Sechs Wochen mussten die Kunden auf Partnerbanken oder nach Magdeburg ausweichen. Heute eröffnet in Schönebeck eine der modernsten Bankfilialen Deutschlands ihre Türen. Die Umstrukturierung kostet aber auch Arbeitsplätze.

Schönebeck l Vor 2000 Jahren wurden die Bankgeschäfte noch in Tempeln oder Hallen erledigt. Man ging hin, es staubte und einen Kaffee oder Kaltgetränk gab es noch nicht. Heute ist es natürlich nicht mehr so. Dazu trägt auch die Hypovereinsbank (HVB) mit ihrem Umbau der Schönebecker Filiale im Breiteweg bei.

"Wir sind besonders stolz, dass Schönebeck einer der Vorzeigestandorte für modernste persönliche Bankberatung in Deutschland ist", erklärt Christina Herbst von der Hypovereinsbank.

Da die Beratung nicht erst im Büro, sondern schon im Wartebereich beginnt, wurde auch dieser in Schönebeck komplett umgestaltet und mit Kaffeeautomaten und anderen Dingen ausgestattet, damit die Kunden das Warten auf ihren Termin möglichst angenehm verbringen können. "Das ermöglicht den Kunden ein wesentlich angenehmeres und komfortableres Warten auf den Beratungstermin", erläutert Herbst.

Moderne Technik ist der Trumpf

Die moderne Bankberatung bei dem Münchner Geldhaus gründet sich aber nicht nur auf Kaffeeautomaten, sondern vor allem auf Kommunikation über moderne Technik und die Suche nach alternativen Beratungs- und Servicewegen. So können Kunden über die "HVB Online Filiale" "zu deutlich längeren Erreichbarkeitszeiten" mit ihren Beratern sprechen.

Zudem können die Kunden "ebenfalls die Betreuung mit einem festen, persönlichen Ansprechpartner über das Internet, per Telefon, E-Mail oder Videoberatung" in Anspruch nehmen, erklärt Pressesprecher Markus Block.

Auch bei Gesprächen vor Ort in der Filiale kann man nun jederzeit via Video Experten zu einem bestimmten Thema zuschalten lassen.

Auch die Selbstbedienungszone war sechs Wochen lang geschlossen und wurde komplett renoviert, und die Begrenzung zum eigentlichen Filialraum wurde "weitestgehend aufgehoben", erklärt Christina Herbst: "Wir bieten hier auch weiterhin einen Geldautomaten mit Einzahlfunktion an, so dass die Kunden nicht an die Kassenzeiten bei Einzahlungen gebunden sind."

Mit diesem Projekt hat die HVB das Ziel, bis Ende 2015 ins moderne Bank-Zeitalter durchzustarten. Die Niederlassung in Schönebeck ist dabei nur der Anfang einer großangelegten Umbauwelle. Neben dem Standort Schönebeck werden in diesem Jahr noch knapp 80 weitere modernisiert.

Im kommenden Jahr sollen rund 260 folgen. Insgesamt will die, gemessen an der Bilanzsumme, sechstgrößte Bank Deutschlands so nach eigener Aussage bis Ende des kommenden Jahres "283 umgebaute, hochmoderne Filialen und 54 Beratungscenter" installiert haben.

Bis dahin soll es dann einen "Mix" aus klassischen Filialen und den alternativen Beratungs- und Servicewegen geben. Diese wiederum orientiere sich laut Bank "am Kundenverhalten und der Nachfrage".

Mit diesem Vorhaben bezeichnet sich das Kredithaus selbst als "erste Multikanalbank Deutschlands".

"Wir schaffen damit beste Voraussetzungen, um in diesem Kerngeschäftsfeld bundesweit zu wachsen und gleichzeitig die Profitabilität deutlich zu steigern", erklärt Peter Buschbeck, Privatkundenvorstand der Hypovereinsbank und ergänzt: "Unsere Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum Privatkundengeschäft und Filialen als wichtigem Bestandteil der Multikanalstrategie."

Jedoch werden im Zuge der Umstrukturierungsmaßnahmen Filialen auch geschlossen beziehungsweise zusammengelegt, hieß es bereits in einer Mitteilung aus dem August dieses Jahres. "Insgesamt wird es nach den zahlreichen Umbaumaßnahmen knapp 340 Niederlassungen geben", erklärt Sprecher Markus Block. Aktuell seien es noch rund 580.

Auch 1500 Arbeitsplätze werden gestrichen

Die Folgen spüren auch die Mitarbeiter. 1500 Arbeitsstellen sollen im Zuge der Maßnahmen gestrichen werden, ein Großteil (knapp 1300) davon im Privatkundengeschäft, die übrigen in der Zentrale in München. Betriebsbedingte Kündigungen solle es demnach aber nicht geben.

Aufatmen können die Mitarbeiter in Schönebeck. Hier gab es auch nach dem Umbau keine Streichungen von Arbeitsplätzen. "Es sind unverändert drei Kollegen in der Niederlassung beschäftigt", erklärt Block auf Anfrage.

In Zukunft sollen sogar noch mehrere tausend neue Jobs durch die Umstrukturierungen geschaffen werden. Bis Ende 2018 garantiere die Bank 3000 neue Vollzeitstellen in der Privatkundenbank, versichert Block.