Schönebeck l Wer gestern am Morgen zur Arbeit fuhr, konnte nicht wissen, ob er auch am Abend oder Nachmittag wieder heil nach Hause kommen würde. Grund war die Streikankündigung der Lokführergewerkschaft GDL.

Mit Beginn des Streiks sah es am Bahnhof Schönebeck auch erst nach großflächigen Arbeitsniederlegungen aus. Die S-Bahn, die um 14.03 Uhr in Richtung Bad Salzelmen fahren sollte, fiel "streikbdedingt" aus, wie man es der Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig entnehmen konnte.

Die immer mehr werdenden Zuggäste ließen sich davon aber nicht beeindrucken. Auch der logische Ausfall der S-Bahn um 14.19 Uhr nach Magdeburg (der Zug kam ja erst gar nicht in Bad Salzelmen an) beunruhigte die Wartenden nicht. Wenige Minuten später fuhr schließlich eine Regionalbahn in Richtung Landeshauptstadt ein.

"Ich kann Ihnen nicht genau sagen", erklärte der Loführer, "wie die Bahnen heute fahren werden." Immerhin fuhren kurz nach Beginn des Streiks bis auf zwei Bahnen alle Züge ab Schönebeck. Für den restlichen Tag bis heute Morgen gelte das Prinzip spontan schauen, ob ein Zug fährt oder nicht. "Wir fahren ad hoc", unterstrich der Zugführer.

"Einige Kollegen streiken eben, einige nicht", sagte der Bahnbeschäftigte weiter: "Ich streike nicht. Ich fahre noch eine Runde. Das habe ich soeben über Funk gesagt bekommen."

Hintergrund der Arbeitsniederlegungen sind stockende Verhandlungen zwischen Deutscher Bahn und GDL. Der Konzern will die Forderungen der Gewerkschaft nicht akzeptieren.

Zudem beansprucht die GDL auch die Vertretung für Bahnbedienstete, die nicht als Lokführer arbeiten. Dort hat im Moment jedoch der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Mehrheit der Mitarbeiter auf ihrer Seite.