Schönebeck l In einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Marienkirche haben Schönebecker gestern Nachmittag des Mauerfalls vor 25 Jahren gedacht. Das Ende der DDR sei nicht von Gewalt gezeichnet gewesen, sondern von Gebet und Kerzen, vom Mut der Menschen, sagt Pfarrer Dr. Thomas Thorak in der Andacht. In dieser Zuversicht werde deutlich, dass Gott durch den Menschen handele, denkbar Unmögliches möglich werden lasse. 25 Jahre später sei es deshalb richtig und gut, wieder im Gebet und mit Kerzen zusammen zu kommen, und Gott zu danken für das Wunder in unserer Geschichte, so Pfarrer Dr. Thorak.

Viele christliche Gemeinden der Stadt und aus Gnadau haben den Gottesdienst mitgestaltet. Für die musikalische Umrahmung sorgte der evangelische Posaunenchor der Region unter der Leitung von Kantor Carsten Miseler.

Der Ort für die Feier war bewusst gewählt. Für die Wendegeschichte in der Elbestadt ist das Gotteshaus von besonderer Bedeutung, fanden doch hier 1989 die Friedensgebete statt. Mit einer Videosequenz aus dem ersten Friedensgebet und mit Fotografien von Demonstrationen in Schönebeck haben die Gottesdienstbesucher die Ereignisse des politischen Umschwungs wieder ganz gegenwärtig vor Augen gehabt. Geleitet wurden die Friedensgebete damals von den Pfarrern Ulrich Lieb, Günter Schlegel und dem inzwischen bereits verstorbenen Hans Gottschalk. Wegen anderer Verpflichtungen konnten Lieb und Schlegel am Sonntagnachmittag nicht dabei sein, doch auch für ihr Wirken in "vorderster Reihe" wurde gedankt.

Pfarrer Götz Beyer von der Johannisgemeinde erinnerte aber auch daran, dass der 9. November ein "Datum mit zwei Gesichtern" sei - beim Fall der Mauer gehen Menschen friedlich auf die Straße mit dem unbedingten Wunsch nach Freiheit, in der Reichspogromnacht 1938 voller Brutalität, mit dem Ziel, anderen die Existenz zu berauben. Die Geschichte werde, so Pfarrer Beyer, Ausdruck des Spannungsfeldes in dem der Mensch Gott begegne - um Erbarmen bittend, aber auch auf seine Barmherzigkeit vertrauend - bis in die Gegenwart hinein.

Im Videoausschnitt von 1989 schließt das erste Friedensgebet in Schönebeck damit, dass die Menschen, bevor sie auf die Straße gehen, stehend eine Schweigeminute abhalten, den Segen Gottes empfangen und Kerzen anzünden. Genau so endete auch der Dankgottesdienst - an den Türen von St. Marien entzündeten die Gottesdienstteilnehmer ihre Lichter. Anschließend gab es auf dem Pfarrhof einen Sektempfang für alle. Auch das, so Pfarrer Dr. Thomas Thorak, gehöre zusammen - das Danken und das Feiern.