Schönebeck l Ein Aufschrei der Empörung ging im Spätsommer 2012 durch Schönebeck. Der Apothekergarten in der Heinrich-Heine-Straße stand vor dem Aus und sollte schließen. Das deutschlandweit einmalige, knapp 800 Quadratmeter große Gelände hatte die Apothekerin Ruth Nesseler auf einem Privatgrundstück anlegen lassen. Nach ihrem Tod übernahm der Solepark die Pflege, unterstützt vom Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) in Schönebeck. Der hiesige Apotheker Carsten Müller und weitere Experten boten Führungen an. Doch das Grundstück wurde verkauft an neue private Eigentümer. Die hatten auf dem Gelände anderes vor, als Heilkräuter zu züchten. Bislang ist das Gelände allerdings nicht bebaut worden.

Solepark-Chefin Sibylle Schulz suchte gemeinsam mit ihrem Team und Carsten Müller nach einer Lösung, um das über viele Jahre von der Öffentlichkeit gern angenommene Angebot von Rundgängen und locker-blumigen Unterweisungen in punkto Kräuterkunde weiter offerieren zu können. Diese Lösung ist in der Tat gefunden worden. Auf dem Gelände des Kunsthofes im Kurpark entstand - vor allem im Laufe dieses Jahres - ein Nachfolgeprojekt. Allerdings ist es noch immer im Werden und Gedeihen begriffen. "Zwei Beete sind fertig, eins steht noch aus", erläutert Andrea Silber vom Solepark gegenüber der Volksstimme. Ein Teil der bereits gesetzten Pflanzen konnte aus dem alten Apothekergarten gerettet werden, ein anderer Teil ist von den CJD-Leuten neu gezüchtet worden. Es gab auch die ein oder andere Pflanzenspende. "Was wir jetzt brauchen, ist Manpower", hebt Andrea Silber hervor. Auf Nachfrage führt sie weiter aus: "Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein rüstiger Rentner oder eine Rentnerin mit einem grünen Daumen den Hut aufsetzt. Das wäre ideal. Denn der Kurpark ist groß", macht sie auf die vielen anderen Aufgabenfelder in Schönebecks grüner Lunge aufmerksam. Über eine "kleine Aufwandsentschädigung" könne geredet werden. Der Solepark sowie der CJD, der Naturschutzbund (Nabu) und Apotheker Carsten Müller würden auf jeden Fall helfend zur Seite stehen.

Jedoch wird sich die neue Variante nicht mehr Apothekergarten nennen. "Diesem Wort und diesem Anspruch würden wir nicht gerecht werden können", begründet Anrea Silber und spricht von einem Kräuter- und Erholungsgarten. Sie sagt: "Es soll ein spannender Garten werden, in dem wir Pflanzen für Heilzwecke ebenso zeigen wie Würzpflanzen für die Küche. Eine bunte Mischung eben." Auf jeden Fall soll es im nächsten Jahr wieder Veranstaltungen geben. "Vielleicht an den Montag- oder den Mittwochabenden, regelmäßig einmal im Monat", so die Solepark-Mitarbeiterin.

Der Platz am Kunsthof ist freilich begrenzt. Da das Gelände zum Beispiel für Feiern genutzt und auch vermietet wird, kann nicht der letzte Fipsel mit Kräutern bepflanzt werden. "Die Rasenflächen müssen bleiben", so Andrea Silber.