierschutz neben viel Engagement auch eigenes Geld. Die Unterstützung aus der Bevölkerung sei in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, selbst alle Einkaufsmärkte in Calbe lehnten das Aufstellen von Behältern für dringend notwendige Futterspenden ab.

"Uns ist am meisten geholfen, wenn wir die Katzen wieder in liebevolle Hände abgeben können", sagt Christa Pahlke.

Wer Interesse an einer Katze hat melde sich unter (03 92 91) 7 77 15.

 

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