Die Stadtverwaltung hat die geplante Sanierung des Industriemuseums als Vorschlag zur Förderung beim Bund eingereicht (Volksstimme berichtete). Es geht um ein Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro. Der Bauausschuss diskutierte darüber am Montag.

Schönebeck l Als sich vor einigen Jahren eine Handvoll Idealisten daran machten, einen alten Gebäudekomplex in der Karl-Marx-Straße in ein Industriemuseum umzuwandeln, hielten sich Respekt und Skepsis in der Öffentlichkeit die Waage. Eine super Idee für die über viele Jahrzehnte von Industrie geprägte Stadt Schönebeck, doch woher das nötige Geld nehmen? Es war klar, dass mehrere hunderttausend Euro nötig sein würden, um eine alte Werkzeughalle und eine Fabrikantenvilla erstens auf Vordermann zu bringen und zweitens attraktive Exponate als Ausstellungsstücke zusammen zu bekommen. Dass die finanziell klamme Stadt nicht ins Boot zu holen ist, war den Museumsleuten um Georg Plenikowski bewusst. Sie setzten von Anfang an auf privates Engagement und das Wohlwollen hiesiger Firmen als Sponsoren. Wie die Volksstimme bereits am 23. Oktober berichtete, könnte dem Industriemuseum "Imuset" jetzt ein Geldsegen von knapp zwei Millionen Euro, verteilt auf die nächsten vier Jahre, zuteil werden, wenn das ehrgeizige Projekt den Segen des Bundes findet. Das Bundesbauministerium nämlich hat ein neues Förderprogramm aufgelegt, unter die Überschrift "Nationale Projekte des Städtebaus" gestellt und mit insgesamt 50 Millionen Euro ausgestattet. Gefördert werden können "Projekte von besonderer nationaler Bedeutung und Qualität", wie es in einem Schreiben des Bundesbauministeriums heißt. Dabei gehe es um "große, baulich anspruchsvolle und auch experimentelle Vorhaben". Das Programm ergänze die Städtebauförderung des Bundes, die in diesem Jahr von 455 auf 650 Millionen Euro angehoben worden ist. Somit würden insgesamt 700 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Die Stadt hat das Projekt Industriemuseum in Abstimmung mit dem Verein "Imuset" beim Bund als Vorschlag eingereicht. Interessierte Städte und Gemeinden waren aufgerufen, bis 22. September Projekte beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) einzureichen.

Darüber hat in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt die Stadträte informiert. Schmidt nahm das Wort "Prestigeobjekte" in den Mund, die bundesweit in den Genuss einer Förderung kommen können. Die Förderhöhe könne bis zu 90 Prozent betragen. "Ob wir ausgewählt werden, ist offen. Wir stehen da in einem harten Wettbewerb mit anderen Städten und deren Prestigeobjekten", gab Schmidt zu bedenken.

Von Stadtrat Udo Simon (Fraktion Die Linke) musste er sich die Kritik gefallen lassen, dass die Stadträte gerne im Vorfeld über die Angelegenheit informiert worden wären. "Es gibt sicherlich eine Reihe anderer Projekte, die ebenfalls in Frage kommen", meinte Simon. Es müsse Prinzip werden, dass der Stadrat in punkto städtebaulicher Förderprojekte stets im Vorfeld unterrichtet wird, betonte er. Guido Schmidt verwies auf die enge Zeitschiene: "Wir mussten kurzfristig einen Vorschlag einreichen."

Ob Imuset zu den geförderten Projekten gehört, will das BBSR noch in diesem Jahr entscheiden.