Die Mitglieder des Handwerkermänner- und des Shanty-Chores trafen sich am Sonntag zum Abgrillen. Mit einem Wildschwein am Spieß verabschiedeten sich die Sänger aus dem Jahr 2014.

Grünewalde l Petrus muss ein Sänger sein. Als sich die meist älteren Sänger am Sonntag an der alten Försterei in Grünewalde trafen, strahlte die Sonne - Kaiserwetter für königliche Sänger. Auf dem Spieß drehte sich ein 46 Kilogramm schweres Wildschwein, auf den Tischen stand Sauerkraut und frisches Zwiebelbrot.

Dieses gemeinsame Beisammensein außerhalb der Sangesbühne genossen die Männer der beiden Chöre. Das Durchschnittsalter liegt jenseits des Renteneintrittsalters. Älteste Stimmröhre ist Rudi Banse, der im nächsten Jahr seinen 90. Geburtstag feiern wird. Damit wird deutlich, welches Problem auch der Handwerkermänner- und der Shanty-Chor haben: Sie suchen junge Mitstreiter. "Wir haben schon alles versucht. Es findet sich leider niemand", berichtet Chorleiter Dieter Oelkers.

Was das für die Zukunft bedeutet, können sich alle Sangesbrüder schmerzlich ausmalen. Sollten nicht junge Kehlen den alten Stamm verstärken, dann sind die Jahre der Chöre gezählt. Vor allem dem traditionsreichen Handwerkermännerchor würde das treffen. Dieser wurde im Jahr 1885 gegründet und feiert somit im nächsten Jahr sein 130-jähriges Bestehen. "Im Jahr 1933 wurde der Chor verboten und im Jahr 1953 als Handwerkermännerchor wiedergegründet", erzählt der Chorleiter.

Beide Chöre zählen derzeit 28 Mitglieder. Einige der Sangesbrüder singen bei beiden Chören mit. Am jüngsten Sonntag zum Abgrillen an der alten Försterei stand nicht nur das Beisammensein im Vordergrund. Selbstverständlich hatten die Herren ihre Noten und Texte dabei. Radtouristen, die in jenem Moment zufällig die Försterei passierten, werden den starken und wohlklingenden Gesang gehört haben.

Beide Chöre glänzen durch ein eigenes Programm. Während der etwas kleinere Shanty-Chor auf 25 bis 30 Auftritte im Jahr kommt, sind es beim Handwerkermännerchor rund 15. Höhepunkt in diesem Jahr war vor wenigen Wochen das Chorfest in Magdeburg, als die Sänger im Gellschaftshaus aufgetreten sind.

War es früher Voraussetzung, dass das Sangesmitglied auch Handwerker sein muss, ist diese Regel schon lange außer Kraft gesetzt. "Bei uns kann jeder Mitsingen - es muss kein Handwerker sein", sagt Dieter Oelkers.

Jeden Dienstag treffen sich die Chöre in der Kreisvolkshochschule zur Probe. Von 19 bis 21 Uhr können sich dort neue Sänger melden.

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