Am morgigen Sonntag ist "Tag des Einbruchschutzes". Auch in Schönebeck muss man sich vor den Gefahren von außen schützen, sagt die Polizei.

Schönebeck l Im "Tatort" ist es oft beschrieben, manche Menschen mussten es auch selbst erfahren: Einbruch in die eigenen vier Wände. Wenn man nach Hause kommt und feststellt, dass die Tür aufgehebelt oder das Fensterglas zerbrochen ist, dann bleibt nur der Weg zur Polizei. Auch wenn die Täter gefasst werden können, bleibt die Angst.

Ist man erst einmal an diesem Punkt angelangt, hilft auch die beste Prävention nur noch schwerlich. Anders, wenn man bereits frühzeitig an den richtigen Einbruchschutz denkt. "Die Präventionsarbeit macht sehr viel aus", erklärt Joachim Beckert, Polizeihauptmeister und Sicherheitsberater im Polizeirevier Bernburg.

In den zurückliegenden Jahren gab es einen leichten Anstieg an Einbruchdelikten zu verzeichnen. Im Jahr 2013 zählte die Polizei 245 Fälle. Das sind 26 mehr als noch im Jahr 2008. "Wir hatten zwischenzeitlich auch schon 272 Fälle", sagt Beckert. Die Zunahme sei daher für die Region auch nicht so signifikant. Im gesamten Salzlandkreis stiegen die Vorfälle auch nur leicht von 620 im Jahr 2008 auf 632 im zurückliegenden an. Hier wiederum sei bemerkt, fügt der Beamte hinzu, "dass wir auch Jahre hatten, wo es nur 540 oder 550 Einbruchsdelikte gab."

Vorrüsten besser als nachrüsten

Nichtsdestotrotz ist die Prävention das entscheidende Stichwort. "Wenn die Leute zu mir kommen, wenn die Fenster eingebaut sind oder das Haus schon steht, ist es zu spät", mahnt Beckert. Dann könne man nur nachrüsten, was jedoch oftmals den Geldbeutel mehr belaste und auch nicht so sicher ist, wie der von vornherein eingebaute Schutz. Daher will er darauf aufmerksam machen, dass man nicht erst nach einem Einbruch oder den abgeschlossen Umbauten zur Polizei geht, sondern schon frühzeitig.

"Wir gehen auch direkt zu den Leuten nach Hause und weisen sie auf Maßnahmen oder Mängel hin", sagt der erfahrene Polizist, der beinahe täglich zu den Leuten nach Hause fährt. Maßnahmen gebe es zahlreiche. Da die meisten Einbrüche durch das Aufhebeln oder Aufbohren von Fenstern oder Türen geschehen, gibt es europaweit einen Sicherheitsstandard. Die Europäische Norm (EN) 1627 ist beispielsweise eine einheitliche Norm, wonach Fenster einen bestimmten Sicherheitsstandard erfüllen müssen. Damit ausgestattete Fenster seien nur unwesentlich teurer, erklärt Polizeihauptmeister Joachim Beckert: "Ein sozusagen `gut ausgebildeter` Einbrecher kriegt ein handelsübliches Fenster sonst in knapp 15 Sekunden auf."

Dabei hilft man dem Einbrecher auch, wenn nachts das Fenster auf Kippe steht, es also nicht komplett verschlossen ist. "Fenster immer richtig verschließen", rät daher Beckert eindringlich. Aber auch die Haustür kann mit wenigen "Handgriffen" sicherer gemacht werden. Egal, wie dick und mächtig sie ist, steckt der Schlüssel von innen im mechanischen Schloss, hält auch die dickste und mächtigste Tür die Einbrecher nicht auf.

"Erst wenn man den Schlüssel zweimal gedreht und abgezogen hat", erklärt der Sicherheitsberater, "ist der Mechanismus auch wirklich aktiv." Andernfalls ist das Aufbohren eine Leichtigkeit, da der Mechanismus nicht eingerastet ist und sich der Schlüssel einfach mit dreht, wenn man von außen zu Gange ist.

Das ist ein einfacher Schritt gewesen. Aber auch das tägliche Ausleeren des Briefkastens hilft. Dann wird nicht der Eindruck geweckt, man sei eine Zeit lang verreist. "Es sollte wirklich täglich erfolgen", ergänzt Beckert: "Bereits ein voller Briefkasten nach einem Wochenende, das man nicht zu Hause war, kann den Tätern als Zeichen zum Einbrechen ausreichen."

Auch sollte man die Rollläden niemals komplett unten lassen, wenn man verreist, sondern immer einen Nachbarn oder Freund beauftragen, hin und wieder das Licht zu betätigen und die Rollläden zu öffnen und zu schließen. "Auch eine Zeitschaltuhr kann in der Wohnung Abhilfe verschaffen", fügt Beckert hinzu. Mit elektrisch geschaltetem Licht oder Rollläden könne suggeriert werden, man sei zu Hause.

Mechanischer Schutz wichtig

"Der mechanische Schutz ist schlichtweg das A und O", sagt Beckert eindringlich, "Alarmanlagen sind nur der zweite Schritt."

Für Alarmanlagen ist Thilo Fritsche der Fachmann. Der Sicherheitsexperte hat ein Geschäft in Elbenau und berät täglich Kunden in Fragen rund um die Sicherheit in den eigenen vier Wänden. Auch er betont, dass der mechanische Schutz "sehr sinnvoll" sei, weil er den Einbruch an sich zeitlich verzögere. "Der große Nachteil ist", ergänzt Fritsche, "er meldet den Einbruchsversuch nicht." Das wiederum würden nur elektronische Anlagen gewährleisten.

Will man sich eine solche Anlage für die eigene Wohnung zulegen, dann gibt es zwei Unterschiede zu beachten, sagt Fritsche. So gebe es einmal die "Absicherung bei Abwesenheit" und einmal die "Absicherung bei An- und Abwesenheit". Erstgenannte sei vor allem bei gewerblichen Gebäuden häufig in Nutzung. "Ganz simpel erklärt bedeutet das, der Erste morgens entschärft die Sicherung, der Letzte schaltet sie wieder ein."

Wolle man dagegen die ganze Zeit sicher in den eigenen vier Wänden sein, lohne sich eine Alarmanlage, die auch angeschaltet ist, wenn man zu Hause ist. "Vor allem Privathaushalte machen davon Gebrauch", berichtet der vom "Verband der Sachversicherer" (VdS) anerkannte Experte.

Bei allem Sicherheitswillen gebe es "prinzipiell keine hundertprozentige Sicherheit", sind sich beide Experten einig. Man könne nur so viel tun, wie möglich.