Barby l Ein einziger Bürger hat am Dienstag das Angebot einer Sprechstunde von Landrat Markus Bauer (SPD) im Barbyer Rathaus angenommen. Rainer Bittersmann wartete geduldig im Vorraum, bis er sein Anliegen vortragen konnte.

Für Bürgermeister Jens Strube und Amtsleiter Holger Goldschmidt ist der Barbyer längst kein Unbekannter. Auch das Thema, das er in der Runde zur Sprache brachte, reicht weit in die Vergangenheit zurück. Und genau dieser Umstand ärgert nicht nur Rainer Bittersmann gewaltig.

"Wir Schrebergartenfreunde am Pröbst leiden darunter, dass Kraftfahrer in Höhe unserer Anlagen manchmal mit mehr als 100 Stundenkilometer vorbeibrausen." Das schrecke vor allem junge Familien ab, die aus Angst um ihre Kinder dort keinen Garten nehmen wollen. Die Verkehrssituation werde sich mit dem Bau der Cargill-Alkoholfabrik verschärfen, schätzt Bittersmann. Er fordert daher weiter die Reaktivierung einer 70er-Zone sowie den Bau eines straßenbegleitenden Rad- und Fußwegs vom Durchlass an in Richtung Pömmelte.

Schon vor Jahren hätten der damalige Landesbauminister Karl-Heinz Daehre und weitere Politiker mit CDU-Parteibuch verkündet, dass der Radweg fester Bestandteil einer Prioritätenliste des Landes sei und über Jahre "vorsichtigen Optimismus" verbreitet. "Das liegt schon viele Jahre zurück. Passiert ist seitdem überhaupt nichts mehr", sagt Rainer Bittersmann enttäuscht.

Bauamtsleiter Holger Goldschmidt kann sich noch gut an ein Schreiben aus dem Ministerium mit besonders "närrischem Datum" erinnern: "Am 11.11. 2010 ließ Daehre kurz vor Ende seiner Amtszeit abschließend mitteilen, dass es entgegen erster Ankündigungen nun doch nichts mit dem Radweg werde."

Einem Verkünden hoffnungsvoller Meldungen ohne Basis schließe sich Landrat Bauer generell nicht an. Er verwies darauf, dass sich die L 51 in Baulast von Sachsen-Anhalt befinde. Er ließ sich ausführlich über die Thematik unterrichten und nahm es mit nach Bernburg. Bei 21 Kommunen im Salzlandkreis könne er nicht jedes Thema persönlich betreuen. Bei seinen Sprechstunden, die er künftig regelmäßig auch in weiteren Kommunen anbieten wird, gehe es darum, ungezwungen auf Probleme aufmerksam zu machen. Das ist Rainer Bittersmann - auch ohne vielversprechendes Ergebnis - zweifelsfrei gelungen.