Öffentliche Grundschulen in Schönebeck haben einen festen Einzugsbereich, aus denen ihre Kinder kommen. Im Auftrag des Rates soll die Verwaltung jetzt prüfen, ob eine Aufhebung dieser Gebiete möglich ist und welche Konsequenzen das hat.

Schönebeck l Grundschulleitungen in Schönebeck wissen relativ genau, wie viele Erstklässler sie jährlich zu erwarten haben. Den öffentlichen Bildungseinrichtungen sind Einzugsbereiche zugewiesen. Um die Veränderung der Schulbezirke sollte es jetzt im Schönebecker Stadtrat gehen. Denn das Schüleraufkommen der zukünftig einzuschulenden Kinder in den Schulen "Am Lerchenfeld" und "Käthe Kollwitz" entwickelt sich aufgrund des Zuzugs von jungen Familien zusehends. Die Grundschulen "Käthe Kollwitz" und "Dr. Tolberg" würden noch über Aufnahmekapazitäten verfügen, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. Die Stadt stellt darin gleichzeitig klar, dass Schulwege sich bei neuen Schulbezirken höchstens geringfügig verändern würden, die Hortbetreuung gewährleistet sei.

Allerdings hat der Stadtrat gar nicht über das Papier diskutiert. Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) zog es zu Sitzungsbeginn für eine Überarbeitung in seiner Verwaltung zurück. Denn bereits im zuständigen Kultur-, Schul- und Sportausschuss des Rates war eine andere Tendenz der Politik zu erkennen: Die Aufhebung der Schuleinzugsgebiete in Schönebeck.

Die Schulausschussmitglieder fanden nämlich die von der Verwaltung vorgeschlagenen Regelungen nicht eindeutig. Mal werde ein ganzer Stadtteil neu zugeordnet, mal nur ein einzelner Straßenzug, so die Kritik. Ina Bühring (Fraktion Die Linke) schließlich setzte den Fokus auf die komplette Neuregelung. "Wenn wir Schulträger sind, warum muss es diese Einzugsbereiche dann überhaupt geben?", fragte sie im Kulturausschuss. "Ich als Mutter will doch selbst entscheiden können, in welcher Schule mein Kind lernt."

Das Rathaus nimmt diese Idee auf. Im Pressgespräch erläutert Bert Knoblauch, dass man alles von Grund auf prüfen wolle und sich dafür auch die entsprechende Zeit nehme. "Sicherlich hat der Gedanke, die Schulbezirke aufzuheben, Charme", sagt der Stadtchef. Doch es müssten Für und Wider abgewogen werden, um kein Ungleichgewicht in die Grundschullandschaft der Stadt zu bringen. Und dabei gebe es eine Menge Faktoren zu prüfen und einander gegenüber zu stellen. Bert Knoblauch nennt Stichpunkte. "Zunächst haben die Schulen mit fest zugeordneten Einzugsgebieten eine gewisse Planungssicherheit." Dem stehe wiederum der durchaus nachvollziehbare Wunsch von Eltern entgegen, frei wählen zu können. Passiert das, stelle sich die Frage nach Schulwegen und der Möglichkeit, wohnortnah beschult zu werden. "Die Schule an einem Ort ist dann voll, und die Kinder aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft müssten dann weitere Wege zur nächsten Schule in Kauf nehmen", nennt der Oberbürgermeister ein Beispiel. Schließlich, und daraus macht Bert Knoblauch auch kein Geheimnis, würden Eltern bei möglicher freier Schulwahl nicht nur das pädagogische Konzept im Blick haben, sondern auch den baulichen Zustand der Bildungseinrichtungen. "Da ist es dann gut möglich, dass wir die eine oder andere Schule in eine Notlage bringen, nur weil sie baulich zurücksteht. Eine Notlage, die von den Inhalten her gar nicht gerechtfertigt ist."

Der Oberbürgermeister will innerhalb der Prüfung durch die Verwaltung auch die Schulleiter in Gesprächen einbeziehen. Die Volksstimme hat sich in den Führungsebenen der Grundschulen umgehört. Hier zeigt man sich grundsätzlich offen für den Dialog, nach dem Motto: Eltern und Kinder, die ihre Schule frei wählen können, sind motiviert. Dennoch warnen die Schulleiter vor Schnellschüssen. Feste Schülerzahlen brächten genannte verbindliche Planungssicherheit, was sich auch auf die Ausstattung auswirke. Zudem würden die Kinderzahlen in den kommenden Jahren stark schwanken.