Musik erreicht viele Menschen. Musik machen sich die Chor- und Instrumentalgruppen des Christlichen Jugenddorfwerks (CJD) Schönebeck jetzt auch zunutze, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie haben eine CD aufgenommen. Die "Aktion Mensch" hat die Produktion unterstützt.

Schönebeck l "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht", klingt es durch das Kirchenschiff von St. Jakobi. Nein, Drafi Deutschers Hiterfolg hat es noch nicht in das evangelische Kirchengesangbuch geschafft. Aber auf eine CD der besonderen Art. Die Musikgruppen in den Salzlandwerkstätten und Wohnbereichen des CJD haben die Scheibe aufgenommen. "Wir singen und spielen hier unser Lieblingsrepertoire. Lieder und Stücke, die unsere Mitarbeiter und Bewohner lieben", sagt Wohnbereichsleiterin Sabine Gabriel. Sie verspricht nicht zu viel, Deutschers Lied von ewiger Liebe klingt so kraftvoll und mit Verve, dass sich die Jakobigemeinde gut und gerne eine Scheibe für den sonntäglichen Choralsgesang abschneiden kann.

"Der soziale Umgang wird im Miteinander gefestigt."

Allein der Aufnahmeort ist nicht willkürlich gewählt. Denn in der evangelischen Altstadtgemeinde hat das CJD einen Partner für das Musikprojekt gefunden. "Wir dürfen hier proben und aufnehmen. Die Kantorei trägt Stücke zur CD bei, und auch Kantor Carsten Miseler wird an der Orgel zu hören sein", berichtet Sabine Gabriel. Dazu die CJD-Musikgruppen: der Chor der Salzlandwerkstätten unter der Leitung von Karin Assel und Christoph Martin, die Wohnbereichsgruppe "Die Fröhlichen Noten" mit Reiner Pfanne, Christian Götz, Sabine Gabriel und Teresa Teßmann, die Band "Nachtschicht" und Percussion- und Instrumentalensembles mit Markus Schulze. Herausgekommen ist so ein integratives Musikprojekt, das Menschen aller Altersklassen, mit und ohne Behinderungen vereint. "Musizieren mit Herz, Kopf und Hand macht Stark" ist der Titel, berichtet Sabine Gabriel. In ihrem 50. Bestehensjahr fördert die Aktion Mensch die Produktion der CJD-CD im Rahmen von "Miteinander gestalten". "Das macht es uns möglich, mit einem professionellen Tonstudio zusammen zuarbeiten und auch den Instrumentenfundus auf den neuesten Stand zu bringen", so die Wohnbereichsleiterin.

Dass man Musik macht, liegt auf der Hand. Für das CJD sowieso, berichtet Sabine Gabriel. In den Werkstätten gehöre sie zu den arbeitsbegleitenden Angeboten, in den Wohnbereichen der Freizeitbeschäftigung. Mit wunderbaren Effekten, wie Sabine Gabriel findet. "Musik machen kann jeder, ob mit der Stimme, mit einem Instrument oder den Rhythmus schlagend. Für uns ist wichtig, dass alle im Team etwas machen, der soziale Umgang im Miteinander gefestigt wird."

Das alles soll natürlich später als musikalischer Funke aus den Lautsprechern überspringen. Damit das gelingt, hat Christoph Vogt vom Magdeburger musicart-Tonstudio ein wachsames Auge und vor allem ein gut funktionierendes Ohr. Und während auf der einen Seite der Mikrophone die Musiker richtig spaßige Stimmung machen, ist auf der anderen Seite Hochkonzentration angesagt.

"Nerven müssen die Musiker auch haben, wenn alles immer wieder wiederholt wird."

Der Aufnahmeleiter hört, wie die Mikrophone am besten positioniert werden können, wo das schönste Klang-Hall-Verhältnis ist, wie ausgewogen Stimmen und Instrumente miteinander klingen, oder - ganz profan - ob nicht irgendwo störende Nebengeräusche auftauchen. "Jede Aufnahme ist eine neue Herausforderung. Denn alles ist immer live!", sagt Christoph Vogt. Man müsse sich auf die Gruppen und auf den Raum einstellen. Immer wieder lässt der Techniker die CJD-Leute singen. Bis zu 16 verschiedene Klangspuren kann er gleichzeitig aufnehmen. Und muss die Kontrolle darüber behalten. Reine Nervensache. "Aber Nerven müssen die Musiker auch haben, wenn immer wieder alles wiederholt wird", sagt er und will seinen Part an der Aufnahme gar nicht so sehr in den Fordergrund gestellt wissen. Die Arbeit ist aber in der Kirche nicht vorbei. Im eigenen Studio hört er alles ab. Am Ende sucht Oliver Vogt die schönsten Teile aus den einzelnen Aufnahmestücken gleich einem Puzzle zusammen. "Der Anspruch ist das bestmögliche Ergebnis", sagt er und sagt auch, dass er deshalb durchaus den einen oder anderen Schnitt setze.

Ende Oktober soll die CD fertig sein, zunächst mit einer Auflage von 300 Stück. Aber wenn die Nachfrage groß ist, dann kann nachproduziert werden.

Im freien Handel ist das Musikwerk allerdings nicht zu haben. Sabine Gabriel: "Wir wollen die CD in der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen. Das heißt sie kann ein kleines Geschenk für unsere Partner sein oder für Interessenten, die neugierig auf unsere Arbeit sind." Die Musikgruppen hätten vielfältige Auftritte, da sind CD-Geschenke ein schönes Mitbringsel. Die kleine silberne Scheibe, so die Wohnbereichsleiterin, sei ein Ausdruck für Willen und Motivation aller Beteiligten: "Seht her, das können wir - könnte man so sagen", meint Sabine Gabriel. Oder um es mit Drafi Deutschers Schlager-Ohrwurm zu halten: "Doch wir sind uns treu."

 

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