Die Kindertagesstätte Am Gänsewinkel in Schönebeck soll mit Mitteln aus der Europäischen Union von Grund auf erneuert werden. Das Rathaus hat dazu alle Anträge eingereicht. Das ist der zweite Versuch von Stadt und Träger, eine energetische Sanierung umzusetzen.

Schönebeck l In der Formel 1 würde man von einer Pole-Position sprechen: Die Kindertagesstätte Am Gänsewinkel in Schönebeck steht 2012 auf der Prioritätenliste des Rathauses für umfangreiche Sanierungsarbeiten und - nach einer Bewertung in der Verwaltung in Bernburg - sogar auch beim Salzlandkreis auf Platz eins. Städte und Gemeinden waren aufgefordert, öffentliche Einrichtungen für energetische Sanierungsmaßnahmen vorzuschlagen, dabei eigene Favoriten zu nennen. Die Arbeiten sollten mit viel Geld von der Europäischen Union über das sogenannte Stark-II-Programm gefördert werden. Pläne waren fertig, ein bauliches Konzept stand, Rückendeckung für die "Gänsewinkel"-Sanierung in allen politischen Bereichen. Doch das Land entschied damals anders. Kein Glanzstart aus der Pole-Position. Mehr noch, die Ampel wurde nicht einmal grün. Denn die Kita Gänsewinkel als Schönebecker Prestigeprojekt erhielt im September 2012 eine Absage. Die EU-Fördermittel gingen in andere Einrichtungen.

"Mit dieser Auswahl wird nicht vor Frühjahr 2015 gerechnet."

Auf Schönebecker Seite blieben Enttäuschung, Empörung über die öffentlich nicht erklärten Vorgänge, Unverständnis. Alles schien doch in Sack und Tüten.

Heute, zwei Jahre später, sind die Akteure im Schönebecker Rathaus, beim Träger der Kita, dem Verein Nestwärme, und bei der Kita-Leitung wieder ganz und gar euphorisch. Es gibt neue Pläne für die Sanierung. Der zweite Anlauf im wieder neu aufgelegten Stark-III-Programm soll unternommen werden. Die Stadt, verantwortlich für die Kinderbetreuung und für das Gebäude, hat die Vorarbeit dafür geleistet. Immer wieder hat sie mit der Zustimmung des Stadtrates Geld für Planungskosten in die laufenden Haushalte eingestellt. So landete das Kita-Projekt zwar eine Zeit lang in der Schublade, geriet aber niemals aus den Augen. Auch weil lokale Politakteure wie Stadtrat Werner Grundmann oder Bundestagsabgeordneter Burkhard Lischka (beide SPD) für Rückenwind sorgten.

Jetzt gibt es - zumindest für mögliche Förderungen - erste konkrete Aktionen. Bis zum 15. September hat die Stadt beim Landkreis die Bedarfsmeldung für die Sanierung gestellt. Das Projekt liegt jetzt bei der Landesinvestitionsbank, die die EU-Finanzspritze verteilt, zur Prüfung. "Das Land hat nun die Auswahl zu treffen, was überhaupt zu einer Förderung beantragt werden kann, also in diese Auswahl kommt. Mit dieser Auswahl wird nicht vor Frühjahr 2015 gerechnet", sagt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz.

Eine große Unbekannte bleibt bisher noch im Verfahren. Denn es gibt noch keine speziellen Förderkriterien für das neue Stark-III, Bedingungen also, die das Sanierungsprojekt erfüllen muss, um als förderwürdig angesehen zu werden. Die hat die EU noch nicht vorgelegt ,und bis Anfang 2015 wird damit auch nicht gerechnet, heißt es übereinstimmend von Stadt und Land.

Das bedeutet aber nicht, dass man ins Blaue hinein überlege. Es gebe Kriterien für Standards, die bei der energetischen Sanierung erfüllt werden müssten, Erfahrungswerte aus den ersten Stark-Runden.

"Wenn sich die Leistung bei der Antragstellung weiterträgt, bin ich guter Hoffnung."

Ein Neubau, so wie zwischendurch angedacht, wird nicht genehmigungsfähig sein. Das deutet auch "Nestwärme"-Geschäftsführer Remo Kannegießer an. Trotzdem: "Wir sind auf alle Varianten vorbereitet, auch darauf, im Bestand zu sanieren", sagt er im Volksstimme-Gespräch. Ausdrücklich lobt er, dass die Schönebecker Verwaltung nach der Absage 2012 nicht den Kopf in den Sand gesteckt hat. Er ist zuversichtlich, dass man auch in Magdeburg die Bedeutung einer Sanierung des "Gänsewinkels" erkennt, auch wenn es - wie vor zwei Jahren - keine Prioritätensetzung mehr durch die Kommunen gibt, einfach weil das Verfahren das nicht mehr vorsieht. "Wenn die Leistung, wie sie die Verwaltung in Schönebeck - namentlich Oberbürgermeister Bert Knoblauch, Finanzdezernentin Ursula Adler und Kita-Sachgebietsleiterin Erdmute Köppe - und die Verwaltung in Bernburg bei der Vorbereitung und Antragstellung so im Land aufgenommen wird, dann bin ich guter Hoffnung", sagt Remo Kannegießer. Denn das etwas gemacht werden muss, sei allen Besuchern des Hauses in Felgeleben klar. "Als besonderen Knackpunkt würde ich die sanitären Anlagen bezeichnen", nennt Remo Kannegießer ein Beispiel und würdigt gleichzeitig das Engagement von Eltern und Mitarbeitern, im vorgegebenen baulichen Rahmen eine so gute Kita-Arbeit für die Kleinsten anzubieten.

Wie man diese Kita-Arbeit gestalte, kommt es wirklich zum Umbau, darüber gibt es Pläne. Aber Remo Kannegießer will darüber ohne konkrete Mittelzusagen noch nicht spekulieren. "Das wird eine Herausforderung, aber keine, die nicht lösbar wäre."

Um noch einmal die Formel 1 zu bedienen: Also alles zurück auf Start und dann endlich mit Volldampf durchziehen.

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