Wenn Alarm ist, wollen Feuerwehrleute nur eines: Schnell am Gerätehaus sein, um zügig ausrücken und helfen zu können. Einige Kleinmühlinger haben nun wirklich ganz kurze Wege - sie wohnen neben dem Gerätehaus.

Kleinmühlingen l Um es vorweg zu nehmen: Nein, die Hausfassade ist nicht rot, auch nicht das Tor. Nein, die Klingel hat keinen Sirenenton. Nein, auf dem Dach ist kein Blaulicht installiert. Es ist ein ganz normales Mehrfamilienhaus, das die Fabians in Kleinmühlingen gekauft und saniert haben. Mit dem kleinen, aber bedeutenden Randaspekt, dass es sich neben dem Gerätehaus des Ortes befindet. Und dass Hans-Georg Fabian Wehrleiter der Kleinmühlinger schnellen Truppe ist. Und dass die Mieter Feuerwehrmitglieder sind. Aber sonst ... ist alles ganz normal.

"Das Haus, das Gemeindeeigentum war, ist 2009 leergezogen worden. Erst stand es zum Verkauf, dann sollte es abgerissen werden", erinnert sich Hans-Georg Fabian. Der Wehrleiter hat sich die Räume angeschaut, ob sie für Atemschutzübungen nutzbar sind. Und da kam ihm die Idee: In Kleinmühlingen mangele es an Mietwohnungen, vor allem an kleineren für junge Leute. Warum also nicht das Haus nutzen? "Der Gedanke ist mir schon länger durch den Kopf gegangen", sagt er. Dem Gedanken ließen er und seine Frau Janet Taten folgen. Im vergangenen Jahr entschlossen sie sich, das doch marode Haus zu kaufen, es zu sanieren und drei Wohnungen zu schaffen.

Zumal: "Das Haus gehörte einst dem Onkel meines Vaters", erzählt Hans-Georg Fabian und berichtet von Fahrrad-, Autowerkstatt und Schmiede.

Bei einem ersten Besichtigungstermin habe alles gar nicht so schlimm ausgesehen. Fenster, Dach, Klappfensterläden - alles, wie das Gebäude auch selbst, von um 1900. Dann kam aber doch einiges zum Vorschein, wie es meist bei alten Häusern so ist. Doch Fabians verfolgten ein ehrgeiziges Ziel: Im Januar dieses Jahres haben sie angefangen mit Entrümpeln - im September sollten die ersten Mieter einziehen. Ihren Zeitplan hielten sie ein.

Nun leben Juliane Biermordt und Tim Sroka in einer 90-Quadratmeter-Wohnung. Beide sind Feuerwehrmitglieder, sie ist Anwärterin, er ist Maschinist und Atemschutzgeräteträger. "Beim Dienst haben wir noch rumgefaxt: Klar, mach fertig, wir ziehen dann ein. Eines Tages war es dann wirklich soweit", erinnert sich Tim Sroka. "Die Nähe zum Gerätehaus ist schon angenehm", sagt der 29-Jährige, der zudem Ortsbürgermeister von Kleinmühlingen ist. Wie vorteilhaft die kurzen Wege sind, haben sie schon bei der Einweihungsfeier gemerkt. "Wir saßen bei uns nett zusammen. Auf einmal ging die Sirene los. Dann hat es keine zwei Minuten gedauert und das Feuerwehrauto stand draußen", erzählt Tim Sroka.

Die beiden anderen Wohnungen sind auch vermietet: an Christian Meyer, Kinderfeuerwehrwart und Gruppenführer bei der Kleinmühlin- ger Wehr, und Maxim Mützelburg, stellvertretender Jugendwart.

"Sicherlich war die Nähe zur Feuerwehr ein Punkt bei der Wahl, aber nicht ausschlaggebend", sagt Christian Meyer. Und Janet Fabian erwähnt, dass es viele Interessenten für die Wohnungen gegeben habe, "aber die Feuerwehrleute waren am schnellsten", als es darum ging, sich den Mietvertrag zu sichern. Da versichert Tim Sroka: "Noch mehr Feuerwehrleute wären gern eingezogen."

Bei aller Freude über die Resonanz, muss der Wehrleiter eines schmunzelnd einräumen: "Sonst bin ich im Alarmierungsfall immer mit der Erste am Gerätehaus gewesen. Das ist wohl jetzt nicht mehr der Fall."

 

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