Die "Akademie Lothar Kannenberg" hat in Sachen Übernahme des Freizeitparkes Glinde zumindest einen Fuß in der Tür. Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, einen Pachtvertrag zu erarbeiten.

Barby/Glinde l Die Stadt Barby wird einen langfristigen Pachtvertrag mit der "Akademie Lothar Kannenberg" erarbeiten, über den voraussichtlich in der kommenden Stadtratssitzung abgestimmt werden soll.

Das ist die Quintessenz eines Stadtratsbeschlusses vom Donnerstagabend, der im nicht öffentlichen Teil der Sitzung stattfand. Damit ist die Verpachtung des Glinder Sportparks an Kannenberg auf den Weg gebracht worden.

Unterschriftsreif ist sie aber erst dann, wenn die Ratsmitglieder dem Vertrag zustimmen. Davor muss der Ortschaftsrat Glinde angehört werden. Wie auch vor einem halben Jahr, als er nach einer Glinder Bürgerbefragung der "Akademie" eine Abfuhr erteilte (Volksstimme vom 6. November).

Wie zu erwarten war, hatten im Zuge der jetzigen Abstimmung einige Stadträte Bauchschmerzen. Sie seien angetreten, um Entscheidungen von Ortschaftsräten zu akzeptieren.

Stadtratsvorsitzender Ernst Neugebauer erinnert daran, dass ein Stadtrat das "große Ganze" der Einheitsgemeinde im Auge haben müsse, was besonders in prekärer Haushaltslage um so wichtiger sei.

Wie es hieß, würde Kannenbergs Unternehmen investieren und die Sporthalle weiterhin dem Vereinssport zur Verfügung stellen.

Zur Erinnerung: Die "Akademie Lothar Kannenberg" möchte in Glinde eine Jugendhilfeeinrichtung aufbauen, in der straffällig gewordene Kinder und junge Männer resozialisiert werden sollen.

Folgekosten sind unklar

Glindes Ortsbürgermeister Norbert Langoff zeigte sich "traurig über diese Entscheidung". Wenn die Empfehlung eines Ortschaftsrates in der schlussendlichen Entscheidung des Stadtrates keine Rolle mehr spiele, sei man von einer funktionierenden Einheitsgemeinde "ganz weit weg".

Er räumte ein, dass es schwierig sei, einen geeigneten Nutzer zu finden. Der 60-Jährige machte auf der jüngsten Sitzung seinem Frust dennoch Luft. So werde nach seiner Auffassung die Konsolidierung des Stadthaushaltes mit zweierlei Maß betrieben. Als Beispiel führte Norbert Langoff den geplanten Abfanggraben parallel zur Bundesstraße 246a an, von dem man sich auch eine Grundwasserabsenkungen des Raumes Gnadau erhofft. Die Stadt Barby wird (neben Bördeland und Schönebeck) das Vorhaben mit 184000 Euro kofinanzieren. "Doch was ist mit den Bewirtschaftungs- und Unterhaltungskosten?", fragte Langoff. Hierfür werde es keine Fördermittel geben und der Grabenunterhaltungsverband 25 Prozent der anfallenden Kosten auf die Stadt umlegen.

Dieser Fakt sei nicht mit der erforderlichen Brisanz in den Beschlussvorlagen für die Stadträte dargestellt worden. "Wir haben in den nächsten Jahren einen Schuldenhaushalt, machen alles, was geht zu Geld, egal mit welcher Konsequenz und bauen solche Luftnummern auf", bezog sich der Ortsbürgermeister auf die Folgekosten des Abfanggrabens. (wird fortgesetzt)