Über Jahrzehnte hat sich die Stahlbau Calbe mbH mit anspruchsvollen in- und ausländischen Projekten einen Namen gemacht. Doch dem Unternehmen der Preiss-Daimler Firmengruppe macht die marode Infrastruktur im Industriepark Calbe seit langem Sorgen.

Calbe l Der Kanzleramtssteg in Berlin ist ein Teil der Parlaments- und Regierungsgebäude. Einzig Mitglieder der deutschen Bundesregierung und ihre Gästen können vom Amtssitz trockenen Fußes über die Spree zum Kanzlerpark am Nordufer gelangen. Was kaum einer weiß: Im repräsentativen Bauwerk stecken rund 540 Tonnen Stahl aus Calbenser Produktion. Auch weitere klangvolle Referenzen der Stahlbau Calbe mbH (s. Infokasten) sprechen für sich. Hervorgegangen ist das Stahlbauunternehmen aus dem 1971 gegründeten VEB Metallleichtbaukombinat (MLK), in dem zu DDR-Zeiten rund 500 Arbeiter in drei Schichten produzierten. Nach der Wende, im Jahr 1996, hat die weltweit agierende Firmengruppe Preiss-Daimler (P-D) das Calbenser Vorzeigeunternehmen von der Treuhand gekauft. Seit 1997 gehört es zur P-D Industriegesellschaft und hat sich zu einem Chemieanlagen- und Kraftwerksbauer sowie spezialisierten Stahlbaufertiger etabliert.

"Wir beschäftigen derzeit 87 Mitarbeiter, davon sechs Auszubildende", erklärt Wilfried Handt. Der Geschäftsführer zeigte Landrat Markus Bauer und Kreiswirtschaftsförderer Tilo Wechselberger kürzlich bei einer Stippvisite die rund 24 000 Quadratmeter großen Fertigungshallen und einen Teil der ebenso großen befestigten Freilagerflächen.

Zur eigentlichen Fertigung übernimmt die Stahlbau Calbe mbH neben der Feuerverzinkung der Bauteile, der Farbkonservierung mit anschließender Tunneltrocknung, der Farbbeschichtung auch die Bauplanung und Statik, das Projektmanagement und die Montage. "Sozusagen alles aus einer Hand", bringt es Handt auf den Punkt. Selbst riesige Fertigungsteile sind dank acht Meter hoher Zweiträgerbrückenkrane in den Werkhallen kein Problem.

Rund 15 000 Tonnen Stahlteile mit Stückgewichten von rund 40 Tonnen werden bei der Stahlbau Calbe mbH jährlich gefertigt. "Per Lkw geht es von hier aus in die ganze Welt", umschreibt Handt kurz die Exportziele und schiebt nach: "Zumindest, wenn es die Fahrzeuge über den zu klein dimensionierten Kreisverkehr in Calbe zur Autobahn geschafft haben." Zwar sei die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften im Stahlbau ein wesentlicher Standortvorteil der Saalestadt, doch das Thema Infrastruktur bemängelt der Geschäftsführer seit vielen Jahren. So seien allein die Straßen im insolventen Industriepark Calbe (IPC), in dem sich auch die Stahlbau Calbe mbH befindet, in einem äußerst maroden Zustand. Vom optischen Gesamtbild wolle er gar nicht erst sprechen.

Handt äußerte sich unzufrieden über die fehlende Arbeit des IPC-Insolvenzverwalters - eine Bremer Kanzlei - in den vergangenen 20 Jahren. "Wir bezahlen unsere Steuern und erhalten null Gegenleistung", mahnt Handt, dessen Unternehmen allein 2011 rund 11,5 Millionen Euro erwirtschaftete. Demnach sei auf Eigeninitiative mit weiteren ansässigen Unternehmen eine eigene Wasserversorgung aufgebaut worden. Im Winter würden Stahlbau-Mitarbeiter auch an Wochenenden selbst die Straßen vom Schnee befreien. "Das kann kein Zustand sein, Wirtschaftsförderung sieht anders aus", bemängelt Handt. Dabei sieht er neben der verschuldeten Saalestadt auch die Wirtschaftsförderung des Salzlandkreises in der Verantwortung. Handt forderte, einzelne Teilflächen aus der IPC-Insolvenzmasse herauszulösen. Das lehnt der Insolvenzverwalter bislang aber ab.