Schönebecker machen Schönebeck schön. Eine Gruppe, die einem spontanen Aufruf von Antje Knopf gefolgt ist, hat am Sonntag Krokusse gesetzt. Im Frühjahr soll alles wunderbar bunt blühen.

Felgeleben l Zum dunklen Herbstanfang eine Herausforderung, sich den Frühling vorzustellen. Die Sonne dringt mit ersten warmen Strahlen durch, die Luft ist noch frisch, aber schmeckt leicht süß, das Grün bricht sich Bahn, Farben erobern das Grau. Ein Bild, das einige Schönebecker, Felgeleber bereits ganz deutlich vor dem inneren Auge haben. Ein Bild, zu dem sie beitragen wollen. In dicken Pullovern und Hosen, die viel mehr auf den Winter als auf den Lenz deuten, stecken sie Krokuszwiebeln. Alle sind einem Aufruf der ehrenamtlichen Naturschutzhelferin Antje Knopf gefolgt. Auf Knien, mit Pflanzenstechern in der Hand setzen sie eine Knolle nach der anderen.

"Wie schön wird das, wenn man hier lang spaziert."

"Das sieht doch alles wunderbar im Frühjahr aus", sagt Inge Grundmann, kurz vom Pflanzen aufgerichtet, und zählt Straßenzüge und Privathäuser im Stadtteil auf, an denen es ab März herrlich sprießt. Das soll auch dem Felgeleber Karl-Jänecke-Platz blühen. Dafür hat sich die Gruppe am Sonntagmorgen die eine Stunde Gartenarbeit selbst verschrieben.

Antje Knopf hat 2013 bereits Krokusse gesetzt. Seit mehreren Jahren ist sie im Herbst unterwegs, um pflanzend den Startschuss dafür zu geben, dass es im Frühling hier und da blüht. Das Grünflächenamt der Stadtverwaltung begleitet die Aktion bereits zum zweiten Mal, der Städtische Bauhof auch, hat die Fläche gemäht und entlaubt, sogar extra den Tourenplan, auf dem der Jänecke-Platz viel später dran gewesen wäre, umgestellt. Für Antje Knopf ist die Aktion zuerst Imagebildung für Schönebeck. Ihre Helfer sind davon überzeugt. "Wie schön wird das, wenn man hier lang spaziert oder mit dem Auto vorbeifährt", sagt Silvana Schützmannsky. Ein Fleckchen heile Welt für Felgeleben, dass sich manchmal ein bisschen stark am Rand von Schönebeck fühlt. Ein Alleinstellungsmerkmal.

9000 Zwiebeln hat Antje Knopf mithilfe von Sponsoren in Körben dabei. "800 kann einer allein in der Stunde pflanzen." Die Neuner-Gruppe am Sonntagmorgen bringt also genügend Arbeitskraft mit, um der Aktion Erfolg zu verleihen. Die Organisatorin freut sich über den großen Zuspruch. Die Pflanzbedingungen sind ideal. "Der Boden ist feucht, die Fläche vorbereitet." Am Jänecke-Platz sind die Blätter bald von den Bäumen runter, dann ist im Frühjahr genug Licht da, damit die Krokusse gedeihen. Im Sommer wirkt das Blattwerk dann wieder schützend.

"Erste Nektarquelle für Wildbienen und Hummeln."

Soweit muss man schon denken. Denn nachhaltig soll die Aktion sein. Zusammen mit den Krokussen aus der letztjährigen Pflanzung ergibt sich ein rund 200 Quadratmeter großer Blütenteppich, der sich - richtige Pflege des Areals vorausgesetzt - jedes Jahr verdichtet. "Die Krokusse, Crocus tommasinianus, sind sehr vermehrungsfreudig."

Nachdem sie geblüht haben, brauche die Pflanze genügend Zeit, damit sich das Blattwerk zurückziehen kann. "Dann bekommt die Knolle genug Energie, um über den Sommer und Winter zu kommen, um im darauffolgenden Jahr umso prächtiger zu blühen." Mit dem Bauhof seien deshalb Mähzeiten abgestimmt.

Antje Knopf weist darauf hin, dass nicht nur Schönheitsgedanke in der Aktion zähle, sondern auch ein Naturschutzgedanke hinter allem steckt. "Die frühen Krokusse wie viele Frühblüher sind die ersten Nektarquellen für Wildbienen und Hummeln."

Ein bunt-blühender Nahrungsplatz für die kleinen Insekten, der auch die Menschen drumherum erfreut. Bei der Pflanzgruppe vom Sonntag kam bereits die Idee, die Steckaktion mit einem kleinen "Krokusfest" zu umrahmen. Vielleicht gar kein so schlechter Gedanke, und durchaus denkbar mit dem frischen Wind einer lauen Frühlingsbrise, die doch alle schon irgendwie im Kopf haben.

   

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