Bad Salzelmen l Viel Trubel herrschte am gestrigen Mittwochmorgen im Dr.-Tolberg-Saal in Bad Salzelmen. Der Saal im Kurpark war erfüllt von Gelächter und Geschrei. Bis 10 Uhr. Dann wurde es schlagartig still, als Chefdirigent Gerard Oskamp mit seinem Orchester den Raum betrat. Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie lud Kindergärten und Grundschulen zu einem einzigartigen Konzert ein.

"Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgski. Dieses Stück der klassischen Musik hat wohl fast jeder einmal im Musikunterricht kennengelernt. Am Mittwoch hatten nun auch die Kleinen ihre erste Begegnung mit der Klassik und dem Orchester. "Es ist heute unsere Premiere", erklärte Dirigent Oskamp im Volksstimme-Gespräch.

Die Bilder werden anhand einer Geschichte greifbarer gemacht und nicht gezeigt, sondern zusätzlich noch in Musik gebettet. Die Geschichte handelt von einem kleinen Jungen namens Maarten, der abends in seinem Zimmer liegt, kurz vor dem Einschlafen noch einmal die Bilder in seinem Zimmer betrachtet und dann auf einmal in seinen Träumen die "Bilder einer Ausstellung" hautnah erlebt, die er am Tag noch starr in einem Museum betrachtet hatte.

Dort, in einem Museum, beginnt auch die Reise von Maarten. "Es ist ein wenig wie `Nachts im Museum`", sagt Oskamp schmunzelnd, die Komödie mit Ben Stiller erwähnend. Dort erwachen die Ausstellungsfiguren nachts und erleben allerlei Abenteuer.

Markt "voller Limonen" und mysteriöse Katakomben

Im Dr.-Tolberg-Saal war es dann alles eine Nummer kleiner. Die Figuren tanzten nicht wie im Kino, sondern "nur" in der Fantasie der Gäste, die durch An-drea Beckmanns Vorlesen einer Geschichte greifbarer wurden.

Die Kinder lauschten gespannt den Paukenschlägen und Violinen. Oskamp warnte bereits vor Beginn des Konzerts, dass es "sehr laut" werden könnte. Erst brüllten die Kinder euphorisch, dass sie es doch laut mögen würden, aber als die ersten Pauken und Trompeten an Lautstärke zunahmen, ertappte man doch die Kinder mit den Händen auf den Ohren.

Ganz anders machten es einige Jungs. Kräftig fuchtelten sie mit ihren Armen und ahmten den Paukisten gekonnt nach. Spaß hatten sie, man sah es in den glitzernden Augen. Als dann das "Ballett der unausgeschlüpften Küken" beschrieben wurde, erwachten auch die Mädchen im Publikum zu einem Konzertleben und begannen zu strahlen. Die schnellen, flitzenden Töne animierten sie zum Aufstehen und Tanzen.

Maarten findet schließlich den Weg aus dem Museum auf einen Markt "voller Limonen" und in mystische Katakomben. Mitten im besten Erzählfluss klingelte plötzlich der Wecker, und seine Mutter steht am Bett. Aufstehen, sagt sie in der Sprache der Instrumente. Die Nacht im Musem, der Traum war vorbei. Der tosende Applaus der Kinder hallte durch den Saal. Gerard Oskamp drehte sich zu seinem "sehr jungen" Publikum, wie er später erzählte, und ermunterte die kleinen Gäste, "Zugabe" zu rufen.

Viele kleine Dirigenten im Saal

Schnell trampelten sie auf dem Boden und riefen lautstark nach einem weiteren musikalischem Stück. Flott und temporeich kam es zu Tage. Die Kinder tanzten noch einmal wild, und ganz viele kleine Dirigenten fanden sich im Saal wieder und machten Oskamp Konkurrenz.

"Zufrieden" war der Dirigent nach absolvierter Arbeit: "Die Musik ist auch für die Jüngsten beeindruckend."

"Bilder einer Ausstellung" ist eines von zwei neuen Kinderprogrammen der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Ebenfalls neu ist "Wir bauen ein Orchester", das vor kurzer Zeit in Schönebeck Premiere feierte (wir berichteten).