Die aus dem Jahre 1591 stammende Außenkanzel auf dem Barbyer Friedhof ist deutschlandweit selten. Sie wurde als Grabmal für Werner Steinhausen (1504 bis 1588) gesetzt, der als erster evangelischer Geistlicher und Hofprediger in Barby die Reformation einführen half.

Barby l Aufwändig war die Übersetzung des lateinischen Textes, der an verschiedenen Stellen der Kanzel zu lesen ist. Die Stadt ließ sie bei der Kapellensanierung 2001 anbringen. Weil in der Barbyer Chronik einige Textstellen nicht ganz exakt wiedergegeben wurden, wurde damals ein Lateinlehrer zu Rate gezogen.

Seitdem ist neben den Info-Tafeln, die über die Geschichte des Gebäudes berichten, zum erste Mal vor Ort auch der lateinische Text in übersetzter Form lesbar.

Dass die Kanzel wirklich benutzt wurde und nicht nur ein symbolisches Denkmal für den ersten evangelischen Pfarrer Werner Steinhausen war, beweist die Tatsache, dass hinter der Zugangstür sogenannte Hespen zum Einsetzen einer Treppe oder Leiter vorhanden waren. Die Zugangstür wurde Mitte der 1930er Jahre zugemauert und konnte aus bautechnischen Gründen bei der Sanierung 2001 nicht wieder geöffnet werden. Nach der Überlieferung durfte nur ein Mitglied der Familie Steinhausen von der Kanzel predigen. Das geschah am 19. Juni 1927 zum letzten Mal durch Pfarrer Eberhard Steinhausen anlässlich eines Familientages.

Die Kanzel besitzt eine Doppelfunktion. Nicht nur die Geistlichen predigten von ihr, sie ist gleichsam Grabmal für Werner Steinhausen. Der starb am 17. Dezember 1588 im seligen Alter von 84 Jahren. Bis zu seinem Tod wirkte er in seinem Amt! Diese Geschichtsdaten klären die schöne, aber erfundene Geschichte auf, dass der Superintendent von dieser Kanzel herab gepredigt haben soll.

Luthers Reformation

Werner Steinhausen wurde im Sommer 1545 als Hofprediger nach Barby berufen. Er genießt den Ruf, Luthers Reformation in der Grafenstadt eingeführt und gefestigt zu haben. Der Rheinländer wirkte unter Graf Wolffgang I. als Hofprediger und Superintendent. Der Graf und dessen Gemahlin waren mit Martin Luther befreundet.

So lässt sich erklären, dass nicht irgendwer in das Residenzstädtchen geschickt wurde. Der Graf wird gesagt haben: "Martin, schick er mir einen, der meinen Untertanen den rechten Glauben bei bringt. Sie können es gebrauchen!" (Bitte jetzt keine Protestbriefe von Historikern. Diese Aussage ist rein spekulativ und nicht dokumentiert.)

Werner Steinhausens Lebensweg verlief nicht immer "butterweich". Geboren 1504 in Schlebusch bei Köln, Jugendjahre im Kloster St. Panthaleon Köln, von wo er 1526 floh, weil er ketzerische Schriften verfasst haben soll. Dann Studium in Wittenberg, Lehrer an einer Magdeburger Lateinschule, Rektor in Quedlinburg. Von dort aus Hofprediger in Barby ...

In Quedlinburg heiratete Steinhausen Agnes Otto, mit der er sechs Kinder hatte. Als sie starb, ehelichte er die Barbyerin Magdalena Arndt. Aus dieser Gemeinschaft gingen acht Kinder hervor. Noch heute sprechen die zahlreichen Nachkommen von einer Barbyer und Quedlinburger Linie.

Die Geistlichen erhielten damals selten Gehalt. Ihnen wurde stattdessen Ackerland, das der Kirche gehörte, zur Verfügung gestellt. Werner Steinhausen bestellte das Land selber und kaufte hinzu. Er muss ein guter Landwirt gewesen sein.

1578 konnte er sich ein stattliches Haus in der Magdeburger Straße kaufen. Der Graf machte das Grundstück wegen der großen Verdienste seines Predigers zum Freisassenhof. Das bedeutete für Besitzer und Nachkommen Steuer- und Abgabenfreiheit.

Heute gibt es in Barby Niemanden mehr dieses Namens. Ältere Leute werden sich noch an den Kolonialwarenladen auf dem Markt erinnern. Werners Nachkomme Friedrich Steinhausen betrieb außer diesem Geschäft auch die Ziegelei Zackmünde. Als er 1925 starb, verkaufte seine Witwe sieben Jahre später an Volkhammer. Heute gehört das Haus mit seiner schönen Fassade der Familie Rößner.

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