Der Hochwasserschutz und die Regenentwässe-rung in Pretzien waren wichtige Themen der Bürgerversammlung.

Pretzien l Welchen Hochwasserschutz bekommt Ostelbien, wenn im Flutfall das Pretziener Wehr gezogen wird und die Umflut vollläuft? Und wann wird gebaut? Fragen, die alle in Pretzien, Plötzky und Ranies umtreiben - das wurde auch bei der Bürgerversammlung in dieser Woche deutlich. Die Volksstimme hat in mehreren Beiträgen über die Thematik berichtet. Doch viele Bürger haben noch Informationsbedarf.

Erhard Wetzel, Ortschaftsrat in Plötzky, ist Experte. Er übernimmt mit seinem Ingenieurbüro Wetzel Fiedler für den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) die Vorplanung des Hochwasserschutzes in Schönebecks ostelbischen Ortsteilen. In Pretzien erklärt er, dass man jetzt am Anfang stehe. Nach ersten Planungen müssten neue Werte einbezogen werden, um auch die Höchststände der Juniflut von 2013 zu berücksichtigen.

Seien diese Vorplanungen abgeschlossen, würden die Bürger in öffentlichen Veranstaltungen informiert, erklärt Erhard Wetzel. "Das geht gar nicht anders, denn alle müssen mitziehen", so der Planer. Denn fest stehe, dass bis zu 2,50 Meter hohe Spundwände mit entsprechend tiefen Gründungen die Ortslagen von Plötzky und Pretzien vor Hochwasser schützen sollen. Ergänzt von Verwallungen. Alle diese festen Anlagen müssen zum Teil auf privatem Grund und Boden gebaut werden.

Erhard Wetzel wie auch Schönebecks Oberbürgermeister schwören die Ostelbier auf diese Maßnahmen ein. Alles würde komplett vom Land bezahlt. Rund zehn Millionen Euro investiert der LHW allein in den Schönebecker Bereich. Deshalb fordern Wetzel und Knoblauch gleichermaßen, dass die Leute "Entgegenkommen" zeigen und können kein Verständnis dafür aufbringen, dass Bürger es nicht zugelassen haben, dass auf ihren Grundstücken vermessen wird. "Wenn auch nur einer nicht mitspielt, dann nützen alle Planungen nichts", so Erhard Wetzel. Und OB Bert Knoblauch: "Eine Hochwasserschutzflanke mit Lücken ist eben keine!"

Bei allem gebe es für die Bürger Möglichkeiten, sich zu informieren und einzubringen - die Verfahren ließen Raum für die Anhörung der sogenannten Träger öffentlicher Belange - alle "Betroffenen".

Sind die Vorplanungen abgeschlossen, kommt es zur Genehmigungsplanung, zur Entwurfsplanung und zur Ausführungsplanung. "Überall hier haben Leute die Möglichkeit, ihre Eingaben zu machen", sagt Erhard Wetzel.

Regenwasser soll auf den Grundstücken bleiben

Das Wasser belastet die Pretziener nicht nur im Katastrophenfall. Auch wenn es zu starken Regenfällen kommt, laufen die Straßen voll und fluten Wege und Grundstücke. Ein Phänomen, was auch in Plötzky angesprochen worden ist.

Die Stadt hat reagiert und fordert alle Plötzkyer und Pretziener auf, das Niederschlagswasser nicht mehr auf die Straße zu leiten, sondern auf den eigenen Grundstücken zu versickern. Das sorgt nicht überall für Jubel.

Das Rathaus fährt zwei wesentliche Argumentationslinien. Die erste betrifft Gesetzmäßigkeiten, die das Versickern auf den eigenen Grundstücken in Sachsen-Anhalt vorschreiben. Die zweite setzt auf Rücksichtnahme gegenüber den Nachbarn. Wenn alle ihr Wasser auf die Straße bringen, sammele es sich in den Orten an den tiefsten Stellen und den Grundstücken dort. So gilt die Regelung für alle. Jörg Naumann von der Stabsstelle Abwasser im Rathaus hat dazu Schreiben verfasst und sucht das Gespräch mit den Leuten. Dabei, so heißt es von der Stadt, werde auch begutachtet, wo Ausnahmen von der Versickerung auf den Grundstücken gemacht werden können, einfach weil Flächen zu klein sind oder die Bodenbeschaffenheit es nicht zulässt.

Beide Themen - Hochwasser und Regentwässerung - kommen zusammen, wenn es darum geht, dass der Niederschlag auch auf den Grund- stücken versickert werden soll, wenn in Zukunft Spundwände als Hochwasserschutz gesetzt sind. "Wir lösen das Problem, damit Ihnen das Regenwasser nicht in den Nacken läuft", verspricht Erhard Wetzel auf die Frage einer Bürgerin. Wenn es in die Feinplanung für den Hochwasserschutz gehe, würden diese Themen bedacht.