Stolz sah die große Trauerweide in der Worth in Welsleben noch am Mittwochmorgen aus. Nach einem Radikalbeschnitt hat sich das jetzt geändert. Der sei nötig gewesen, argumentiert die Verwaltung.

Welsleben l Unmut, ja sogar Tränen hat es am Mittwoch in Welsleben gegeben. In der Worth rückten der Gemeindearbeiter sowie Mitarbeiter einer Firma einem Weidenbaum zu Leibe. Die gesamte Krone des wuchtigen Schattenspenders fiel der Kreissäge zum Opfer. Einer der Anwohner, Matthias Schmidt, rief die Volksstimme an. "Da blutet mir das Herz, wenn ich diesen Kahlschlag sehe. Man muss ja befürchten, dass der Baum nie wieder ausschlägt", sagte er und fügte hinzu: "Ich sehe in so einem Baum mehr als nur Holz."

Als die Volksstimme vor Ort eintrifft, wird der Redakteur mit den Worten "grüner Pressemensch" begrüßt. Ein anderer Mitarbeiter der beauftragten Firma sagt: "Ich gebe keine Auskunft. Es sei denn, ich kriege Geld. Aber schreiben Sie: Der Baum ist innen ausgetrocknet. Verkehrssicherungspflicht."

Zu den Zaungästen der Baumstutzung gehört Georg Strauch. Der ehemalige Tischler kann sich noch erinnern, wer den Baum gepflanzt hat. "Das war Herr Mehrschütz, das muss 1959 gewesen sein, meine Tochter war noch klein." Die Bedenken von Matthias Schmidt kann Georg Strauch aber nehmen. "In zwei, drei Jahren ist die Krone nachgewachsen. Das sieht man auch andernorts." Auch Georg Strauch hat in der Worth vor Jahren Bäume gepflanzt, Essigbäume. "Deren rotes Laub leuchtet im Herbst wunderbar in der Sonne", schwärmt der Welsleber. Den Eindruck des Volksstimme-Mannes, dass die absolut gesund aussehenden Äste der gestutzten Trauerweide keineswegs den Eindruck machen, der Baum sei innen trocken und ausgehöhlt, kann Georg Strauch nur bestätigen. "Der Grund der Aktion ist eine Spaltung des Baumes, er ist in der Gabelung geplatzt und da hinein ist Wasser gelaufen. Da hatte man wohl Angst, dass der Baum auseinanderbricht." Eine Anwohnerin, erzählt Georg Strauch weiter, habe beim Anblick der gestutzten Weide Tränen in den Augen gehabt. "Heute ist das kein schöner Anblick. In drei Jahren sieht es wieder anders aus", möchte Georg Strauch alle Menschen beruhigen, die in einem Baum nicht nur Holz sehen.

Bördelands Bauamtssleiter Georg Skorsetz erklärt auf Nachfrage, dass vom Baum in der Worth die Gefahr ausging, dass große und schwere Äste etwa bei Sturm herunter stürzen. "In der Krone gab es jede Menge Totholz. Hier war Handlungsbedarf geboten, auch im Zug der Baumpflege." Auch er spricht von Rissen im Stammbereich. Skorsetz fügt hinzu: "Zehn Leute haben gesagt `Gott sei Dank`, zwei haben gesagt `um Gotteswillen`."

In den nächsten Jahren würde der Baum aber wieder in voller Schönheit erstrahlen. "Schöner als vorher." Auch in der Welsleber Lindenstraße musste kürzlich eine Linde gestutzt werden. "In Kleinmühlingen stehen an der Hauptstraße drei Birken, die von uns noch beschnitten werden müssen", sagt Skorsetz.