Eggersdorf l Johann Hauser hätte sich wie in der Heimat gefühlt. Der Bayer, der jetzt in Atzendorf zu Hause ist und auch in Bördeland immer wieder gern gesehen ist, hätte der Party in Eggersdorf noch das besondere Flair gegeben. Doch auch ohne "Bazi Hauser" musste sich das Oktoberfest nicht hinter gleichnamigen Veranstaltungen südlich der Weißwurst-Grenze verstecken.

Zum inzwischen 12. Mal lud die Gemeinde in das Sport- und Freizeitzentrum nach Eggersdorf ein. Die Farben weiß und blau dominierten an den Wänden und auf den Tischen. Die Damen kamen in freizügigen Dirndln und die Herren in festen Lederhosen, dazu kleinkariertem Hemd in den Farben blau, grün und rot - eine bayrische Enklave in der Börde.

Ginge es nach den potenziellen Feierfreudigen, hätten zu diesem traditionellen Event wesentlich mehr Karten verkauft werden können. Ohne Werbung in der Öffentlichkeit zu machen - lediglich im "Bördelandkurier" war im Sommer eine kleine Notiz zu lesen - gingen die Tickets weg wie warme Semmeln. So war der Saal am Ende wieder voll. "Ich bin sehr zufrieden", freute sich Bürgermeister Bernd Nimmich.

Ihm oblag es auch, das Fass Freibier, das eine ortsansässige Gaststätte zur Verfügung stellte, in typischer Oktoberfest-Manier anzustechen. Brauchte Nimmich im vergangenen Jahr noch zwei Schläge, konnte er den Anstich in diesem Jahr nochmals toppen: Nach einen Schlag war der Zapfhahn im Fass versenkt. "Besser geht es nicht mehr", analysierte Nimmich mathematisch genau.

Über so viel Talent und Kraft wunderte sich an diesem Abend auch Landrat Markus Bauer, der ebenfalls wie alle anderen Gäste Anzug und Schlips gegen die Tracht eintauschte, so dass seine strammen Unterschenkel dem Weibervolk entgegenblitzten. "Bei so viel Energie, wie ihr hier in Eggersdorf habt, wundert mich gar nichts mehr", resümierte Markus Bauer. Der Grund: Mit dem einen Schlag gegen den Zapfhahn von Bernd Nimmich erschlug er gleichzeitig noch ein leeres Bierglas. Das muss man erstmal nachmachen.

Weißwurst und Haxe

Doch es wurde nicht nur getrunken, sondern auch gegessen. Im Foyer der Halle war ein Büffet aufgebaut, das mit bayrischen Spezialitäten nur so glänzte: Leberkäse, Weißwurst, Brezeln, Sauerkraut, Haxe und viele andere Dinge ließen zum Oktoberfestbier keinen Hunger aufkommen. Eine gutes Händchen bewiesen die Organisatoren mal wieder bei der Auswahl der stimmungsvollen Partyband. Dieses Mal verpflichteten sie "Die Gaudirocker", die es schafften, vom ersten Titel an das tanzwütige Völkchen auf die Fläche vor die Bühne zu lotsen. Die Jungs um Frontmann Nobby und die beiden feschen Sängerinnen Heidi und Simone hatten die angesagtesten Songs am Start - bestens geeignet zum Mitsingen, Mitklatschen und Abtanzen. "Die Gaudirocker" waren offen für jede Musikrichtung und gaben den Spaß, den sie zusammen auf der Bühne hatten, 1:1 an das Publikum im Saal weiter.

Erst auf Mallorca, jetzt in Eggersdorf. Vollgas auf der Bühne gab am späten Abend Peter Wackel. Er ist ein deutscher Party-Sänger und Alleinunterhalter mit regelmäßigen Auftritten in Lokalen und Diskotheken auf Mallorca. Seit 1999 ist er mit seinen Songs in den nationalen Charts vertreten ("Joana", "Scheissegal"). Für sein musikalisches Repertoire bedient er sich zum Teil bekannter Schlager deutscher Sprache und nimmt sie mit neuem Text auf.

So feierten die Bördeländer gemeinsam mit ihren Gäste aus nah und fern bis in die späte Nacht hinein. Warum also bis nach München fahren (bei möglichen Lokführerstreiks), wenn man das Oktoberfest direkt vor der Haustür hat? 2015 ist schon gebucht.

   

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