100 Tage ist heute Landrat Markus Bauer in seinem Amt. Volksstimme-Redakteurin Kathleen Radunsky nimmt das zum Anlass, um das Kreisoberhaupt zu bisher Erreichtem, den Plänen und Visionen zu befragen.

Volksstimme: 100 Tage im Amt. Haben Sie den Amtsantritt bereits bereut?

Markus Bauer: In keinster Weise. Und auch meine Frau nicht. Sie sagt nur: Es hat sich nichts geändert zur Zeit des Wahlkampfes. Damit spielt sie darauf an, dass ich in meiner neuen Funktion viel unterwegs bin und nicht nur abends, sondern auch an den Wochenenden viele Termine habe. Mir liegt es am Herzen, die Menschen und das, was sie leisten, zu unterstützen und deren Arbeit zu würdigen. Deshalb bin ich abends oft als Landrat unterwegs.

Sind Sie inzwischen in Ihrem neuen Büro heimisch geworden?

An sich ja. Jedoch habe ich es noch nicht geschafft, mein Büro mit persönlichen Dingen einzurichten. Da standen und stehen wichtigere Dinge im Vordergrund.

Kennen Sie jeden Verwaltungsmitarbeiter mit Vornamen?

Nein, soweit ist es tatsächlich nicht gekommen. Aber ich habe versucht, jeden Mitarbeiter zu besuchen. Das ist mir auch mehr oder weniger gelungen, wenn man von Urlaub und krankheitsbedingten Ausfällen absieht. Außerdem muss man bedenken, dass zur Kreisverwaltung - das Jobcenter inbegriffen - 1400 Mitarbeiter zählen.

Was haben Sie als Landrat bis dato für den Salzlandkreis erreichen können?

Von bisher Erreichtem möchte ich an dieser Stelle noch nicht sprechen. Das ist in 100 Tagen auch eher utopisch. Wir befinden uns auf einem guten Weg, aber konkrete Ergebnisse werden sich erst im kommenden Jahr niederschlagen. Ich habe mir an vielen Stellen einen Überblick verschafft. Jetzt geht es darum, die Gespräche auszuwerten und Lösungen zu entwickeln.

Zum Beispiel?

Der Ärger um die Öffnungszeiten des Bürgerbüros in Egeln ist hier ein passendes Beispiel. Nach Abwägung aller Möglichkeiten haben wir eine akzeptable Lösung gefunden. So werden an den Standorten Staßfurt und Egeln feste Öffnungszeiten an 3 beziehungsweise 2 Tagen in der Woche angeboten.

Ist das eine Lösung mit Zukunft?

Jein. Denn ich bin der Meinung, dass das Konzept des Bürgerbüros vom Kreis grundsätzlich überdacht werden muss. Doch der Dienstleistungscharakter muss künftig groß geschrieben werden.

Im Stich gelassen fühlen sich beispielsweise die Anwohner der Paulstraße in Schönebeck, die seit einem Jahr gesperrt ist. Eine Lösung ist nicht wirklich in Sicht.

Es ist klar, dass ich nicht jedes Problem sofort lösen kann. Ich war vor Ort und habe mir selbst ein Bild gemacht. Wir werden konzentriert an den Problemen arbeiten, doch wir kommen nicht immer zu dem Ergebnis, das sich andere wünschen. Gerade deshalb ist es mir aber wichtig, dass die Entscheidungen für alle Beteiligten nachvollziehbar sind. Transparenz ist nicht nur ein Zauberwort, sondern sollte in die Tat umgesetzt werden.

Dabei haben gerade Verwaltungen den Ruf weg, Entscheidungen ohne nachvollziehbare Erklärung zu treffen.

Von diesem Image möchte ich weg. Mir ist es wichtig, dass sich der Landkreis mit seinen Mitarbeitern als Dienstleister versteht. Der Landkreis soll seine Bürger unterstützen. Das bedingt sicher einen Perspektivwechsel der Mitarbeiter, doch der ist machbar. Gleichwohl sehe ich den Kreis in der Verantwortung, sich intensiv um seine Kommunen zu kümmern. Bestes Beispiel ist hierbei das Finanzproblem vieler Gemeinden. Das kann ich nicht hinnehmen, sondern trage es weiter auf Landesebene.

Jede Verantwortung können Sie aber nicht nach oben weiterdelegieren.

Natürlich nicht. Das will ich auch nicht. So sind wir beispielsweise selbst verantwortlich für unsere Wirtschaft. Dafür haben wir im Salzlandkreis die Wirtschaftsfördergesellschaft. Sie soll Ansprechpartner für Kommunen und Unternehmen sein. Das Leitbild dieser Gesellschaft wird zurzeit überarbeitet, Anfang 2015 soll es stehen. Ich stelle mir für die Zukunft zum Beispiel mehr Kooperationen mit der Hochschule vor. Schließlich wäre es doch gut, wenn wir unsere Studenten bei uns in der Region halten können. Das verjüngt die Bevölkerung und wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. Das ist aber nur eine Überlegung von vielen.

Sie sprechen junge Leute wie auch die Wirtschaft an. Für beide Bereiche ist das Internet wichtig. Doch gerade im ländlichen Raum kommt der Breitbandausbau nicht wirklich voran. Das stimmt. Das Thema ist im Salzlandkreis nicht abgeschlossen. Hierbei haben wir noch viel zu tun. Wie wir als Kreis die einzelnen Regionen unterstützen können, dazu laufen bereits Gespräche. Die Schwierigkeit liegt darin, dass der Breitbandausbau an sich eine freiwillige Aufgabe ist, also nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommune gehört.

Freiwillige Aufgaben sind meist die, die die Kommunen lebenswert machen. Wie wollen Sie diesen Bereich unterstützen?

Ich möchte nach vorn blicken und alle Bereiche mitnehmen, insbesondere das Ehrenamt. Diese freiwillige Arbeit möchte ich unterstützen und würdigen. An der Stelle kommen auch wieder die Erwartungen der Bürger ins Spiel. Was wollen die Leute? Deshalb versuche ich, so viele Bereiche wie möglich an einen Tisch zu holen. Demnächst zum Beispiel die Vertreter der Stadtseniorenräte, genauso Vertreter der Wohnungswirtschaft, Landwirte oder Leute aus dem Bereich des Gesundheitswesens. Ich möchte einerseits ihre Probleme kennen und andererseits die einzelnen Mitstreiter vernetzen.

Also wächst der Salzlandkreis doch noch zusammen?

Ich möchte nicht den Salzländer als solches erschaffen. Das wäre nur ein künstlicher Begriff. Jedoch hat unsere Region einiges zu bieten, um das alles kennenzulernen, muss man aber über den eigenen Tellerrand schauen. Und dann können sich die einzelnen Bereiche und Regionen, die Vereine gegenseitig unterstützen und ergänzen. Dadurch ergeben sich oft neue Möglichkeiten. Denn der Salzlandkreis sollte nicht nur anhand von Zahlen festgemacht werden. Und wir sind auch mehr als nur die Region zwischen Halle und Magdeburg. Ich möchte unsere Region voranbringen. Wir haben viel zu bieten und zahlreiche Schmuckstücke im ländlichen Raum.