Schönebeck l Wenn der Vater mit der Tochter ... Dieses vom Original leicht abgewandelte Motto beherzigen Carola Perlich aus Magdeburg und Hans Berg aus Schönebeck. Die beiden sind nicht nur verwandt miteinander, sondern auch seelenverwandt, auf jeden Fall in künstlerischer Hinsicht. Sie haben sich der Malerei verschrieben. Am Sonnabend ist im Schönebecker soziokulturellen Zentrum "Treff" in der Wilhelm-Hellge-Straße 3 eine Ausstellung eröffnet worden, die Werke der zwei Künstler zeigt. Die Volksstimme sprach kurz vor der Vernissage mit Hans Berg.

Der 85-Jährige ist von Hause aus Techniker im Bereich der Motorenkonstruktion. Viele Jahre hat er im einstigen Dieselmotorenwerk der Elbestadt gearbeitet. Zum Malen kam der Schönebecker erst vor zehn Jahren, mit damals also 75 Jahren. Wie das?

Hans Berg lächelt bei dieser Frage. In der Antwort ist auch seine bessere Hälfte wesentlich enthalten, Erika Berg. Sie nämlich belegte 2003/2004 einen Malkurs beim Calben-ser Künstler Hans Both, Treffpunkt war das Haus der Vereine in Frohse. Bei einem Malausflug in Gruppengröße in die Natur Ostelbiens kam Erika Berg von Mücken zerstochen nach Hause. Die Stiche juckten auch Hans Berg; ganz Gentleman, fuhr er seine Frau alsdann persönlich zum Malkurs und wartete im Auto, bis die Both`schen Unterweisungen in punkto Ölmalerei beendet waren. "Das wurde mir dann aber zu langweilig." Und also verließ er sein Auto und ließ auch sich in die Geheimnisse der Malerei einweisen. Und fing Feuer. Ebenso seine Tochter Carola.

Vor allem der Acrylmalerei hat sich Hans Berg verschrieben. Insbesondere die Natur und hier wiederum Himmel und Meer faszinieren ihn, das tiefe Blau, die Weite. Eine kürzlich überwundene zweijährige Schaffenspause ist durch Wasservögel beendet worden, die der Künstler an der neuen Schönebecker Elbebrücke beobachtet hat. Er sah, wie die Tiere stets über dem Bauwerk entlang flogen, niemals untendurch. Plötzlich hatte er das Verlangen, die Brücke aus der Vogelperspektive zu malen. Dieses Motiv gehört ebenso zu den ausgestellten Werken wie ein Bild, das die Gänse vom Heimattiergarten Bierer Berg zeigt, allerdings versetzt in die freie Natur. Die Gänse besucht er oft, und jedesmal gibt es eine Begrüßung zwischen Tier und Mensch, versichert Hans Berg. Seine Vorliebe zum Federvieh mag noch aus seiner Kindheit herrühren. Hans Berg ist in Landkuppen, dem ehemaligen Kreis Memel geboren.

"Die Hingabe beim Malen ist bedingungslos."

Carola Perlich

Gern experimentiert er in seinen Bildern auch mit Figürlichem, bringt zum Beispiel Don Quichote mit Skulpturen zusammen, die er im Kloster Jerichow gesehen hat und die epochemäßig zueinander zu passen scheinen.

Den einstigen Hof seiner Eltern im heutigen Lettland hat er aus dem Gedächtnis als dreidimensionales Papiermodell konstruiert, um es danach malen zu können. Aus der Vogelperspektive.

In einem Gedicht, dass ihm seine Tochter Carola geschrieben hat, heißt es: "Die Hingabe beim Malen ist bedingungslos."

Auf die Frage, ob er seine Bilder auch zum Kauf anbietet, zögert Hans Berg kurz. "Wenn jemand an einem Bild Interesse hat, können wir darüber sprechen", sagt er und meint, dass er den Erlös dann wohl für einen guten Zweck spenden würde.

Und was ist aus der Malleidenschaft von Erika Berg geworden? "Hin und wieder male auch ich noch, meist in Pastell und Aquarell. Aber hautsächlich er", sagt die Ehefrau, die während der Vernissage die Laudatio hielt, während die Töchter für die musikalische Untermalung sorgten: Carola Perlich spielte Klavier und Tochter Nummer zwei, Renate Rudat, Flöte. Bis auf die begleitenden Worte von Helmut Huppertz vom "Treff" war die Ausstellungseröffnung also eine rein familiäre Sache.

Die Exposition der Bilder von Vater und Tochter ist bis 15. Januar zu sehen. Weitere Informationen gibt es im Treff unter der Rufnummer (03928)67522 Die Erreichbarkeit der Mitarbeiter ist hier Montag bis Freitag ab 10 Uhr gegeben.