Der Verein Industriemuseum Schönebeck - Erlebniswelt Technik und Innovation (Imuset) will seine Ausstellungsgebäude im ehemaligen Gas- und Elektrizitätswerk umfangreich sanieren. Die notwendigen Mittel sollen auch aus einem Förderprogramm kommen. Das Rathaus hilft mit Anträgen.

Schönebeck l Die Schönebecker Konkurrenten sind wahre Hochkaräter. Schlossberg Quedlinburg und Schloss Blankenburg heißen zwei der Mitaspiranten bei der Bewerbung um Fördermittel. Im Rahmen des Bundesprogramms "Nationale Projekte des Städtebaus" fließen rund 50 Millionen Euro nach Sachsen-Anhalt. Das Geld soll in "herausragende Projekte des Städtebaus" investiert werden, so die Förderauflagen.

"Museum ist eine gewinnbringende Sache"

Ralf Schneckenhaus

Ein Stück vom Kuchen möchte auch Schönebeck abhaben. Das denkmalgeschützte Ensemble des zukünftigen Industriemuseums mit Halle und Villa an der Karl-Marx-Straße ist dringend sanierungsbedürftig. Dieses ambitionierte Vorhaben umzusetzen, hat sich der Verein Imuset auf die Fahnen geschrieben.

Das Unterfangen ist alles andere als günstig. Zwei Millionen Euro Bedarf hat der Verein in einem eigenen Finanzierungsplan ausgemacht. Der Bärenanteil soll über den Förderantrag realisiert werden, die notwendigen 200 000 Euro will Imuset von 2015 bis 2018 über Spenden und Zuwendungen von Verbänden oder anderen Institutionen erbringen. Da nur eine Kommune derartige Anträge für Fördermittel stellen kann, kommt an dieser Stelle die Stadt Schönebeck ins Spiel. Finanziell kann das Rathaus aufgrund der leeren Haushaltskassen Imuset nicht unterstützen.

Tatsächlich ist das Industriemuseum ein ausgesprochenes Prestigeobjekt für Schönebeck, das sieht auch die Verwaltung so. Denn sowohl ein würdiger Rahmen für die Industriegeschichte als auch die Aufwertung des Altstadtbereichs werden betont. Die Verwaltung stellt deshalb den Fördermittelantrag für den Verein und trifft eine Vereinbarung mit den Ehrenamtlichen über Weitergabe der Mittel.

Das beschäftigt nun auch die Stadtpolitik, wie den Wirtschaftsausschuss am Montagabend. Mit einem Beschluss sollen die Stadträte der Aufgabenteilung zustimmen. Gleichzeitig wird mit dem Papier noch einmal klargestellt, dass auf die Stadt keine finanziellen Forderungen zukommen werden. Diese Tatsache treibt Frank Schiwek, den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, um. Er befürchtet, dass im Falle eines Falles wiederum aus dem ohnehin klammen Haushalt der Stadt geschöpft werden muss. Für Ausschussvorsitzenden Ralf Schneckenhaus (Fraktion Die Linke) steht dies dagegen nicht zur Debatte. Im Wirtschaftsausschuss hegt er keinerlei Zweifel daran, dass der Verein seinen Anteil erbringen und die Stadt in keinem Fall zur Kasse gebeten wird. "Das Risiko ist nicht da, und das Museum ist für Schönebeck eine gewinnbringende Sache."

"Chancen für Schönebeck bei 50:50"

Georg Plenikowski

Die Befürchtungen Frank Schiweks hat der Verein indes durchgespielt. Rainer Ulbrich, seines Zeichens Vizepräsident von Imuset, blickt optimistisch in die Zukunft. Er stellt klar, dass der Verein sich durchaus in der Lage sehe, die notwendigen Mittel, etwa durch Spendengelder, zu generieren. Sollte die Finanzierung platzen, werde, so Ulbrich, nicht etwa die Stadt einspringen, vielmehr würde die umfassende Sanierung dann einige Gebäudeteile aussparen.

Völlig offen bleibt zudem, ob von Seiten des Bundes dem Fördermittelantrag zugestimmt wird. Auch hier Zuversicht bei Imuset. Die notwendigen Bewerbungsunterlagen sind gut vorbereitet und frühzeitig eingereicht worden, so Georg Plenikowski. Der Präsident von Imuset sieht aufgrund vieler anderer potenziell förderungsbedürftiger Mitbewerber und der Ausrichtung der Bundesförderung auf grüne und Architekturprojekte die Chancen für Schönebeck bei "50:50".

Der Stadtrat berät das Thema abschließend bei seiner Sitzung am 20. November.

   

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