Auf der Suche nach zusätzlichen Einnahmen wollen Schönebecks Stadtverwaltung und Stadtrat jetzt auf dem Bierer Berg fündig werden. Mittels Nutzungs-Entgelt. Ein Ansatz, der sich wesentlich auf den Operettensommer auswirken kann.

Schönebeck l Eine Nutzungs-Entgeltordnung soll her (die Volksstimme berichtete), mit deren Hilfe der ein oder andere Euro über Veranstaltungen hereingeholt werden kann. Dabei sollen Miete und Betriebskosten in Rechnung gestellt werden. Eine von der Stadtverwaltung erarbeitete Beschlussvorlage sah vor, dass pro Veranstaltung 120 Euro fällig werden. Dabei sei es gleichgültig, ob diese Veranstaltung einen Tag dauert oder 20 Tage. Damit sollte vor allem Rücksicht auf die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie genommen werden, deren Operettensommer knapp 20 Tage läuft. Inklusive Betriebskosten (Strom/Wasser) kämen auf das Ensemble um Gerard Oskamp zusätzliche Kosten in Höhe von 200 Euro zu, rechnete Kulturdezernent Joachim Schulke im Kulturausschuss vor.

Das Thema lag bereits in der jüngsten Stadtratssitzung zur Abstimmung vor. Auf Antrag der CDU-Fraktion ging die Sache zurück in die Ausschüsse zur erneuten Beratung. "Wir sehen da eine Ungerechtigkeit bei den Gebühren", argumentierte CDU-Fraktionschef Torsten Pillat in der Sitzung des Finanzausschusses. Benachteiligt wären doch jene, die eine Eintagesveranstaltung ausrichten. Sie müssten genauso viel bezahlen wie Organisatoren, die zu Mehrtagesveranstaltungen einladen.

Die für Kultur und Sport zuständige Verwaltungsmitarbeiterin Birgit Zellmer schlug in der Sitzung eine Kappungsgrenze für Mehrtagesveranstaltungen vor. Vier Tage lang müsste der volle Satz gezahlt werden, ab dem fünften Tag dann 50 Prozent. Auf die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie kämen so Mehrkosten in Höhe von etwa 1600 Euro zu, ohne Kappungsgrenze Kosten von etwa 2600 Euro.

SPD-Stadtrat Steffen Behm gab zu bedenken, dass selbst die kleinere Summe eine Verzehnfachung der Kosten gegenüber dem ersten Entwurf wäre. Weniger Bedenken hat CDU-Mann Torsten Pillat: "Das ist ein sehr guter Vorschlag", lobte er. Stadtrat Frank Wedekind mag dieser Begeisterung nicht folgen. "Der Operettensommer ist doch die einzige Veranstaltung, die über mehrere Wochen geht. Kann sie deshalb extra abgerechnet und behandelt werden?"

"Brauchen einheitliche Entgeltordnung"

Birgit Zellmer verneinte. "Wir brauchen eine einheitliche Entgeltordnung. Sonst stehen wir bei einem anderen Veranstalter wieder vor der Aufgabe einer gesonderten Regelung", sagte sie.

Auch Torsten Pillat, unterstützt von Stadtrat Manfred Pöschke (FDP/Rettet die Altstadt), drängte auf eine Gleichbehandlung. Doch eben die sei schwer zu finden, so Steffen Behm. "Ich halte das für sehr schwierig", sagte er. Die Vorlage wurde im Finanzausschuss lediglich zur Kenntnis genommen, da sie erst in der Sitzung des Stadtrates im Dezember wieder auf der Tagesordnung steht. Die Entscheidungsfindung geht also weiter.

"Sehr enttäuscht" reagierte derweil der Geschäftsführer der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, Hans-Jörg Simon, auf die Vorschläge der Verwaltung. "Von anderen Veranstaltern andernorts weiß ich, dass sie von der Stadt unterstützt werden", weitet Simon das Blickfenster. Er gibt zu bedenken, dass mit dem Operettensommer jährlich rund 15 000 Menschen nach Schönebeck kommen, die hier zum Teil auch übernachten und die heimische Gastronomie nutzen und damit für einen wirtschaftlichen Mehrwert sorgen.

"Es würde für uns so sehr schwer, die Veranstaltung wirtschaftlich tragfähig zu halten. Natürlich haben auch wir Kosten, ich sage nur Urheberrecht", führt Simon aus. So könnte der Schönebecker also bald - beispielsweise - Bernburger Operettensommer heißen?

Der Geschäftsführer findet an diesem Gedanken keinen großen Gefallen. "Ja, es gibt Anfragen dieser Art", räumt er ein, aber: "Der Operettensommer ist ein Schönebecker Kind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Veranstaltung hier auf`s Spiel gesetzt wird." Eigentlich habe er eher damit gerechnet, dass die Unterstützung durch die Stadt Schönebeck zu- statt abnimmt. Hans-Jörg Simon gibt sich optimistisch: "Ich gehe mit der Hoffnung schwanger, dass die Unterstützung durch die Stadt so bleibt wie sie war." Für alles andere hätte er "kein Verständnis."