In einer Kreisschau wurden am Wochenende die besten Rassegeflügelzüchter des Altkreises Schönebeck gesucht. Von den zwölf Vereinen waren neun dabei. Insgesamt wurden 560 Tiere präsentiert.

Großmühlingen l Vielleicht ist das der Erfolg. Als am Wochenende beim gastgebenden Rassegeflügelzuchtverein Großmühlingen die diesjährige Kreisrassegeflügelschau mit angeschlossener Rhodeländer-Sonderschau der Gruppe Sachsen-Anhalt durchgeführt wurde und der Volksstimme-Reporter von den Züchtern wissen wollte, warum ausgerechnet die Bördeländer fast in jeder Disziplin die Nase vorn haben, kommt der stellvertretende Ausstellungsleiter, Holger Zwernemann, auf eine einfache Erklärung: "So ein Tier ist auch nur ein Mensch."

So einfach ist das also. Doch was so humorvoll klingt, hat einen durchaus ernsteren Hintergrund. Denn was Holger Zwernemann mit dem Tier-Mensch-Vergleich sagen will, ist, dass das Federvieh am Ende genauso viel Aufmerksamkeit benötigt wie ein Homo sapiens. Tägliche Pflege, Futtergabe, Säuberung des Stalles und wohl auch immer mal mit den Tieren sprechen sind wichtige Grundlagen. So manche Ehefrau eines erfolgreichen Züchters weiß ein Lied davon zu singen, wie der ehrenwerte Gatte die Rangliste für sich festlegt.

Dieser tägliche Aufwand, der betrieben werden muss, ist wohl auch der Grund, warum manche Zuchtvereine im Salzlandkreis leichte Nachwuchssorgen haben. "Wer Mitglied im Fußballverein ist, der trainiert mittwochs und muss sonnabends spielen. Wer Tiere züchtet, hat sozusagen jeden Tag Training", fasst es Holger Zwernemann zusammen.

Von zwölf Kreisvereinen waren neun mit dabei

Geht es nach diesem Maßstab, dann müssen die Mitglieder des Rassegeflügelzuchtvereines im Bördeland in den vergangenen 365 Tagen wieder ein ordentliches Training hingelegt haben. Denn ihre Mitglieder räumten bei der am Wochenende stattgefundene Kreistierschau ordentlich ab (siehe Infokasten).

Von den insgesamt zwölf Kreisvereinen waren zur Schau neun vertreten. Wie Ausstellungsleiter Hilmar Rösemann der Volksstimme berichtete, waren lediglich die Gruppen aus Calbe, Atzendorf und Lödderitz nicht vertreten. Am Ende wurden den Züchtern und den interessierten Besuchern 560 Tiere gezeigt: Hühner, Zwerghühner und Tauben.

Zwar sind die Räumlichkeiten der Ausstellungshalle in Großmühlingen nach Ansicht der Züchter ideal, dennoch stoßen die Veranstalter langsam an die Kapazitätsgrenzen, was am Ende dann doch wieder ein angenehmes Gefühl ist: Die Kreisschau wird in der Region akzeptiert.

Auch politisch wurden die Züchter am Sonnabend aufgewertet. Erstmals besuchte ein Landrat die Schau, Markus Bauer nahm die Einladung ins Bördeland gern an. "In jedem Fall ist die Tierzucht ein sehr zeitaufwändiges Hobby, und deshalb erfreut es mich umso mehr, dass auch Jungzüchter voller Begeisterung dieser Freizeitbeschäftigung nachgehen", sagte Landrat Markus Bauer.

Dem konnte Hilmar Rösemann vom Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Schönebeck nur beipflichten. In Anerkennung der Jugendarbeit wurden auch die Jugendmeister mit im Katalog aufgenommen. Ansonsten hofft er, dass die Zuchtvereine keine aussterbende Spezies sind. "Nein, es gibt so etwas wie Hoffnung", erklärte Rösemann. Jugendliche interessierten sich für die Tierzucht.

Zu den Gästen während der Eröffnung am Sonnabendmorgen zählte auch Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich. Er weiß seit langem, dass die Zuchtvereine in seiner Gemeinde eine Hochburg sind und Großmühlingen die stärkste Gruppe. Hilmar Rösemann lobte vor allem die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Verwaltung in Biere. Zudem bedankte er sich bei allen Helfern, die die Schau möglich machten.

Aus den Reihen der Züchter des Altkreises Schönebeck kommen mehrere Deutsche Meister. Mit welchen Tricks die erfahrenen Männer manchmal arbeiten, erfuhr die Volksstimme schon vor zehn Jahren, bekam aber freundlich nahegelegt, dies nicht öffentlich zu machen. Heute aber darf zumindest ein Geheimnis gelüftet werden: Hilmar Rösemann aus Schönebeck beispielsweise gewöhnt seine frisch geschlüpften Küken früh an menschliche Stimmen und Musik. Er lässt im Stall einfach das Radio laufen. Anfangs wurde er dafür von seinen Züchterkollegen belächelt. "Sollen die jetzt noch Tango lernen?", wurde er gefragt. Inzwischen aber setzen andere Züchter auch auf diese List - mit Erfolg.

 

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